Politik

Initiative Seebrücke: Oldenburg muss die 64 Geretteten aufnehmen

Für 64 vor der libyschen Küste aus Seenot geretteten Flüchtlingen fordert die Initiative Seebrücke Oldenburg einen sicheren Hafen.

Die Initiative „Seebrücke Oldenburg“ demonstrierte vor der Ratssitzung. An diesem Abend wurde Oldenburg zum „sicheren Hafen“ deklariert.
Foto: Inga Jacob

Oldenburg (pm) In diesem Jahr ertranken nach Angaben der Internationalen Organisation für Migration mindestens 311 Menschen beim Versuch, das Mittelmeer nach Europa zu überqueren. Das Rettungsschiff „Alan Kurdi“ der deutschen Flüchtlingsorganisation Sea-Eye hat gestern vor der libyschen Küste im Mittelmeer 64 Personen aus akuter Seenot aus einem Schlauchboot gerettet und an Bord genommen. Italien verweigert dem Schiff unter deutscher Flagge eine Hafeneinfahrt. „Die Geretteten brauchen jetzt einen sicheren Hafen, wo sie an Land gehen können“, fordert die Initiative Seebrücke Oldenburg.

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Für Mehr-Woller

„Oldenburg muss sich sofort und öffentlich zur Aufnahme der 64 Menschen an Bord der ‚Alan Kurdi‘ bereit erklären, um eine wochenlange Irrfahrt zu verhindern. Die Aufnahmekapazitäten in unserer Stadt sind vorhanden, die Hilfsbereitschaft der Bevölkerung ebenso, wie zuletzt bei der Verleihung des Integrationspreises 2018 am 22. März deutlich und gefeiert wurde“, sagt Simon Wittekindt, Seebrücke Oldenburg. Am 24. September habe sich die Stadt Oldenburg zum „sicheren Hafen“ und zur Aufnahme von im Mittelmeer geretteten Menschen bereit erklärt, betont die Initiative. Die „Seebrücke Oldenburg“ fordert konsequentes Handeln von der Stadt. „Die Auseinandersetzung um die Verteilung von Geflüchteten darf aber nicht auf dem Rücken von Menschen ausgetragen werden, die gerade mit knapper Not der Hölle der libyschen Internierungslager entkommen sind“, so Wittekindt. „Konkret erwarten wir, dass Oberbürgermeister Jürgen Krogmann das Bundesinnenministerium und die italienischen Behörden kontaktiert und die 64 Geretteten nach Oldenburg einlädt.“

Die Initiative verweist auf den Kieler Oberbürgermeister Ulf Kämpfer, der sich im Februar kurzfristig bereit erklärt hat, 40 gerettete Menschen aufzunehmen. „Ein ‚sicherer Hafen‘ wird eine Stadt nicht durch folgenlose Resolutionen, sondern durch konkretes humanitäres Handeln. Der richtige Zeitpunkt dafür ist jetzt“, fasst Wittekindt zusammen.

„Alan Kurdi“

Die „Alan Kurdi“ ist benannt nach einem zweijährigen syrischen Jungen kurdischer Abstammung, der im Mittelmeer ertrunken ist. Sein Leichnam wurde an der türkischen Mittelmeerkünste angeschwemmt. Die veröffentlichten Film- und Fotoaufnahmen erregten 2015 weltweites Aufsehen. Die „Alan Kurdi“ ist zurzeit das einzige zivile Rettungsschiff im Mittelmeer. (Quelle: Wikipedia, Spiegel online)

Initiative Seebrücke

Die Seebrücke ist eine internationale Bewegung, getragen von verschiedenen Bündnissen und Akteuren der Zivilgesellschaft, die sich mit allen Menschen auf der Flucht und in Not solidarisiert. Sie lehnt das repressive System der derzeitigen bundesdeutschen und europäischen Politik ab, das sich unter anderem in der Kriminalisierung ziviler Seenotrettung, der Zusammenarbeit mit der sogenannten libyschen „Küstenwache“, rassistischen Polizeikontrollen und Abschiebungen in Kriegsgebiete äußert. Sie wollen stattdessen ein solidarisches, soziales und den Menschenrechten verpflichtetes Europa. Ein offenes Plenum für alle Interessierten findet jeden Dienstag um 19 Uhr im Kreativ:LABOR an der Kulturetage statt.

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