Filmfest

Filmfest: Mehr Independent geht nicht

Das 24. Internationale Filmfest Oldenburg wurde gestern in der EWE-Arena gestartet.

Insgesamt sind 18 Mitglieder der Filmcrew von „Familye“ zur Weltpremiere angereist.
Fotos: Martin M. Wilczynski

Oldenburg (am) Das 24. Internationale Filmfest Oldenburg ist eröffnet. Mit dem Gang der Prominenten über den roten Teppich startete gestern die Eröffnungsgala in den Weser-Ems Hallen. Rund 1500 Gäste sahen den Eröffnungsfilm „Familiye“. Zur Weltpremiere waren zahlreiche Mitglieder der Filmcrew – unter anderem der Rapper Xatar und Co-Produzent Moritz Bleibtreu – angereist.

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Erstmals fand das Defilee in der großen EWE-Arena statt. Die Verlegung in das Foyer war wegen eines Sturmtiefs notwendig geworden. Entsprechend weniger Schaulustige standen vor der Halle. Vom Wetter ließen sich jedoch die jugendlichen Fans des Rappers Xatar nicht abhalten. Auf dem roten Teppich nahm sich der Musiker viel Zeit für Selfies, Interviews und Autogramme. Und natürlich blieb auch der Schauspieler Moritz Bleibtreu, der heute Abend mit einem Stern auf dem OLB-Walk of Fame geehrt wird, nicht unbeachtet. Entsprechend spät begannen die offiziellen Reden und das Screening von „Familiye“.

Filmfest Oldenburg 2017

„So spät haben wir noch nie angefangen“, betonte Filmfestchef Torsten Neumann. Er freue sich über das große Interesse und die Abenteuerlust des Publikums. „Denn dieses Kino ist kein Mainstream und mobilisiert nicht die Massen“, so Neumann. Gerade der Film „Familye“ zur Eröffnung sei so independent wie selten ein anderer. Um so froher sei er, dass die Halle der kleinen EWE-Arena wieder einmal gefüllt werden konnte. „Hier wird junges unabhängiges Kino statt Mainstream und Kommerz gezeigt“, lobte die niedersächsische Kulturministerin Gabriele Heinen-Kljajić. Die familiäre Atmosphäre des Internationalen Filmfestes in Oldenburg ermögliche regen Austausch mit dem filmbegeisterten Publikum. Die Grußworte der Stadt Oldenburg überbrachte Bürgermeisterin Petra Averbeck.

Weltpremiere: „Familye“

Regie: Kubilay Sarikaya und Sedat Kirtan

Mit dem Eröffnungsfilm „Familye“ hat das Filmfest Oldenburg ein urbanes und poetisches Stück Kino auf die Leinwand gebracht. Acht Jahre lang hat die Crew an ihrem Erstlingswerk gearbeitet. Ohne Eigenmittel und mit viel Herzblut sei dieser Film entstanden, sagte gestern Co-Produzent Moritz Bleibtreu vor der Vorführung. „Die Leute haben das Bedürfnis gehabt, diese Geschichte zu erzählen“, so Bleibtreu, der selbst in einem Problemviertel aufgewachsen ist. „Es ist ein Kino, das aus der Notwendigkeit geboren wurde. Es geht um weit mehr als eine Geschichte zu erzählen, es geht auch um Existenzen. Kunst kann allgemeinen die Möglichkeit sein, sein Leben zu verändern“, sagte Bleibtreu weiter. Genau deshalb habe er sich dazu entschlossen, diesen Film zu unterstützen. Schauspieler und Regisseur Kubilay Sarikaya dankte auch dem Rapper Xatar: „Er hat das so krass supported, das ist echt nicht normal.“ Überhaupt sei dieser Film nur durch den Zusammenhalt im Kiez entstanden.

Die Story

Gerade aus dem Knast gekommen, hat Danyal einen Sack voller Probleme, die kaum in den Griff zu bekommen sind. Sein kleiner Bruder Miko ist ein Zocker geworden und wird wegen seiner Schulden bedroht. Die Fürsorge droht damit, den gemeinsamen Bruder Muhammed mit Down-Syndrom wegen Verwahrlosung in ein Heim zu stecken. Muhammed hat zu allem Überfluss an Schwierigkeiten eine junge Frau in die Wohnung aufgenommen, die gerade aus der Psychiatrie ausgebrochen ist.

Der Film ist eine Milieu-Studie mit beeindruckenden Schwarz-Weiß-Aufnahmen und beruht auf wahren Begebenheiten. Er spielt rund um die Lynarstraße in Berlin Spandau-Vorstadt – im Kiez von Kubilay Sarikayas und Sedat Kirtan. Die Protagonisten bewegen sich zwischen brutaler Gewalt und familiärer Liebe. Aus dem Bauch heraus erzählen die großartigen Schauspieler die Geschichte – allen voran: Muhammed Kirtan und die weibliche Hauptdarstellerin Violetta Schurawlow. Wenige Ungereimtheiten, die erklärungsbedürftig sind, stören den Zuschauer. Unterm Strich: ein beachtenswertes Stück Filmgeschichte.

Gestern Abend haben auch die meisten an der Produktion Beteiligten den Film zum ersten Mal gesehen. Nach dem Applaus betraten 18 Crewmitglieder die Bühne, um sich feiern zu lassen. Schauspieler Mohammed Kirtan genoss diese Situation sichtlich. „Genau für diesen Augenblick haben wir es gemacht“, erklärte Sarikayas.

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