Kultur

Staatstheater: BallettCompagnie mit „Demo-Mode“

Die Choreografie „so fragil“ von Guillaume Hulot eröffnet den dreiteiligen Tanzabend „Demo-Mode“ der BallettCompagnie Oldenburg im Kleinen Haus des Oldenburgischen Staatstheaters. Zwei weitere choreografische Uraufführungen stammen von Nicol Omezzolli und Alice Topp.

Die Choreografie „so fragil“ von Guillaume Hulot eröffnet den dreiteiligen Tanzabend „Demo-Mode“ der BallettCompagnie Oldenburg im Kleinen Haus des Oldenburgischen Staatstheaters. Zwei weitere choreografische Uraufführungen stammen von Nicol Omezzolli und Alice Topp.
Foto: Stephan Walzl

Oldenburg (vs) Dass sich die BallettCompagnie Oldenburg am Oldenburgischen Staatstheater stetig weiterentwickelt und ihr Ansehen in der Tanzszene festigt, ist hinlängst bekannt. Besonders wenn auswärtige Choreografinnen und Choreografen von Oldenburgs Ballettdirektor Antoine Jully nach Oldenburg eingeladen werden, zeigt sich das individuelle Können der Tänzerinnen und Tänzer noch deutlicher. Zurzeit ist das wieder sehr gut im dreiteiligen Tanzabend „Demo-Mode“ zu sehen, der im Kleinen Haus das Publikum begeistert.

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„Gegenüber“ und „Demokratie“ sind die Überthemen der laufenden Spielzeit am Oldenburgischen Staatstheater. Dazu trägt nun auch die BallettCompagnie ihren Teil bei. Drei choreografische Uraufführungen von Guillaume Hulot, Compagnie-Mitglied Nicol Omezzolli und Alice Topp zeigen drei stilistisch komplett unterschiedliche Arbeiten, die sich mit Demokratie, Social Media, Werten und Manipulation beschäftigen.

„so fragil“ von Guillaume Hulot

Der auf Korsika geborene Guillaume Hulot zeigt in „so fragil“ seine Gedanken zum Wertekanon unserer Gesellschaft. Grundrechte wie Meinungsfreiheit, Gleichberechtigung und das Recht, anerkannt und geschützt zu werden, drückt der Choreograf in anfangs militärisch anmutenden Bewegungsabläufen aus. Die einfarbigen, erdfarbenen Kostüme unterstützen den Eindruck der Gleichförmigkeit. Diese zeigt sich auch in den energischen Tanzfiguren, die sowohl im Ensemble als auch im Duett oder Solo auf die Bühne gebracht werden. Annäherung und Abweisung, Konfrontation und Zueinanderfinden sind ausdrucksstark in Szene gesetzt. Mit reichlich körperlichem Einsatz agiert das Ensemble, das mit starkem Applaus gefeiert wird.

Nicol Omezzolli zeigt „Vincula Invisibilia Fracta“

Im Rahmen der 16. Internationalen Tanztage im vergangenen Jahr 2025 am Oldenburgischen Staatstheater gab es unter dem Programmpunkt „Junge Choreograf:innen“ für die Oldenburger Compagniemitglieder die Möglichkeit, ihre eigenen Arbeiten der Öffentlichkeit zu präsentieren. In einem Wettbewerb kürte das Publikum Nicol Omezzolli mit „Vincula Invisibilia Fracta“ zur Gewinnerin. Nun konnte die Tänzerin ihr erstes Werk in Gänze zeigen und begeisterte das Publikum in vollem Maße. Manipulation und Befangenheit durch Marken, Mode und Meinungen hat Nicol Omezzolli auf sehr anschauliche und körperbetonte Weise umgesetzt. Die Tänzerinnen und Tänzer sind an Händen und Füßen an langen, dehnbaren Gurten gefesselt. Gemeinsam und einzeln versuchen sie, sich in ihren Strängen zu bewegen und sich zu befreien. Mit gegenseitiger Hilfe, aber auch mit weiterer Verwirrung und in Konkurrenz zueinander, agiert das Ensemble mit voller Kraft, starkem Ausdruck und großer Hingabe. Hoffnung wechselt mit Verzweiflung, bis es ihnen am Ende doch noch gelingt, sich zu befreien. Nicol Omezzolli bekommt hoffentlich wieder die Möglichkeit, ihr Talent in Sachen Choreografie auf die Bühne zu bringen.

„Algorithmus“ betitelt Alice Topp ihre Choreografie

Die Australierin Alice Topp zeigt in „Algorithmus“ ihre Gedanken dazu, welchen Einfluss Algorithmen auf die Demokratie haben. In der relativ kurzen Choreografie, die nicht durchgehend im Einklang mit der Musik der Band „Radiohead“ funktioniert, ist ihr Thema nur schwer wiederzuerkennen. Ästhetisch ist ihre Choreografie dennoch und optisch in einem sehr kühlen, technisierten Stil umgesetzt. Auch Alice Topp wählt eine sehr körperbetonte Tanzsprache, in der die Tänzerinnen und Tänzer miteinander agieren. In verschiedenen Konstellationen ist das Ensemble zu sehen, das sich abstoßend und annähernd mit scheinbarer Wut und Aggression untereinander bewegt. Die Choreografin, die bereits zum zweiten Mal in Oldenburg zu Gast ist, wurde für ihr Stück ebenso gefeiert wie die BallettCompagnie, die zum Abschluss stehende Ovationen erhielt.

Informationen, Termine und Karten sind unter www.staatstheater.de erhältlich.

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