Campus

Warmes Wasser durch alte Plastikflaschen

Finn Gerdes entwickelte für Townships ein solarbetriebenes Wassererhitzungssystem.

Finn Gerdes entwickelte für Townships ein solarbetriebenes Wassererhitzungssystem.
Foto: privat

Anzeige

Wilhelmshaven/zb – Finn Gerdes studiert an der Jade Hochschule und entwickelte in Südafrika ein solarbetriebenes Wassererhitzungssystem, damit die Menschen in Townships günstigen Zugang zu warmem Wasser haben.

Der angehende Wirtschaftsingenieur arbeitete drei Monate zusammen mit einem südafrikanischen Kollegen in Port Elizabeth und entwickelte einen Prototyp eines Wassererhitzers aus recycelten Materialien wie alten PET-Flaschen. Parallel dazu führte eine Untersuchung in Townships durch um herauszufinden, wie groß der Warmwasserbedarf der Bewohner ist.

Die Kollektoren des „Solar Water Heater“ bestehen aus schwarzen Kunststoffrohren in alten PET-Flaschen. Auf der Rückseite der Getränkeflaschen befinden sich Tetra Pak-Innenseiten, die durch die reflektierende Beschichtung zusätzliches Sonnenlicht auf die Rohre spiegeln. Der Wassererhitzer nutzt die Hitze der Sonne, um das Wasser von den Kollektoren in den Tank zu bewegen. Die Dichte des Wassers verringert sich durch die Erwärmung und somit verringert sich auch das Gewicht, das Wasser steigt dadurch nach oben. Der Auslass lässt das warme Wasser in den Wassertank, so dass es von dort aus genutzt werden kann.

Neben der Entwicklung des Prototypen untersuchte Finn Gerdes die Warmwassernutzung von Township-Bewohnern. Als große Herausforderung stellte sich die Bedarfsanalyse in den Wohnsiedlungen heraus; einerseits wegen des Zugangs zu den Townships, andererseits wegen der Sprachbarriere. „Ich war auf die Hilfe eines Übersetzers angewiesen, weil die älteren Teilnehmer oft nur isiXhosa sprachen“, erzählt er. „Viele Einwohner haben noch nie an Umfragen teilgenommen und hatten Probleme, die Fragen zu beantworten.“ Trotzdem gelang es ihm, die die Befragung erfolgreich abzuschließen.

Ziel des vom DAAD geförderten Projektes war es auch, durch die Gründung von Unternehmen, die sich um den Bau, die Vermarktung und die Instandhaltung der Wassererhitzer kümmern, Arbeitsplätze zu schaffen. „Es wäre ideal, wenn die Unternehmer dabei selbst aus ärmeren Bevölkerungsschichten kommen, weil die Umsetzung des Projektes wichtige Arbeitsplätze schaffen würde“, hofft Finn Gerdes. „Ein weiterer Aspekt ist die Wiederverwendung von alten Materialien zum Bau der Erhitzer. Sie könnte zu weniger Müll und zu einer Stärkung des Umweltbewusstseins führen.“

„Insgesamt waren die drei Monate großartig“, fasst Finn Gerdes zusammen. „Ich konnte viele neue Erfahrungen sammeln und meine Kenntnisse praktisch anwenden.“ Besonders aufgefallen sei ihm in Port Elizabeth die Schere zwischen Arm und Reich: „Auf der einen Seite stehen die großen Häuser mit hohen Mauern, Pool und Sicherheitsdienst und 300 Meter weiter befindet sich ein Township, in dem die Bewohner in selbstgebauten Hütten wohnen“, schildert er seine Eindrücke.

Vorheriger Artikel

Bundestagswahl: Rohde siegt im ersten Anlauf

Nächster Artikel

Altpapier: Stadtverwaltung rudert zurück