Oldenburg

Ersthelfer sind oft Lebensretter

Schüler demonstrierten beim Aktionstag Oldenburg rettet Leben auf dem Schlossplatz eindrucksvoll den Flashmob Herzstillstand.

Schüler demonstrierten auf dem Schlossplatz eindrucksvoll den Flashmob „Herzstillstand“.
Foto: Katrin Zempel-Bley

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Oldenburg (zb) – Wenn in der Öffentlichkeit Menschen umfallen und einen Herzstillstand erleiden, ist Erste Hilfe keinesfalls garantiert. Dabei ist sie lebensrettend, egal wie geübt die Ersthelfer sind. „Hauptsache sie legen Hand an“, sagt Jörg Gellern, Ärztlicher Leiter Rettungsdienst der Stadt Oldenburg und Oberarzt der Universitätsklinik u.a. für Notfallmedizin im Klinikum Oldenburg.

„Die Wiederbelebung durch Laien ist sehr oft lebensrettend“, berichtet Gellern, der dazu aufruft, unbedingt aktiv zu werden, wenn man in eine solche Situation gerät. „Erst 112 wählen, dann sofort mit der Herzdruckmassage beginnen. Dadurch verdoppelt oder verdreifacht sich die Überlebenschance des Betroffenen.“ Das heißt, mit beiden Händen auf Höhe des Brustbeins etwa 100 Mal pro Minute drücken. „Niemand kann dabei etwas falsch machen“, stellt er fest anlässlich des Aktionstages „Oldenburg rettet Leben“, der Freitag auf dem Oldenburger Schlossplatz stattfand.

„Weil viele von uns sich nicht trauen, Ersthilfe zu leisten, sterben jedes Jahr viele Menschen. Denn die ersten Minuten sind die entscheidenden“, sagt Prof. Dr. Weyland, Klinikdirektor für Notfallmedizin im Klinikum Oldenburg. „Wenn das Gehirn nach drei bis fünf Minuten nicht durchblutet wird, treten Hirnschäden ein, die oft irreparabel sind.“

Tatsächlich kann jeder von uns betroffen sein. Rund 80.000 Menschen traf der Herzstillstand im vergangenen Jahr in der Öffentlichkeit bundesweit. Während des Aktionstages berichteten Ersthelfer und Menschen mit Herzstillstand von ihren Motiven und Erfahrungen. Auch Helge Hanschke gehört zu jenen, die gerettet wurden, weil ein junger Mann ihn sofort reanimiert hat. „Hätte er das nicht getan, wäre ich gestorben“, erzählt er und ist seinem Lebensretter ewig dankbar. „Er ist mein zweiter Bruder geworden“, sagt der 55-Jährige und fordert alle Anwesenden auf, sich nicht zu scheuen und im Ernstfall Hand anzulegen.

Rund 150 Oldenburger Schüler – bekleidet mit weißen, roten und blauen T-Shirts – demonstrierten das tatsächliche Szenario. Sie legten sich auf den Schlossplatz, denn so viele Oldenburger werden jährlich mit Herzstillstand in die Kliniken eingeliefert. „Allerdings nicht einmal die Hälfte von ihnen überlebt, weil die Erste Hilfe zu spät kam. Im Schnitt braucht ein Rettungswagen acht Minuten. Deshalb sollten Laienhelfer zuerst aktiv werden, damit eines Tages alle wieder aufstehen können“, forderte NDR-Moderatorin Kerstin Michaeli das Publikum auf.

Viele Passanten interessierten sich für den Aktionstag und waren sich nicht darüber im Klaren, wie einfach Ersthilfe ist. „Dafür braucht niemand einen Kurs zu belegen“, sagt Sonja Stolle, Ausbildungsleiterin bei der Johanniter-Unfall-Hilfe, Ortsverband Oldenburg. Das bestätigt auch Frank Leenderts, Leiter der Großleitstelle Oldenburger Land, die zuständig ist für die Landkreise Oldenburg, Ammerland, Wesermarsch und Cloppenburg sowie die Städte Oldenburg und Delmenhorst. „Wir betreuen 735.000 Einwohner und erleben zweimal täglich einen Anruf wegen Herzstillstand“, berichtet er. „Tritt er in den eigenen vier Wänden ein, sagen wir den Anrufern Schritt für Schritt was sie tun sollen und machen damit sehr gute Erfahrungen.“ Oft ist es der Schock oder auch Angst, der die Ersthelfer lähmt. Aber die müssen schnell überwunden werden, sagen alle medizinischen Fachkräfte, damit aus Ersthelfern Lebensretter werden.

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