Oldenburg

Stadt erwartet in diesem Jahr rund 800 Flüchtlinge

Flüchtlinge – wie hier von der Elfenbeinküste, dem Irak, Syrien und Afghanistan – können sich im Café Ibis in Oldenburg treffen. Die Familien, Kinder, Frauen und Männer erhalten Unterstützung durch den Café-Leiter Serwan Balasini und den Flüchtlingsberater Mousa Mazidi.

Flüchtlinge – wie hier von der Elfenbeinküste, dem Irak, Syrien und Afghanistan – können sich im Café Ibis in der Klävemannstraße treffen. Die Familien, Kinder, Frauen und Männer erhalten Unterstützung durch den Café-Leiter Serwan Balasini (4. von links) und den Flüchtlingsberater Mousa Mazidi (rechts).
Foto: Anja Michaeli

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LzO Beratung

Oldenburg (zb) – Jede Woche kommen etwa 20 Flüchtlinge in Oldenburg an. Für sie muss die Stadtverwaltung unter anderem Wohnraum zur Verfügung stellen und ihnen bei den ersten Schritten in einer fremden Kultur helfen. Wie macht sie das eigentlich angesichts der Wohnungsknappheit in der Huntestadt?

„Das ist schwer“, sagt Inge Voigtländer, Leiterin des Sozialamtes. „Seit 2010 haben wir rund 1300 Flüchtlinge in der Stadt untergebracht, die sich sehr gut integriert haben. In diesem Jahr kommen rund 800 hinzu, für die wir täglich auf der Suche nach Wohnraum sind.“ Eine Woche vorher wird die Stadt darüber informiert, welche Flüchtlinge aus den Erstaufnahmestellen in Bramsche und Friedland in Oldenburg eintreffen.

„Wir erfahren ihre Nationalität und ob es Familien oder Einzelpersonen sind“, berichtet sie. Das ist wichtig, um die Asylsuchenden so sozial wie möglich unterzubringen. Denn Kinder brauchen zum Beispiel einen Kindergarten oder eine Schule, die gut zu erreichen sind“, betont Inge Voigtländer. Mit Bus oder Zug kommen sie in Oldenburg an und werden von mehreren kompetenten Menschen aus der Verwaltung aber auch von Vereinen und Wohlfahrtsverbänden empfangen.

Zahlreiche ehemalige Flüchtlinge, die diese Odyssee bereits hinter sich haben und längst heimisch geworden sind, bescheinigen der Stadt eine hohe Willkommenskultur, weshalb die meisten von ihnen in Oldenburg geblieben sind und sich wohl fühlen. Sie sind es oft auch, die der Stadt, Wohlfahrtsverbänden und Vereinen wie IBIS ehrenamtlich zur Verfügung stehen, um zu dolmetschen oder andere Aufgaben zu übernehmen. Inge Voigtländer ist angetan von all den ehrenamtlichen Helfern, die dringend gebraucht werden.

Aber auch in der Stadtverwaltung existiert ein perfekt organisiertes dezernatsübergreifendes Team, das sich kompetent zuarbeitet. „Die einen suchen täglich nach Wohnraum, die nächsten gucken sich nach freien und zugleich bauordnungsrechtlich geeigneten Flächen um, auf denen Container aufgestellt werden können, andere begutachten zum Beispiel eine Turnhalle auf dem Fliegerhorst, die wir demnächst als Unterkunft benötigen und die baulich hergerichtet werden muss“, erzählt sie.

Denn der Wohnraum wird knapp, obwohl kontinuierlich Flüchtlinge ihre Asylverfahren abschließen, sich mit Hilfe der Stadt eine eigene Wohnung suchen und somit Flüchtlingsunterkünfte verlassen. „Wir bemühen uns, Flüchtlinge so schnell wie möglich in Wohnungen unterzubringen und hoffen auf die Hilfe von Oldenburgern, die uns hoffentlich weiteren Wohnraum zur Verfügung stellen. Denn die Stadt mietet die Wohnungen an und ist der Ansprechpartner“, stellt sie klar.

