Filmfest

Torsten Neumann lebt für sein Internationales Filmfest

Torsten Neumann auf dem roten Teppich des Internationalen Filmfestes Oldenburg.

Torsten Neumann auf dem roten Teppich.
Foto: Anja Michaeli

Oldenburg (zb) Wenn am Mittwoch das Internationale Filmfest Oldenburg eröffnet wird, blickt Initiator Torsten Neumann auf 25 spannende Jahre zurück. „Tatsächlich war es eine Schnapsidee, die sich jedoch schnell etabliert hat“, erzählt er. 1994 veranstaltete er damals mit seinem Schulfreund Thorsten Ritter das erste Filmfest in Oldenburg und schnell war klar, die Idee hat gezündet. 1998 stieg sein Kompagnon aus. Seither ist der 53-Jährige allein für das Festival verantwortlich, und er kann sich keine schönere Aufgabe vorstellen.

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„Thorsten und ich sind in Hannover-Burgdorf zusammen in die Schule gegangen. Nach dem Abi ging ich nach Berlin, er studierte in Oldenburg. 1993 trafen wir uns in einer Kneipe in Hannover zufällig wieder und Thorsten erzählte mir, dass er über die Berlinale einen Artikel schreiben muss. Weil ich in Berlin lebte, kam er zu mir und wir gingen gemeinsam zum Berliner Filmfest und haben Blut geleckt“, erinnert sich Torsten Neumann. „Danach sind wir noch nach München zum Filmfest gefahren, haben dort Filmemacher kennengelernt und waren total inspiriert. Auf dem Rückweg haben wir beschlossen, ein Filmfest in Oldenburg auf die Beine zu stellen.

Das Konzept stand schnell fest, es wurden Förderanträge gestellt und erste private Sponsoren gefunden. „Die Struktur von damals ist geblieben. Allerdings hatten wir seinerzeit nur zwei Spielorte“, erzählt Torsten Neumann. „Unser Anliegen war es, Filme zu zeigen, die kaum einer kennt, die aber sehenswert sind, weil sie Botschaften haben, sich mit spannenden Inhalten befassen oder einfach anders sind als der Mainstream.“

Die Idee fruchtete schnell. In Oldenburg und Umgebung gab es das Publikum, das genau auf solche Filme Lust hatte und mit Darstellern, Regisseuren und Produzenten inhaltlich ins Gespräch kommen wollte. „Allerdings waren die erste Jahre in jeder Beziehung hart“, erinnert sich der 53-Jährige. „Wir hatten einen Haufen Schulden, bewegten uns dauernd am Rande des Komplettruins.“ Für Thorsten Ritter war das auf Dauer kein Zustand. Als ihm eine Stelle bei den Bavaria-Filmstudios angeboten wurde, verließ er das Projekt. „Ich musste es jedoch weitermachen“, beschreibt Torsten Neumann seinen damaligen Zustand.

„Ich bin filmverrückt, schon als kleiner Junge regelmäßig mit meinem Vater ins Kino gegangen, weil der Kino liebte. Bei uns im Keller gab es ganze Akten voll mit Filmprogrammen. Ich bin mit Filmen groß geworden und entdeckte das Independent-Kino, also unabhängige Filme, die außerhalb etablierter Strukturen entstanden sind, eben Kino, das anders erzählt“, berichtet er. Anfangs war es schwer, solche Filme zu entdecken und nach Oldenburg zu holen. „Ich war Bittsteller. Inzwischen hat sich das Blatt gewendet. Heute melden sich immer mehr Menschen, die ihre Filme auf dem Filmfest Oldenburg zeigen wollen.“

Doch bis es soweit war, hat Torsten Neumann allerhand Kämpfe ausgefochten und ist auch gegen so manche Wand gerannt, wie er selbstkritisch einräumt. „Ich bin sehr emotional, kein Stratege und hätte sicherlich manchmal geschickter agieren können.“ Denn nach wie vor läuft er dem Geld hinterher. Das ist zwar nach 25 Jahren anders aber nicht unbedingt leichter geworden. „Weil das Oldenburger Filmfest in der Szene mittlerweile eine feste Größe ist und von immer mehr Schauspielern, Regisseuren und Produzenten nicht nur wahrgenommen sondern auch geschätzt wird, kommen auch Filmgrößen, die keinen roten Teppich verlangen“, erzählt er.

Maria Schrader, Iris Berben, John Gallagher, Benno Führmann, Bela B., Keira Knightley, Christopher Coppola, Maruis Müller-Westernhagen, Till Schweiger, Nicolas Cage, Monika Ferres, Moritz Bleibtreu, Joanna Cassidy, Mira Sorvino oder aktuell beim 25. Filmfest Keith Carradine, US-amerikanischer Schauspieler, Regisseur und Sänger, der im Jahr 2000 sein Regiedebüt gab mit dem Film „A Shade Of Gray“ – sie alle kamen zum Internationalen Filmfest Oldenburg, was Torsten Neumann als großes Kompliment versteht.

Manch ein Film erlebte durch das Oldenburger Filmfest seinen Durchbruch. Dazu gehörte „Oh Boy“, ein deutscher Spielfilm von Jan-Ole Gerster aus dem Jahr 2012. „Der ist in Oldenburg zur Explosion gebracht worden“, sagt Torsten Neumann nicht ohne Stolz. Überhaupt freut er sich darüber, dass er seine Fangemeinde für ein anderes Kino gefunden hat. „Umgekehrt kenne ich auch viele Stars, die genau das gesucht haben. Ein Filmfest, auf dem sie nicht herumgereicht werden, sondern wo es um Inhalte geht, eben Kino, das herausfordernd ist.“

Sein Filmfest empfindet er als Gegenprogramm zum Mainstream. Er wollte immer selbstbestimmt arbeiten, auch wenn es mitunter hart ist. Aber er mag die besonderen Momente. So wie 2008 im Oldenburgischen Staatstheater, wo der Film „Reach for Me“ mit Seymour Cassell gezeigt wurde und fast alle Zuschauer am Ende geschluchzt haben. „Ein unvergesslicher Augenblick, pure Magie, der mich für vieles entschädigt“, sagt Torsten Neumann, der für sein Filmfest lebt und übrigens auch im 25. Jahr seines Filmfestes am Eröffnungstag eine gewisse Nervosität spürt.

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