Filmfest

Filmfest Oldenburg: Fünf Tage unabhängiges Kino

Filmfest-Leiter Torsten Neumann stellte im Casablanca Kino Neuheiten, Namen und Filme für das 26. Internationale Filmfest Oldenburg vor.

Filmfest-Leiter Torsten Neumann stellte im Casablanca Kino Neuheiten, Namen und Filme für das 26. Internationale Filmfest Oldenburg vor, das vom 11. bis 15. September stattfindet.
Foto: Volker Schulze

Oldenburg (vs) Oldenburg steht vom 11. bis 15. September wieder im Mittelpunkt des internationalen unabhängigen Films. Das Jahr eins nach dem kleinen Jubiläum „25 Jahre Filmfest Oldenburg“ wartet mit einigen Neuheiten auf. Unter anderem wurden zwei neue Preise angekündigt. Am 28. August findet die Trailer-Show beim Hauptsponsor, der Oldenburgischen Landesbank (OLB), statt. An diesem Tag beginnt auch der Vorverkauf der Tickets.

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Filmfest-Leiter Torsten Neumann weiß, dass sein Filmfest einen guten Ruf in der Filmszene genießt, wenn es um junges, unabhängiges Kino abseits der üblichen Sehgewohnheiten geht. „Wagemut und Kühnheit“ sind zwei Begriffe, die der Filmfest-Chef bei der Vorstellung der ersten Programminhalte im Casablanca Kino in den Raum wirft.

„Audacity Award“

Entsprechend soll es in diesem Jahr einen neuen Filmpreis geben, der bereits im vergangenen Jahr angekündigt wurde. Der „Audacity Award“ ehrt Filme, die in der Filmfest-Reihe „Midnite Express“ zu später Stunde laufen und dem Kinobesucher Manches abverlangen. „Neue Erzählformen und innovative Visionen“ werden laut Torsten Neumann darin hervorgehoben. Diesen Preis ermöglicht die Oldenburger Kultkneipe „Marvins“ und die Berliner Alias Film, die dem Gewinnerfilm eine fremdsprachige Untertitlung ermöglicht.

„Best First Film Award“

Der „Best First Film Award“ ist ebenfalls ein neuer Preis, der den besten Erstlingsfilm aus allen Festival-Reihen ehrt und mit 3000 Euro dotiert ist. Möglich macht das der neue Partner „Luv&Lee“. In der Szene hat sich nach Worten von Torsten Neumann herumgesprochen, dass das Filmfest bekannt ist für gute Erstlingswerke. Das Independent Kino wächst nach seiner Einschätzung auch qualitativ, denn die oft erwähnte Krise des Mainstream-Kinos, hervorgerufen durch Internat-Anbieter und sich wiederholende Inhalte, dienen den unabhängigen Filmemachern. Rund 1500 Filme aus zahlreichen Ländern der Welt wurden eingereicht, darunter 150 direkt für das Festival angefragt.

Überraschend ist der neue Partner für den VIP-Shuttle, der die Stars und Sternchen zu ihren Filmvorstellungen und Empfängen bringt. Das Autohaus Wandscher löst das Audi Zentrum Oldenburg als den langjährigen Partner des Festivals für die Fahrdienste ab.

Erste Namen und erste Filme für das Filmfest Oldenburg

Nach großen Namen, die nach Oldenburg kommen, wurde Torsten Neumann auch diesmal wieder gefragt. Ob Bella Thorne, Haley Bennett, Timothy V. Murphy, Matthias Brandt, Hans Sigl, Christian Redl und eventuell Marleen Lohse und Dominique Pinon keine großen Namen wären, kommt direkt als Antwort. Wer das Filmfest kennt, weiß, dass oft erst kurzfristig Gäste zusagen. Die Namen, der Filmemacher, die mit der alljährlichen Tribute und Retrospektive geehrt werden, sind noch geheim. Auch der Name des Eröffnungsfilms, wahrscheinlich eine deutsche Produktion, ist noch nicht bekannt.