Die Verteilung der Asylbewerber durch das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge auf die Länder erfolgt nach dem sogenannten Königsteiner Schlüssel. Danach muss Niedersachsen in diesem Jahr 9,36 Prozent der Asylsuchenden aufnehmen. Die Verteilung auf die Kommunen erfolgt nach Bevölkerungsanteilen. Oldenburg muss danach 2,99 Prozent der auf Niedersachsen verteilten Asylsuchenden aufnehmen.

Für jeden Asylsuchenden erhält die Stadt pro Jahr 6185 Euro. Der deutsche Städtebund fordert 10.000 Euro, um die anfallenden Kosten halbwegs decken zu können. Im städtischen Haushalt stehen 7,94 Millionen Euro für Flüchtlinge bereit. „Mit dieser Summe werden wir wohl nicht auskommen“, gibt Inge Voigtländer zu bedenken, denn der Flüchtlingsstrom aus Syrien und anderen Ländern reißt nicht ab. Im Gegenteil: Die Fachleute befürchten neue Flüchtlingsströme bedingt Krisenherde wie beispielsweise im Jemen.

500 Millionen Euro hat der Bund den Ländern zur Verfügung gestellt. „Das klingt nach viel Geld, aber am Ende waren es 45 Millionen Euro für Niedersachsen, von denen 40 Millionen Euro auf die Kommunen verteilt werden. Noch ist der Verteilungsschlüssel nicht bekannt, aber die Stadt rechnet mit 412.000 Euro. Das ist ein Tropfen auf den heißen Stein“, sagt die Sozialamtsleiterin.

Sobald die Flüchtlinge ankommen, werden sie mit einem Lunchpaket ausgestattet und lernen ihre neue Unterkunft kennen. Außerdem bekommen sie eine Führung durch die Verwaltung, lernen ihre Ansprechpartner kennen, werden mit wichtigen Telefonnummern ausgestattet und erfahren, wo ihr Sprachkurs stattfindet, in welche Schule ihre Kinder gehen bis hin zu der Information wie Mülltrennung funktioniert. Sozialarbeiter, Dolmetscher und Ehrenamtliche sind dabei, beantworten Fragen und helfen ihnen bei den ersten Schritten in einem fremden Land.

Bislang sind 730 männliche und 590 weibliche Flüchtlinge in Oldenburg aufgenommen worden. Während unter anderem die syrischen und irakischen Flüchtlinge gute Aussichten auf Asyl haben, sieht das bei den Menschen aus dem Kosovo oder Serbien anders aus. Allerdings dauern die Verfahren oft Jahre, ehe sie in ihre Heimat abgeschoben werden. „Wir beobachten aber mit großer Freude, wie schnell sich die anerkannten Flüchtlinge integrieren“, sagt Inge Voigtländer. „Dazu trägt nicht zuletzt die dezentrale Unterbringung bei. Sie freunden sich mit Nachbarn an, helfen sich gegenseitig, ihre Kinder spielen zusammen und es wird gefeiert. Dabei lernen sich alle kennen und fühlen sich bereichert.“

Sie kommen nicht freiwillig nach Deutschland und geben in ihrer Heimat alles auf, um endlich in Frieden leben zu können. „Tatsächlich sind die meisten unendlich dankbar und bemühen sich, so schnell wie möglich ein eigenverantwortliches Leben zu führen“, berichtet Inge Voigtländer. Viele haben eine Berufsausbildung und benötigen vor allem Sprachkenntnisse. „Wir haben vom Ungelernten bis zum Studierten alles dabei“, bestätigt sie. Die meisten von ihnen werden Steuerzahler und manch einer hilft dann wiederum seinen Landsleuten in Oldenburg Fuß zu fassen.

