Oldenburg

Kommentar: Der große Wurf

Auch die Verkehrsberuhigung der Schlossplatzstraße sollte Teil der gesamten Strategie ein.

Auch die Verkehrsberuhigung der Schlossplatzstraße sollte Teil der gesamten Strategie ein.
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(Ein Kommentar von Michael Exner) Was die Stadt aktuell plant, könnte tatsächlich zum großen Wurf werden: Eine Gesamtstrategie für die Verkehrsentwicklung, in die sich die einzelnen Dauerbrenner der politischen Debatte wie Mosaiksteine einfügen. Genau das hat Oldenburg in der Vergangenheit gefehlt – wobei man Vergangenheit in diesem Fall nicht in Jahren, sondern in Jahrzehnten denken darf.

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Dabei sollte man Planung und Realisierung nicht durcheinander bringen. Es braucht erst ein Konzept für Bahnübergänge und –haltepunkte, für Busbeschleunigung und Fahrradstraßen, für P+R-Plätze (viel Vergnügen mit den Nachbarn!) und verkehrsberuhigte Zonen – und dann die Umsetzung so, dass die einzelnen Schritte in den Rahmen passen. Das setzt aber eines voraus: Die Politik muss sich auf ein Moratorium verständigen, so schwer das auch vor Wahlen sein mag (aber der Oktober geht ja auch vorüber).

Es macht keinen Sinn, mit einem Schnellschuss wie der Schlossplatzstraßen-Beruhigung die Anlieger auf den Baum zu jagen, die Sache ebenso schnell wieder fallen zu lassen, aber gleich wieder fürs nächste Jahr in abgeschwächter Form abzukündigen – das alles bevor man eine Wallring-Lösung auch nur gedanklich parat hat. Schließlich hängen beide Straßen zusammen. Und es macht auch keinen Sinn, die Öffnung des Klinikums zur Cloppenburger Straße zu betreiben, wenn parallel dazu in einer irrlichternden Ideenwerkstatt Phantasien entwickelt werden, wie man auf eben dieser Straße, die ja den Betrieb von und zum Klinikum (anstelle der chronisch notleidenden Voßbergen) aufnehmen soll, den Verkehr verlangsamen könnte. Das passt alles nicht.

Die Verkehrsentwicklung der Stadt ist in den vergangenen drei Jahrzehnten aus den Fugen geraten. Das lässt sich nicht von jetzt auf gleich korrigieren, schon gar nicht mit der Atemlosigkeit, die Oldenburger Politik gelegentlich aufweist. Noch immer gilt: Wer nicht weiß, wo er hin will, dem nützt es nichts, wenn er besonders schnell rennt.

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2 Kommentare

  1. W. Lorenzen-Pranger
    31. Mai 2022 um 12.41

    Es wäre so einfach. Schickt doch ein paar Leutchen (bitte MIT Hirn) aus der Verwaltung nach Houten / Niederlande, nach Amsterdam, nach Kopenhagen. Das kostet weniger als jedes großkotzige „Gutachten“ – ein Eisenbahnticket und einige wenige Hotelzimmerchen reichen da schon. Bezahlt für ihren Job sind die schließlich eh schon, also sollen die ihn gefälligst auch machen. Außerdem, es gibt auf YouTube zahlreiche Berichte über die Verkehrssituationen dieser Städte – und da reden ganz offiizielle Vertreter dieser Städte und Fahrrad-Interessenverbände mit (fast) jedem, den es interessiert. Ein Anruf dort, um sich deren Argumente anzuhören, reicht also ganz offensichtlich schon völlig aus.
    Etwas künstlich zu komplizieren ist jedenfalls – ganz sicher! – der falscheste und unnötig teuerste Weg – – – und eine Denke von vorigen damals.

  2. W. Lorenzen-Pranger
    31. Mai 2022 um 22.13

    Als Ergänzung meines im Augenblick noch gar nicht freigeschaltetetem Beitrags:

    Zitat: „Die Verkehrsentwicklung der Stadt ist in den vergangenen drei Jahrzehnten aus den Fugen geraten. Das lässt sich nicht von jetzt auf gleich korrigieren, schon gar nicht mit der Atemlosigkeit, die Oldenburger Politik gelegentlich aufweist.“

    Die Sanierung, die Reparaturen an faktisch für einen Teil der Bürger nicht mehr gefahrlos befahrbaren Straßen, hat nichts mit Atemlosigkeit zu tun, das hat mit dem Dienst am Bürger zu tun, den eben der selbstverständlich erwarten darf. Dafür, für den Dienst am Bürger, wurden Verwaltungen und Politik in der Demokratie geschaffen.
    Erschütternd, wenn das wieder einmal verschleiert wird.
    In den 70-ern stellte ein Wissenschafts-Autor (!) ach so überraschend fest, daß die Straßen ein Teil einer Maschine sind – der Teil, auf den Räder rollen. So müssen sie dann auch ausgestaltet sein. Ich glaube ja, das wußten letztlich schon viel frühere Kulturen, warum hätten sie sonst Straßen gebaut?