Programm-Höhepunkte

Cuck, USA 2019, von Rob Lambert
In Lamberts Debütfilm wird die kollektive Wut der isolierten, entrechteten Einzelgänger, denen ein paranoides und zerrissenes Amerika der Trump Ära ihren Nährboden bereitet, durch den einfühlsamen Protagonisten Ronnie verkörpert. In der Einöde von Van Nuys, unter dem Dach seiner besitzergreifenden Mutter (gespielt von der Oscar nominierte Sally Kirkland) lebend, sucht Ronnie einen Ausweg aus seiner anonymen Existenz – als rechtsextremer Blogger auf Youtube. Vom verlorenen Jungen zum einsamen Amokschützen – „Make America Great Again“ könnte nicht schwärzer und nicht aktueller sein.

Jesus shows you the way to the Highway, Estland/ Äthiopien 2019, von Miguel Llanso
Nach seinem gefeierten Debüt „Crumbs“ (2015) legt Miguel Llanso erneut einen surrealer Mindfuck-Thriller vor, der von der Kritik als „Matrix on Acid“ beschrieben wurde. Die Handlung: Die CIA-Ermittler Palmer und Gagano sind mit der Aufgabe betraut, einen gefährlichen Computervirus namens „Sowjetunion“ zu zerstören. Mittels Virtual Reality gelangen sie in das System – doch die Mission stellt sich als eine Falle heraus: Der Virus ist wesentlich komplexer als zuvor erwartet und steht in direkter Verbindung zu dunkelsten Sphäre der Macht. Ein verrückter, unerschrockener Cocktail aus B-Movie und surrealem Kino, ein ultimatives Vergnügen für Genießer des Absurden, das unerschrocken tradierten Genrekonventionen trotz und seinem Macher Kultstatus verleiht.

Mothers‘ Instinct, Belgien 2018, von Oliver Masset-Depasse
Der Psychothriller ist eine Adaption des Romans „Derrière la haine“ (Behind the Hatred) der belgischen Bestsellerautorin Barbara Abel. Alice und Céline leben in den 60er Jahren in einer heilen bürgerlichen Welt: Sie sind Nachbarn, beste Freundinnen und Mütter. Das ändert sich, als Celines Sohn Maxime aus dem Fenster seines Kinderzimmers stürzt und stirbt. Obwohl Alice, die das Geschehen beobachtete, Maxime nicht retten konnte, bringt diese Tragödie die Nachbarschaftsidylle komplett aus der Balance. Misstrauen und Neid bestimmen Celines Denken und blind vor Schmerz ist ihr Alices Sohn Theo von nun an ein Dorn im Auge. Wie einen guten Hitchcock Thriller entfaltet Olivier Masset-Depasse seine elegante, toxische Story. Inzwischen hat sich Hollywood die Remake-Rechte gesichert, indem sich niemand Geringeres als Jessica Chastain und Anne Hathaway dieses teuflische Duell zweier Freundinnen erneut liefern werden.

Magnetick Pathways, Portugal 2019, von Edgar Pêra
Edgar Pêra ist der unbekannte Meister des portugiesischen Kinos. Mit „Magnetick Pathways“ gelingt ihm ein großer Wurf des psychedelischen Kinos, in dem er den wunderbaren französischen Charakterdarsteller Dominique Pinon auf eine 24-stündige Reise durch eine entmenschlichte, autoritäre Welt schickt. Seine 21-jährige Tochter heiratet einen aalglatten, machthungrigen älteren Mann und nur er scheint hinter der sorglosen Jubelfassade das Unglück seiner Tochter vorherzusehen. Eine Tour de Force für Pinon und eine Inszenierung, die zwischen Avantgarde und großem Drama in atemberaubenden Bildkompositionen überwältigt.

MOOP, USA 2019, von Arin Crumley
Die surreale, bewusstseinserweiternde Kulisse eines einwöchigen Kunstfestivals in der Wüste liefert den Background für Arin Crumleys zweiten Spielfilm. „MOOP“ („Matters out of Place“) ist eine Explosion von Bildern und Ideen in einer atemberaubenden Wüstenlandschaft. Der Film vereint dokumentarisches mit Erzählung, das Authentische mit dem Absurden und kreiert ein einmaliges Erlebnis, das Fragen aufwirft: Was ist Liebe? Was ist real? Und wo zur Hölle ist das Dixiklo? Crumley hat zehn Jahre an diesem Film gearbeitet, mit dem er seine Zuschauer jetzt so authentisch wie noch nie zuvor in die Magie des berühmten „Burning Man“ Festivals in Nevada eintauchen lässt.

