Oldenburg

Stadtführungen für Alle

Oldenburgs Stadtführer wurden im Rahmen eines Workshops für die Bedürfnisse von Menschen mit Behinderungen sensibilisiert.

Oldenburgs Stadtführer wurden im Rahmen eines Workshops für die Bedürfnisse von Menschen mit Behinderungen sensibilisiert.
Foto: Anja Michaeli

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Oldenburg (am/zb) – Stadtführungen anzubieten gehört für die Oldenburg Tourismus und Marketing GmbH (OTM) zum täglichen Geschäft. Doch inwiefern können eigentlich Menschen mit Behinderungen problemlos an ihnen teilnehmen? Seit der Stadtrat sich einstimmig für Inklusion in der Huntestadt ausgesprochen hat, denken auch 16 Stadtführer über dieses Thema nach, versuchten sich in die Rolle von Menschen mit Handicaps hineinzuversetzen und machten sich jetzt auf Spurensuche.

Die OTM begleitet in Kooperation mit Susanne Jungkunz, Leiterin der städtischen Fachstelle Inklusion, den Prozess zum inklusiven Oldenburg im Sinne eines „Tourismus für Alle“ in Deutschland. „Es geht uns um gute Teilhabe für alle Menschen in allen Lebensbereichen und die ganze Vielfalt der Gesellschaft. Wichtige Bereiche sind dabei auch Kultur und Freizeit“, so Jungkunz.

Grundlage der in diesem Projekt zu entwickelnden Maßnahmen ist das bundesweit einheitliche Kennzeichnungs- und Zertifizierungssystem „Reisen für Alle“. Mit diesem deutschlandweit einheitlichen Kennzeichnungssystem will sich die Tourismusbranche besser auf Menschen mit Einschränkungen oder Behinderungen einstellen.

In Deutschland leben rund zehn Millionen Menschen mit einer Behinderung. Aber von der für sie angestrebten Barrierefreiheit würden auch viele andere Menschen profitieren wie Eltern mit kleinen Kindern oder Senioren. „Angesichts des demografischen Wandels kann damit für uns auch ein Wettbewerbsvorteil entstehen“, betont OTM-Geschäftsführerin Silke Fennemann.

Die Stadtführer Irmtraud Eilers und Gerhard Kindl testeten mit einem Rollstuhl das Innenstadtpflaster.

Die Stadtführer Irmtraud Eilers und Gerhard Kindl testeten mit einem Rollstuhl das Innenstadtpflaster.
Foto: Anja Michaeli

In einem ersten Schritt hat sich die OTM auf ihre touristischen Angebote konzentriert und eine Weiterbildung für Mitarbeiter und den Gästeführerverein Oldenburg organisiert. Sie machten sich sowohl theoretisch und praktisch mit dem Thema vertraut. Bei praktischen Übungen mit Rollstühlen, Simulationsbrillen und Taststöcken hatten alle Teilnehmer die Möglichkeit hautnah zu erfahren, auf welche Barrieren Gäste in der Oldenburger Innenstadt stoßen können. So ist das denkmalgeschützte Kopfsteinpflaster vor der Lamberti-Kirche eine echte Hürde.

Das gilt auch für die Treppenstufen auf dem Rathausmarkt. Menschen mit Gehbehinderungen müssen also Umwege machen. Andere Handicaps erfordern alternative Herangehensweisen. Um das Erleben von sehbehinderten Menschen zu erfahren, ließ sich Workshopleiter Dr. Kai Pagenkopf (Neumann Consult) das Innere der Lamberti-Kirche beschreiben. Für Menschen mit Lernschwierigkeiten oder für diejenigen, die der deutschen Sprache nicht mächtig sind, wurde die „Leichte Sprache“ vorgestellt. Und schließlich ging es um so elementare Fragen, wo denn eigentlich öffentliche behindertengerechte WC in der Stadt sind oder beispielsweise welche Cafès nach der Führung für Rollstuhl- und Rollatornutzer geeignet sind. „Man bekommt einen anderen Blick“, so Stadtführer Helmut Meinken nach dem Workshop. Über all diese Fragen wolle er sich mehr Gedanken machen, damit Menschen mit Behinderungen künftig problemlos an einer Führung durch Oldenburgs Innenstadt teilnehmen können.

„Uns fehlten bisher die entsprechenden Kenntnisse für die Bedürfnisse dieser Zielgruppe. Ab 2016 werden einiger unserer Stadtführungsangebote zielgruppengerecht optimiert“, erklärt Ines Ackermann, zuständig für den Bereich Stadtführungen bei der OTM. Meike Dittmar vom Behindertenbeirat wünscht sich zudem ein mobiles System, um auch allen, die mit dem Hören Schwierigkeiten haben, eine Teilnahme an den Stadtführungen zu ermöglichen.

Die Maßnahme wurde aus Mitteln einer mit 90.000 Euro prämierten Förderung im Rahmen des niedersächsischen Wettbewerbes „Kommunale Modellvorhaben zur Stärkung der Inklusion auf der örtlichen Ebene“ finanziert. Der zweitätige Workshop für Stadtführer ist Teil eines kommunalen Aktionsplans „Inklusion“, der zahlreiche Maßnahmen enthält (PDF-Download).

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