Oldenburg

Immer öfter sinnlose Anrufe

Rund um die Uhr arbeiten die Disponenten in der Großleitstelle Oldenburg, wo die 112-Anrufe eingehen.

Rund um die Uhr arbeiten die Disponenten in der Großleitstelle Oldenburg, wo die 112-Anrufe eingehen.
Foto: Katrin Zempel-Bley

Oldenburg (zb) Um 9,8 Prozent ist die Zahl der Gesamteinsätze der Großleitstelle Oldenburger Land gestiegen. 259.763 Einsätze wurden registriert, das waren 23.160 mehr als 2015, wie Frank Leenderts, Vorstand der Großleitstelle, der am Montag Bilanz zog, berichtete. Die Zunahme hatte er bereits vor einem Jahr prognostiziert. Verantwortlich dafür sind einerseits die demografische Entwicklung, wonach es immer mehr ältere Menschen gibt, und andererseits das ausgeprägte Anspruchsdenken.

Anzeige

LzO Neukunden

So gab 137.438 Anrufer, die starke Zahnschmerzen hatten, deren Erkältung nicht nachließ, die wegen Übelkeit zum Arzt gefahren werden wollten oder die wissen wollten, welche Apotheke Notdienst hat, nannte Leenderts ein paar Beispiele. 2015 waren das noch 120.288 Anrufe. Je mehr Anrufe bei der Leitstelle eingehen, umso mehr Personal ist dort erforderlich. Im vergangenen Jahr waren es 49 Disponenten, in diesem Jahr reichen sie nicht mehr aus und sind bereits um zwei Mitarbeiter verstärkt worden. Die Brand- und Hilfeleistungseinsätze verringerten sich von 6377 auf 6076 im letzten Jahr. Dagegen nahmen die Einsätze des qualifizierten Krankentransports von 43.363 in 2015 auf 45.014 in 2016 zu. Auch im Bereich Notarzt- und Notfallrettungseinsätze stieg die Zahl von 66.575 um 4669 auf 71.235.

Dank der strukturierten Notrufabfrage ist die Entwicklung der Telefonreanimation sehr erfolgreich, berichtet Leenderts. Konkret geht es um den Herz-Kreislaufstillstand oder den plötzlichen Herztod, eine der häufigsten Todesursachen in Deutschland. Mit einer gezielten Wiederbelebung können viele Betroffene gerettet werden. „80 Prozent der Anrufer setzen die von uns vorgegebenen Maßnahmen mittlerweile um und haben so manch einem Bürger das Leben gerettet“, berichtet Leenderts.

Die Disponenten stellen bestimmte Fragen und geben den Anrufern dann per Telefon exakte Anweisungen darüber, was bis zum Eintreffen der professionellen Retter zu tun ist. Das ist für beide Seiten harte Arbeit, zum Glück aber oft von Erfolg gekrönt. Im Landkreis Wesermarsch gab es im vergangenen Jahr 67 begleitete Telefonanimationen durch die Großleitstelle, im Landkreis Cloppenburg 104, im Landkreis Oldenburg 93, im Landkreis Ammerland 86, in Delmenhorst 54 und in der Stadt Oldenburg 107.

Seit gut einem Jahr werden die Patienten des Rettungsdienstes mit Hilfe von Ivena, einem modernen online System, den jeweiligen Kliniken zugewiesen. Es wird eine landesweite Einführung dieses Systems angestrebt. Ab April wird es auch von Bremen genutzt. Beispielsweise für Schlaganfallpatienten, die keine Zeit verlieren dürfen und eine sogenannte „Stroke Unit“ benötigen, ist dieses System von größtem Vorteil. Die Retter erfahren blitzschnell, wo Kapazitäten frei sind und bringen den Patienten ohne Zeitverlust sofort an die richtige Stelle.

„In diesem Jahr werden die Krankenhäuser mit den Rettungsdiensten und der Großleitstelle eine weitere Funktionalität dieses Systems nutzen können“, kündigt Jörg Gellern, Ärztlicher Leiter der Stadt Oldenburg, an. Es geht um die Zuweisung von mehreren Patienten bei größeren Schadensfällen. Mit Hilfe von Ivena kann der Rettungsdienst die Patienten ohne Zeitverlust den Kapazitäten entsprechend zuweisen.

Großleitstelle Oldenburger Land

Die Großleitstelle Oldenburger Land ist für die Landkreise Ammerland, Cloppenburg, Oldenburg und Wesermarsch sowie die Städte Delmenhorst und Oldenburg mit rund 735.000 Einwohnern zuständig. Die aus den Notfällen resultierende Anzahl von jährlich über 250.000 Ereignissen wird durch die Leitstelle disponiert und von 30 Rettungs- und 155 Feuerwehrwachen mit insgesamt über 2000 verschiedenen Fahrzeugen durchgeführt. 49 Mitarbeiter sind im Notrufmanagement tätig, das sieben Tage in der Woche rund um die Uhr erreichbar ist. Gemeinsam mit dem Kooperationspartner, der Polizeidirektion Oldenburg, betreibt die Großleitstelle Oldenburger Land die Kooperative Großleitstelle Oldenburg (KGO) als eine gemeinsame Leitstelle von Feuerwehr, Rettungsdienst, Krankentransport und Polizei.

Vorheriger Artikel

Infoveranstaltung zur Ausbaustrecke Oldenburg-Wilhelmshaven

Nächster Artikel

Gute Note für Oldenburg als Wirtschaftsstandort