Flucht durchs Höllental, Deutschland 2019, von Marcus O. Rosenmüller
Ein deutscher Abenteuerfilm, ein Bergdrama, ein atemloser Thriller. Hans Sigl spielt den Anwalt Berg, der unversehens in eine Geschichte rutscht, die Beruf und Privatleben gefährlich ineinander verquickt. Seine Tochter wird entführt, ein Klient taucht unter und ein geplantes Wochenende in den Bergen mit dem vernachlässigten Kind wird zu einer Verfolgungsjagd ins Höllental, bei der bald nicht mehr klar ist, wer auf der richtigen und wer auf der falschen Seite steht. Mit Marleen Lohse und Christian Redl bis in die Nebenrollen hochkarätig besetzt, kann Hans Sigl zeigen, dass er sich auch meilenweit von der heilen Welt seiner Paraderolle des Bergdoktors prächtig präsentieren kann.

Wir wären andere Menschen, Deutschland 2019, von Jan Bonny
Mit „Wintermärchen“ hat Jan Bonny im vergangenen Jahr bewiesen, dass er einer der spannendsten deutschen Filmemacher ist. Sein Blick auf den Rand der Gesellschaft und seine innerlich zerrissenen Figuren machen Bonnys Kino ebenso unbequem wie faszinierend. Mit „Wir wären andere Menschen“ erzählt er die Geschichte von Rupert Seidlein, der als 15-Jähriger mit ansehen musste, wie seine Eltern und sein bester Freund von zwei Polizisten erschossen wurden. Die Beamten erhielten einen Freispruch. 30 Jahre später kehrt er mit seiner Frau in seinen Heimatort zurück. Die Grenzen zwischen Erlösung, Versöhnung und der unstillbaren Sehnsucht nach Rache geraten ins Wanken.

In full Bloom, USA 2019, von Adam Villasenor & Reza Ghassemi
Die Schauspieler Tyler Wood und Yusuke Ogasawara spielen in „In Full Bloom“ zwei Männer in der politisch angespannten Nachkriegszeit auf einer Reise zu sich selbst. Wood charakterisiert Clint Sullivan, einen heruntergekommenen Boxer aus den USA, der in einem fragwürdigen Kampf gegen den japanischen Boxchampion (Ogasawara) antreten soll. Der Zuschauer folgt den beiden Männern auf ihrem eigenen, innerlichen Kampf: physisch, mental, emotional und spirituell.

Cat Sticks, USA 2019, von Ronny Sen
In „Cat Sticks“ verarbeitet Ronny Sen ein Thema, das während seines Aufwachsens in Kalkutta allgegenwärtig war: Er verlor Freunde und Bekannte an die süchtig machende Droge Brown Sugar. Die Schauspieler Tanmay Dhanania, Sumeet Thakur, Joyraj Bhattacharya verkörpern eine Gruppe von Drogenabhängigen, die in einer regnerischen Nacht in Kalkutta auf der Suche nach dem permanenten Rausch sind.

Tito, Kanada 2019, von Grace Glowicki
Die beim Sundance Festival mit einem Jurypreis ausgezeichnete kanadische Darstellerin Grace Glawocki spielt in ihrem Regiedebüt „Tito“ einen jungen, verängstigten Mann, dessen Angstvisionen ihm ein normales Leben komplett verbauen. Wie einst Catherine Deneuve in Polanskis „Ekel“ kann Tito nicht aus seiner selbst erbauten Falle ausbrechen, er ist wie gelähmt vor Angst, sobald er sich aus seinen vier Wänden herausbegibt. Als Titos Nachbar wie ein unerwünschter Eindringling in sein Leben tritt, kommt so etwas wie Hoffnung auf normale soziale Beziehungen auf. Aber der Weg zurück ins Leben ist steinig. Glawocki erzählt mit viel Raffinesse eine Geschichte um sexuelle Gewalt und Traumata und die Entscheidung, ihre Hauptfigur zu einem Mann zu machen, erweist sich als ebenso kühner wie kluger Schachzug.

Tickets

Der zentrale Vorverkauf für alle Veranstaltungen beginnt bereits am 28. August. Dieser ist wie gewohnt bei „Käthes Kaffee“ in der Kaiserstraße, aber während des Festivals gibt es die Karten in der neuen Vorverkaufsstelle in den Redaktionsräumen vom „Chapeau Magazin“ im Herbartgang.

Weitere Informationen gibt es unter www.filmfest-oldenburg.de.

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