Oldenburg

Akteure aus der Flüchtlingsarbeit tauschten die Rollen

Im Rahmen eines regionalen Vernetzungstreffens in Oldenburg erlebten Polizisten, Flüchtlinge und Ehrenamtliche einen Perspektivwechsel.

Gregor Rosenthal, Melanie Blinzler, Hermann Lampen und Uwe Erbel (von links) initiierten den Perspektivwechsel.
Foto: Katrin Zempel-Bley

Oldenburg (zb) Im Rahmen eines regionalen Vernetzungstreffens in Oldenburg erlebten Polizisten, Flüchtlinge, ehrenamtliche Flüchtlingshelfer und Mitarbeiter aus Verwaltung, Justiz und Vereinen, die Umgang mit Flüchtlingen haben, einen Perspektivwechsel. Dazu hatte das Bündnis für Demokratie und Toleranz (bfdt) aus Berlin rund 70 Teilnehmer aus der Region eingeladen.

Anzeige

LzO Vorsorge

All diese Akteure treffen bei der Aufnahme von Flüchtlingen in verschiedenen Funktionen aufeinander und nehmen die Situationen unterschiedlich wahr. „Um dabei mögliche Konfliktsituationen rechtzeitig zu erkennen und ihnen vorzubeugen, ist ein Dialog auf Augenhöhe hilfreich“, weiß Dr. Gregor Rosenthal, Leiter des bfdt, der zu dem Treffen bewusst nach Oldenburg eingeladen hatte. „In der Region gibt es mit dem Präventionsrat Oldenburg (PRO), dem Präventionsrat Netzwerk Rheiderland, Interkulturelle Arbeitsstelle Oldenburg (IBIS) und vielen Vereinen sehr gute Voraussetzungen für einen solchen Dialog“, sagt Rosenthal.

Ziel war es, den Beteiligten tiefere Einblicke in die Situationen und Handlungswelten der anderen Akteure zu ermöglichen und zumindest zeitweilig in Rollenspielen deren Positionen einzunehmen. „Die Wahrnehmung im Verhältnis zwischen Polizei, zivilgesellschaftlichen Akteuren und Geflüchteten soll durch diesen Perspektivwechsel einen zusätzlichen Erkenntnisgewinn erfahren“, erläuterte Rosenthal.

Uwe Erbel von IBIS berichtete beispielsweise über die Rolle der Polizei in diktatorischen Herkunftsländern von Flüchtlingen. „Dort sind Polizisten nicht der Freund und Helfer der Bürger, sondern sie sind vielfach korrupt, beleidigen Bürger, setzen sie herab und handeln willkürlich. Viele Flüchtlinge fürchten sich deshalb auch hier vor der Polizei“, klärt er auf. „Erst wenn sie erfahren, dass Polizisten ihre direkten Ansprechpartner sind wenn sie in Not sind oder Unrecht beziehungsweise Gewalt erleben oder beobachten, ändert sich ihr Bild langsam.“

Hermann Lampen, Präventionsbeauftragter der Bundespolizeiinspektion und stellvertretender Leiter des Netzwerks Rheiderland in Bad Bentheim, bestätigt das. Er gehörte zu den Polizisten, die im vergangenen Jahr die ersten Tausend Flüchtlinge in Süddeutschland in Empfang nahm. „Damals wussten wir nur wenig über das Schicksal dieser Menschen, die reihenweise traumatisiert waren und sich vor uns fürchteten.“ Inzwischen weiß der Bundespolizist sehr viel über diese Menschen, zumal er sich selbst um einen jungen Somalier kümmert und dessen Ängste, Sorgen und Probleme aber auch kulturellen Werte mittlerweile sehr gut kennt.

„Es geht aber auch um Spannungen zwischen Polizisten und Ehrenamtlichen“, berichtet Melanie Blinzler, Geschäftsführerin von PRO. „Schließlich müssen Polizisten ihre Aufgaben erfüllen. Das heißt aber nicht, dass sie emotions- oder verständnislos sind.“ So versetzten sich die Teilnehmer in die anderen Akteure und befanden, viel dazu gelernt und neue Impulse bekommen zu haben. Das Verständnis füreinander war am Ende ein anderes. Damit ein Perspektivwechsel und ein Dialog auf Augenhöhe gelingen können, sind Vertrauen und die Vernetzung untereinander wichtige Voraussetzungen, hieß es. Genau daran wollen die Akteure, die sich auch als Multiplikatoren verstehen, künftig weiter arbeiten.

Vorheriger Artikel

WM: Programm rund um das Superfood Grünkohl

Nächster Artikel

Dabei sein ist alles