Politik

OB-Wahl: Kampf und Kämpfer

In der heißen Phase des OB-Wahlkampfs in Oldenburg haben die drei Kandidaten Jürgen Krogmann, Christoph Baak und Heinrich Kreuzwieser und die Kandidatin Dr. Marion Rieken hart gearbeitet. Ohne ihre ehrenamtlichen Helfer wäre das nicht möglich gewesen, sagen alle einmütig.

Ein Wahlkampf ist mehr als ein Wahlplakat.
Foto: Christian Kruse

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Oldenburg (am) – Der Wahlkampf um den Posten des Oberbürgermeisters für Oldenburg dauert seit Monaten. In der heißen Phase in den vergangenen vier Wochen haben alle drei Kandidaten Jürgen Krogmann, Christoph Baak und Heinrich Kreuzwieser und die Kandidatin Dr. Marion Rieken hart gearbeitet. Ob Podiumsdiskussionen, Frühstücksrunden mit Bürgern, Händeschütteln in der Innenstadt, Hausbesuche oder informieren am Stand vor Supermärkten oder auf dem Marktplatz: Ohne ihre ehrenamtlichen Helferinnen und Helfer wäre das nicht möglich gewesen, sagen alle einmütig.

Wer unterstützt die Kandidaten?

Gemeinsam mit Ministerpräsident Stephan Weil verteilte Jürgen Krogmann rote Rosen in der Oldenburger Innenstadt.

Gemeinsam mit Ministerpräsident Stephan Weil verteilte Jürgen Krogmann rote Rosen in der Innenstadt.
Foto: privat

Die Sozialdemokraten stiegen als erstes in den Ring. Bereits im Januar wurde Jürgen Krogmann als OB-Kandidat nominiert. Während sich zunächst ein sechsköpfiges Team um die Koordination des Wahlkampfs kümmerte, bildeten später 15 SPD-Mitglieder das Orgateam. „Ohne die zahlreichen Helferinnen und Helfer wäre der Wahlkampf kaum möglich gewesen“, so Jürgen Krogmann, „in der Spitze hatten wir zehn Info-Stände gleichzeitig, dafür waren rund 100 Aktive unterwegs“.

Hand in Hand arbeitete das Team rund um Marion Rieken. Das Foto entstand zum Wahlkampfauftakt.

Hand in Hand arbeitete das Team rund um Marion Rieken. Das Foto entstand zum Wahlkampfauftakt.
Foto: privat

Die Grünen stellten ihre Kandidatin im Februar vor. Die Wahlkampfvorbereitungen begannen im März. Wöchentliche Treffen und eine Verteilung der Aufgaben standen zunächst auf dem Programm. Es bildeten sich ein engerer und ein weiterer Kreis sowie eine selbstständige Unterstützerinnengruppe „WIR“. „Dieser Wahlkampf unterscheidet deshalb von allen anderen, weil er für eine Kandidatin geführt wurde, die sich ganz dezidiert als unabhängig versteht“, so Hiltrud Neidhardt. Zudem sei er gemeinsam mit der Linken geführt worden, die die parteilose Kandidatin der Grünen unterstützt.

Im Februar teilte der Oldenburger CDU-Chef Olaf Klaukien mit, dass der parteilose CMO-Vorsitzende Christoph Baak ins Rennen geschickt würde. Im März wurde er dann nominiert. Insgesamt arbeiten zirka 100 Leute im Wahlkampf mit – aufgeteilt in ein vierköpfiges Kernteam, eine achtköpfige Wahlkampfkommission, zuständig für Inhalte, Kampagnen und Strategien, und schlussendlich das Wahlkampfteam, das Infostände betreut, Veranstaltungen organisiert und alle anderen Notwendigkeiten im Wahlkampf durchführt. „Die tragende Säule des Wahlkampfs ist vor allem das unermüdliche ehrenamtliche Engagement der CDU-Mitglieder“, so Wahlkampfleiter und Pressesprecher der CDU Stadt, Daniel Kaszanics.

Schlussendlich überraschte Heinrich Kreuzwieser im August mit seiner Kandidatur. Er tritt für die Wähler für Oldenburg (WFO) an. Längere Zeit von den Mitgliedern diskutiert, entschloss sich die Wählergemeinschaft kurzfristig, den Gastronomen auf die Wahlkampfreise zu schicken. Bis zu 30 Personen beteiligten sich an diesem Wahlkampf.

Wie viel kostet ein Wahlkampf?

