Oldenburg

Hilfe für Kinder aus Kriegsgebieten

Maria Tinnefeld (links) und die ehrenamtlichen Helferinnen verkaufen Montag Selbstgemachtes auf dem Lambertimarkt zugunsten des Friedensdorfes International.

Maria Tinnefeld (links) und die ehrenamtlichen Helferinnen verkaufen Montag Selbstgemachtes auf dem Lambertimarkt zugunsten des Friedensdorfes International.
Foto: Katrin Zempel-Bley

Oldenburg (zb) Während des Jahres kümmern sich die Ehrenamtlichen des Friedensdorfes International der Koordinationsstelle Oldenburg um kranke Kinder, denen in ihrer kriegs- und krisengeschüttelten Heimat medizinisch nicht geholfen werden kann und die deswegen nach Deutschland geflogen werden, um hier behandelt zu werden. Pünktlich zur Weihnachtszeit stehen die Ehrenamtlichen in diesem Jahr am 18. Dezember von 10 bis 21 Uhr auf dem Oldenburger Weihnachtsmarkt auf dem Sozialstand, um unter anderem selbst gefertigtes Holzspielzeug, Weihnachtsdekoration, Wollsocken, Mützen und natürlich selbst Gebackenes und Gekochtes wie Kekse und Marmelade für den guten Zweck, eben das Friedensdorf, zu verkaufen.

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Die Koordinationsstelle von Friedensdorf International gibt es erst seit September in Oldenburg. Die Sozialpädagogin Maria Tinnefeld leitet die Außenstelle, die für die Region Weser-Ems zuständig ist. Das heißt, sie betreut die ehrenamtlichen Helferinnen, ist zuständig für die Öffentlichkeitsarbeit und stellt vor allem Krankenhauskontakte her. Schließlich sind sie die Basis der Arbeit des Friedensdorfes, denn ohne Kliniken, die die kranken Kinder kostenlos operieren und behandeln, funktioniert sie nicht.

Während Krankenhäuser in Oldenburg, Varel, Westerstede oder Friesoythe die Organisation schon seit Jahren unterstützen, hofft Maria Tinnefeld auf Kontakte in die Krankenhäuser im Umland wie zum Beispiel Brake oder Nordenham aber auch Vechta oder Cloppenburg. „Denn die Kinder leiden unter typischen Kriegsverletzungen oder chronischen Krankheiten, die in ihrer Heimat nicht behandelt werden können“, berichtet sie. „Jedes weitere Krankenhaus, das uns unterstützt, hilft ihre Not zu lindern.“

Diesen Kindern kann in ihrer Heimat nicht geholfen werden.

Diesen Kindern kann in ihrer Heimat nicht geholfen werden.
Foto: Jakob Studnar

Für die Finanzierung der Flüge und anderer Kosten sammeln die Ehrenamtlichen des Friedensdorfes International Gelder.

Für die Finanzierung der Flüge und anderer Kosten sammeln die Ehrenamtlichen des Friedensdorfes International Gelder.
Foto: Toby Binder

Durch die Behandlungen in Deutschland erhalten die Kinder neue Lebensfreude. Zurzeit werden Kliniken gesucht, die sich an dem Projekt beteiligen.

Durch die Behandlungen in Deutschland erhalten die Kinder neue Lebensfreude. Zurzeit werden Kliniken gesucht, die sich an dem Projekt beteiligen.
Foto: Torsten Silz

Die Kinder sind zwischen zwei und zwölf Jahre, stammen unter anderem aus Angola, Afghanistan, Gambia, Tadschikistan oder dem Kaukasus und kehren grundsätzlich in ihre Heimat zurück. „Bevor sie nach Deutschland fliegen, werden sie und ihre Angehörigen intensiv darauf vorbereitet. Denn für manch eine Mutter oder einen Vater ist das ein ganz schwerer Abschied, weil sie ihre Kinder allein lassen müssen, gleichwohl aber wissen, wie wichtig eine medizinische Behandlung für ihre Zukunft ist“, erzählt Maria Tinnefeld, die schon bei zahlreichen Einsätzen dabei war.

Zwischen mehreren Monaten und wenigen Tagen bewegt sich der Krankenhausaufenthalt der Kinder. Bevor sie jedoch nach Deutschland geflogen werden, wird im Vorfeld genau geguckt, welches Krankenhaus für ihre Erkrankung in Frage kommt. Während sie dort liegen und behandelt werden, betreuen die Ehrenamtlichen die Kinder, die alle in umfangreichen Seminaren geschult worden sind.

Brigitte Plambeck-Rätz engagiert sich schon seit zwei Jahrzehnten und ist begeistert. „Die Kinder sollen für ein paar Stunden am Tag vergessen, dass sie krank sind“, sagt sie. „Wenn uns das gelingt, ist das ein ganz tolles Gefühl.“ Immerhin sind die Kinder mitunter wochenlang von ihren Familien getrennt, leben in einer völlig fremden Kultur und Umgebung. Da sind wir schon bemüht, sie nach Kräften zu unterstützen“, macht Maria Tinnefeld klar. Lea Kock studiert in Oldenburg Lehramt und hat in Oberhausen, in der Zentrale des Friedensdorfes, ein Praktikum gemacht. „Danach stand für sie fest, sich in Oldenburg ehrenamtlich zu engagieren.

Ich bin bei einem Einsatz in Angola dabei gewesen, habe Kinder getroffen, die in Deutschland behandelt worden, gesundheitlich wieder hergestellt und voller Lebensfreude sind. Das hat mich beeindruckt“, sagt sie und das hat ihre Mutter Rosemarie Kock bewogen, sich ebenfalls beim Friedensdorf zu engagieren. Sie, Birgit Bark und Martina Traut finden es besonders gut, dass sie nicht jede Woche zu einem Treffen müssen, sondern punktuell zeitlich begrenzte Einsätze am Krankenbett von jeweils maximal drei Stunden haben. Dass die Kinder alle wieder in ihre Heimat zurückkehren, begrüßen sie alle.

„Weil wir nicht jede Woche ein Flugzeug in die betroffenen Länder chartern können, bleiben die behandelten Kinder ein paar Wochen oder Monate in Oberhausen in unserer Heimeinrichtung, die gleichzeitig ein Reha-Zentrum ist. Dort werden die Kinder zum Beispiel psychologisch oder physiotherapeutisch behandelt, erhalten orthopädische Hilfsmittel und gehen in ein Lernhaus ihrer Landessprache“, berichtet Maria Tinnefeld.

In Oberhausen entstehen viele Freundschaften zwischen den Kindern, deren Wege sich irgendwann trennen. „Wir wissen aber, dass viele den Kontakt halten. Auch zu unserer Organisation, weil sie einfach nur dankbar sind. Die Abschiede, sowohl in ihrer Heimat als auch in Deutschland sind mitunter herzzerreißend“, schildert sie. Aber alle wissen wie es funktioniert und dass die Wiederherstellung der Kinder im Vordergrund steht. Sie zu erleben, wie sie wieder am normalen Leben teilnehmen, sich bewegen, spielen, fröhlich sind, das ist einfach großartig und motiviert alle Mitarbeiter und Ehrenamtlichen“, sagt sie abschließend.

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