Oldenburg

Experten sprechen über Starkregen und Wasserknappheit

Prof. Thomas Wegener, Prof. Helge Bormann und Dr. Michael Janzen informieren über mögliche Lösungen bei extremen Regenfällen.

Prof. Thomas Wegener, Prof. Helge Bormann und Dr. Michael Janzen informieren über mögliche Lösungen bei extremen Regenfällen.
Foto: Lisa Rahm

Oldenburg (am) Mehr als 3500 Besucher aus dem In- und Ausland werden beim 33. Oldenburger Rohrleitungsforum zum Leitthema „Rohrleitungen – Transportmedium für Trinkwasser und Abwasser“ bis zum 15. Februar von der Jade Hochschule im Alten Landtag erwartet. In diesem Jahr stehen „Starkregen und Klimawandel – globale Probleme regional anpacken“ im Mittelpunkt. Experten informieren über zukunftsfähige Lösungsansätze für den Umgang mit Starkregenereignissen oder anderen Klimaphänomenen wie Wasserknappheit. Rund 400 Aussteller und zirka 130 Referenten und Moderatoren wurden von der Jade Hochschule auf die Fachmesse eingeladen.

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Vier Jahre ist her, dass die Straßen im Oldenburger Norden nach extremen Regenfällen unter Wasser standen. Die überlasteten Rohrleitungssysteme sorgten für vollgelaufene Keller, überflutete Vorgärten und chaotische Verkehrsverhältnisse. Ganz im Gegensatz zum Jahrhundertsommer im vergangenen Jahr: Durch die Dürre und die Wasserknappheit musste der Druck gesenkt werden, um die Trinkwasserversorgung im Landkreis Oldenburg und Ammerland zu sichern. Zwei Seiten einer Medaille, die die Redner zur heutigen Eröffnung des Rohrleitungsforums thematisiert haben.

Der zunehmende Klimawandel, die fortschreitende Versiegelung der Böden und der Anstieg des Meeresspiegels sorgen auch für regionale Probleme. „Die Grenzen der Versorgungssysteme werden uns aufgezeigt“, sagt Prof. Dipl.-Ing. Thomas Wegener, Vorstandsmitglied des Instituts für Rohrleitungsbau (iro). „Wir wissen, dass wir für die Probleme, die uns drohen, nicht immer technische Lösungen finden werden“, so Wegener weiter. Es ginge nun im Umgang mit Starkregenereignissen um intelligente Strategien und Methoden für den urbanen Raum und nicht mehr nur um größere Rohre – für die der Platz fehlt und die bei Wasserknappheit eher hinderlich sind. Bei den regionalen Folgen des Klimawandels handele es sich immer um kommunale Gemeinschaftsaufgaben, betont Dr.-Ing. Michael Janzen, Oldenburg-Ostfriesischer Wasserverband (OOWV). Neben den traditionellen Ingenieursaufgaben stünde der Dialog mit den Akteuren und den Bürgern im Vordergrund.

Zum Thema „Starkregen“ wird im Rahmen des Rohrleitungsforums über die Starkregen-Gefahrenkarte informiert. Diese Informationsmöglichkeit bieten zurzeit weniger als zehn Städte. „Wir arbeiten zurzeit an Lösungen für die Gefahrenbereiche und an einer Maßnahmenkarte“, so Janzen. Als Beispiel nennt er die Multifunktionalität von Flächen wie einen Park, in dem sich im Notfall Wasser sammeln kann oder den Aufbau eines Störungs-, Notfall- und Krisenmanagements und Verkehrsinformationen bei Starkregen für den öffentlichen Personennahverkehr. „Langfristig planen und optimal vorarbeiten“, das sei notwendig, sagt Dr. Helge Bormann von der Jade Hochschule. Darüber informieren die Fachleute in den kommenden Monaten die Bürgervereine, die als Multiplikatoren für eine Sensibilisierung sorgen könnten. Außerdem werden für die anderen Kommunen im Verbandsgebiet Generalentwässerungspläne und Starkregengefahrenkarten erstellt.

Die ersten Erfahrungen und konkreten Ergebnisse haben sich auch aus der Teilnahme an dem europäischen Forschungsvorhaben „CATCH – water sensitive Cities: the Answer to Challenges of extreme weather events“ entwickelt. Mehrere Oldenburger Akteure beteiligen sich neben zwölf Partnern von sechs Pilot-Städten aus insgesamt sechs Nordseeanrainerstaaten an dem Projekt, das sich mit den besonderen Bedürfnissen mittelgroßer Städte beschäftigt, die sich mit den Folgen extremer Wetterereignisse auseinandersetzen müssen. Dabei geht es beispielsweise um große Fahrradkeller, die geflutet werden können (Zwolle, Niederlande) oder die Umgestaltung eines Sportplatzes, der im Notfall Wasser sammeln kann (Vejle, Dänemark). In Oldenburg ist der Bau eines neuen Stadtteils auf dem ehemaligen Fliegerhorst ein ideales Planungsfeld. Hier wird unter anderem eine Parkfläche entstehen, auf der bei extremen Regen Wasser aufgestaut werden kann.

Beim Thema Wasser könnte man viel von den Nachbarn lernen, ist sich Bormann sicher. Während in Deutschland erst einmal alles lange geplant würde, packen die Niederländer die Probleme einfach an. Sie probieren Dinge aus und wenn eine Idee nicht gut war, kommt die nächste. „Wir brauchen mehr sachgebietsübergreifende und unkonventionelle Lösungswege“, wünscht sich Bormann für die Zukunft.

Starkregen

Von Starkregen spricht man ab einer Menge von mehr als fünf Litern pro Quadratmeter in fünf Minuten oder mehr als 17 Liter pro Quadratmeter in der Stunde. Starkregen tritt häufig in lokal begrenzten Stadtbereichen auf. Diese Ereignisse sind schwer voraussagbar und die Experten gehen davon aus, dass die Phänomene zunehmen werden.

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