Während die Sozialdemokraten den Wahlkampf mit einem hohen fünfstelligen Betrag finanzieren, stehen der WFO nur mehrere Tausend Euro zur Verfügung. Die Oldenburger Grünen können die Höhe der Kosten noch gar nicht abschätzen. „Es ist der teuerste und aufwändigste Wahlkampf, den wir bislang geführt haben“, so Hiltrud Neidhardt.
 Die genauen Zahlen wird die CDU auf ihrem Kreisparteitag bekannt geben. Aber auch hier liegen die Kosten im fünfstelligen Bereich.

Und wer bezahlt es?

Die Kosten werden nicht bezuschusst, es gibt für Oberbürgermeister-Wahlkämpfe keine öffentlichen Mittel beziehungsweise Wahlkampfkostenerstattung. Die Parteien finanzieren den Wahlkampf über die Mitgliederbeiträge. Einen Teil tragen die Kandidaten selbst dazu bei. Außerdem werden sie mit Spenden unterstützt.

Wie wurde der Wahlkampf gestaltet?

Die Kandidatin und die Kandidaten nahmen an mehr als 25 Podiumsdiskussionen teil, standen an den zahlreichen Info-Ständen (teilweise mehr als 50), sprachen mit Bürgerinnen und Bürgern sowie der Presse. Die Vereinbarung und Vorbereitung von Terminen, die Organisation von Ständen, die Pflege der Websites sowie der Auftritte in den Sozialen Medien und die Verteilung von Infomaterial gehörten zu den Aufgaben der Helferinnen und Helfern, die meist von Anfang an an den Planungen beteiligt waren.

„Für klare Fakten. Und offene Worte“

Wenn die Masken-Menschen Marion Rieken beim Wahlkampf begleiteten, sorgen sie für viel Aufmerksamkeit

Wenn die Masken-Menschen Marion Rieken begleiteten, sorgen sie für viel Aufmerksamkeit.
Foto: privat

Ziel der Grünen-Strategie war es, ihre Kandidatin in Oldenburg bekannt zu machen. Dazu wurden die Infostände, Flyer, Beachflags (Aufsteller), ein Kino-Spot und Plakate entsprechend gestaltet – auch mit Unterstützung einer Agentur. Bei einigen Terminen begleiteten drei Menschen mit Masken Marion Rieken und sorgten mit ihren Auftritten für Aufmerksamkeit. In erster Linie wurde auf persönliche Begegnungen gesetzt und zahlreiche Treffen mit Gruppen und Einrichtungen arrangiert. Ein Grund dafür war auch die Berufstätigkeit von Marion Rieken, die parallel ihre Aufgaben als Uni-Vizepräsidentin in Vechta wahrnehmen musste. Die Kandidatin habe Wert darauf gelegt, bestimmte Themen auch selber inhaltlich tiefer anzugehen. Veranstaltet wurden fünf Gesprächsrunden zu den Themen „Demografischer Wandel“, „Stadtplanung“, „Gleichstellung“, „Situation der Kulturschaffenden“ und „Wohnen in Oldenburg“.

„Original Oldenburg“

Ein Teil des Wahlkampfteams mit Kandidat Christoph Baak beim CDU Sommerfest am Kleinen Bornhorster See.

Ein Teil des Wahlkampfteams mit Kandidat Christoph Baak beim CDU Sommerfest am Kleinen Bornhorster See.
Foto: CDU / Lukas Lehmann

Dem CDU-Team ging ebenfalls strategisch vor. Der Wahlkampf war darauf ausgelegt, die Eigenschaften und Themen des unabhängigen Kandidaten Christoph Baak herauszustellen. Wichtige Kommunikationskanäle seien die Website und der Facebook-Auftritt gewesen. Außerdem habe man zahlreiche Anfragen von Bürgerinnen und Bürgern beantwortet. Als Werbemittel werden neben 30 Großplakaten und 900 Laternenplakaten Hausbesuche und 250 Vor-Ort-Termine genannt. Für die Stände wurden Tausende von „Original Oldenburg“-Kugelschreiber sowie Flyer, Beachflags, T-Shirts, Aufkleber und Stundenpläne produziert. „Bei den Kindern sind Heliumballons und die Zuckerwattemaschine am beliebtesten“, so Daniel Kaszanics, der sich auch darüber freut, dass die Flyer doppelt so viel als bei vorherigen Wahlen nachgefragt wurden. Um für sein Mobilitätskonzept Werbung zu machen, fuhr der Kandidat mit einem E-Smart von Termin zu Termin.