Wer Wohnraum zur Verfügung stellen möchte, wendet sich an die Stadt telefonisch unter 04 41 / 235 32 48 oder per E-Mail an soziales@stadt-oldenburg.de.

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5 Kommentare

  1. Johann Kloecker
    14. April 2015 um 8.10

    Wohin uns dieses Vorgehen führt ist fast jeden Tag unter Polizeimeldungen „Blaulicht“ in den Medien zu lesen. 21 jährige von 2 Männern brutal überfallen, Afrikaner in Rostrup erschossen, Taxifahrer schreitet ein bei Messerstecherei unter Asylbewerbern, in Ritterhude wird ein junger Mann überfahren und gerade eben in der NWZ die verschwiegene Messerstecherei in Wildeshausen und und und. Ich hatte mir vorgenommen, im IBIS zu helfen und bin zum Flüchtlingscafe gefahren. Dort saßen ca. 15 gutgenährte Araber, die sich bestens gelaunt in ihrer Muttersprache unterhielten. Keine einzige Frau oder Familie zu sehen. Als die Aufsichtsperson einen Ratsuchenden fragte, zu wem er wolle, als er an ihm vorbei in die Beratung drängelte, wurde er barsch gefragt, ob er vom CIA wäre „oder was?“ . Wie können das alles willige Fachkräfte sein, wenn sie aus Ländern kommen, deren größte technische Errungenschaft der letzten tausend Jahre ein Stock ist? Die Polizisten tun mir leid und haben meine Hochachtung gerade diese Missstände aus zu baden. Wir steuern mit Schlichtwohnungsbau, Containern usw. auf eine Ghettoisierung zu. Oldenburg ist bunt und weltoffen! Mehr Asylbewerber! Wird schon irgendwie klappen…

  2. Barbara Klebinger
    14. April 2015 um 12.18

    … und ich würde gerne wissen, bei welchen Politikern neben ihrem Wohnhaus/Villengrundstück die so laut gerufenen Flüchtlinge wohnen, bzw. Flüchtlingsunterkünfte im 50m-Bereich haben.
    Es werden doch laufend teure Gutachten über alles mögliche bezahlt …

  3. Martina
    26. April 2015 um 7.22

    Das unsinnigste scheint mir hier eher der „Königsteiner Schlüssel“ zu sein.
    Niedersachsen bekommt eine Asylquote von 9,36 Prozent, davon müssen alleine in Oldenburg 2,99 Prozent der Asylsuchenden aufgenommen werden, also fast 30 % in einer Stadt.
    Eine Stadt, die nicht mal genug Wohnraum für die hiesige Bevölkerung hat.
    Dabei ist Niedersachsen flächenmäßig ein großes Bundesland.
    An diesem Verteilerschlüssel sollte schnellstens nachgearbeitet werden.

  4. Christoph
    13. August 2015 um 14.50

    Danke, liebe OOZ, für den Bericht, den ich erst jetzt lese – die Situation ist leider immer noch dramatisch.
    Ich freue mich, dass wir Oldenburger und Oldenburgerinnen unseren Beitrag zur Aufnahme von Flüchtlingen gerne leisten.
    Dass es derzeit hier und da noch klemmt, ist verständlich, aber wir lernen sicher schnell dazu.
    Sicher geht da in Zukunft noch einiges mehr.
    Dazu gehört auch, dass der ein odere andere von uns an seinen Vorurteilen oder fremdenfeindlicher Haltung arbeitet.
    Oder an seinen/ihren Mathematikkenntnissen (s.o.), aber das steht auf einem anderen Blatt.
    LG

    • Barbara Klebinger
      31. August 2015 um 14.04

      … wie kommen Sie bloß darauf, für alle Oldenburger und Oldenburgerinnen zu sprechen ? Ich wünsche Ihnen aber Erfolg in Ihrer Gruppierung für die Bearbeitung der Vorurteile und Haltung.