„Das neue Miteinander“

Jürgen Krogmann verteilte Bio-Äpfel an die Wähler und unterhielt sich auf einem Roten Sofa.

Jürgen Krogmann verteilte Bio-Äpfel an die Wählerinnen und Wähler und unterhielt sich auf einem „Roten Sofa“.
Foto: privat

Der SPD-Kandidat Jürgen Krogmann und sein Team setzten auf den direkten Kontakt. Man müsse den Menschen zuhören, ihre Probleme und Ideen erfahren. „Uns ging es auch darum, Ziele zu erläutern und die Kompetenzen von Jürgen Krogmann aufzuzeigen“, so Lena Bittmann, Mitglied im Wahlkampf-Team. Dementsprechend wurden rund 1500 Häuser in allen Stadtteilen besucht. Besonders gut sei das „Rote Sofa“ angenommen worden, das in der Innenstadt aufgestellt wurde. „Man konnte sich in Ruhe unterhalten, ich habe sehr persönliche Gespräche geführt“, so Jürgen Krogmann. Außerdem wurden Radtouren, Nachbarschaftstreffen und Grillabende veranstaltet. Zentnerweise wurden Bioäpfel verteilt. Und auch Website, Facebook und YouTube-Video seien eingesetzt worden.

„Jeder kann Oberbürgermeister werden“

wTrotz geringer Mittel setzte auch die WFO auf Plakate.

Trotz geringer Mittel setzte auch die WFO auf Plakate.
Foto: privat

Die Wählergemeinschaft für Oldenburg und ihr Kandidat Heinrich Kreuzwieser nutzten ihre kurze Wahlkampfphase für die Teilnahme an Podiumsdiskussionen und verteilten Flyer. „Täglich wurden Gespräche mit zahlreichen Bürgerinnen und Bürgern geführt“, so Franz Norrenbrock, obwohl der selbstständige Gastronom seiner normalen Arbeit nachgegangen sei. Wegen der überraschenden Kandidatur ging die Presse bei Heinrich Kreuzwieser ein und aus. Überregional interessierten sich die Bild Zeitung und der Norddeutsche Rundfunk für ihn. Seit der Wahl verfügt der WFO-Kandidat auch über eine Facebook-Seite.

Was interessiert die Bürgerinnen und Bürger?

Wichtige Themen an den Ständen der Grünen waren zu Beginn des Wahlkampfes die Chinareisen des amtierenden und des kommenden Oberbürgermeisters. Es sei gesagt worden, dass „es an der Zeit sei, dass endlich mal eine Frau an die Spitze käme“. Auch die Radwegebenutzungspflicht treibt die Bürgerinnen und Bürger um. Der Mangel an bezahlbaren und seniorengerechten Wohnungen, die Probleme mit der Verwaltung und der Stil im Umgang miteinander wurden ebenfalls häufig angesprochen – so auch an den Infoständen der Sozialdemokraten. Durchgängig und bei allen Gesprächen wurden Fragen nach dem Papiertonnenstreit gestellt und diese Angelegenheit beklagt, das sei ganz eindeutig das Hauptthema gewesen, sagt Franz Norrenbrock. Die Bahnumgehung stand nicht mehr im Mittelpunkt der Gespräche. An den SPD-Ständen wurde fehlende Kinderbetreuung vielfach diskutiert. Die Erhöhung der Kita-Beiträge kritisierten die Besucherinnen und Besucher der CDU-Stände. 


Wurde Polit-Prominenz unterstützend tätig?

Bundeskanzlerin Angela Merkel wünschte Christoph Baak viel Glück für die OB-Wahl.

Bundeskanzlerin Angela Merkel wünschte Christoph Baak viel Glück.
Foto: CDU / Lukas Lehmann

Auf politische Prominenz musste WFO-Kandidat Heinrich Kreuzwieser verzichten. Bei den Grünen schaut Anja Piel, Fraktionsvorsitzende im Niedersächsischen Landtag, im Rahmen ihrer Sommertour vorbei. Auch der Bundesvorsitzende der Grünen, Cem Özdemir, traf sich mit Marion Rieken. Er fungiert als Schirmherr für die diesjährige Kinderbuchmesse. Beim Verteilen von Rosen in der Oldenburger Innenstadt erhielt Jürgen Krogmann vom niedersächsischen Ministerpräsidenten Stephan Weil Unterstützung. Christoph Baaks Team zog es nach Berlin, dort trafen er und seine Mitstreiter Bundeskanzlerin Angela Merkel und den CDU-Generalsekretär Peter Tauber.

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