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Studium: Mädchen haben zu viel Respekt vor MINT-Fächern

Die 18-jährige Shabnam Fardin-Azari studiert nun doch Chemie, nachdem sie weiß, wie gut ihre Kenntnisse sind.

Die 18-jährige Shabnam Fardin-Azari studiert nun doch Chemie, nachdem sie weiß, wie gut ihre Kenntnisse sind.
Foto: Katrin Zempel-Bley

Oldenburg (zb) Vor allem junge Frauen sind oft unsicher, ob sie MINT-Fächer studieren oder besser nicht. Shabnam Fardin-Azari ging es nach dem Abitur im letzten Jahr genauso. Ihr fehlte das letzte Quäntchen Mut. Der Zufall hat ihr geholfen.

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Händeringend werden junge Leute gesucht, die Mathe, Informatik, Naturwissenschaften oder Technik (MINT) studieren. Es gibt einige, die sich für die Fächer interessieren, aber ihr Ruf schreckt viele und vor allem Frauen ab. Das bestätigt auch Shabnam, die in Oldenburg Abi gemacht hat und unsicher war, ob ihre Fähigkeiten und Kenntnisse für ein MINT-Studium ausreichen. „Es heißt ja immer, dass die Fächer besonders schwer sind. Das schreckt natürlich ab“, sagt die 18-Jährige und findet das im Nachhinein ganz schlecht.

Sie interessierte sich für Informatik und Chemie, hörte vom Niedersachsen Technikum, dass die Hochschulen anbieten, und bemühte sich erfolgreich um einen Platz. Das Technium bietet Frauen für sechs Monate theoretische und praktische Einblicke in MINT Berufe. „Als Technikantin habe ich in einem Softwareunternehmen gearbeitet und parallel theoretische Kenntnisse in den Vorlesungen an der Uni Oldenburg erworben. Dazu gibt es ein Begleitprogramm, das Fachgespräche mit Expertinnen aus den MINT-Berufen, Wissenschaftlerinnen und Studentinnen der Universität, Exkursionen und weitere Veranstaltungen beinhaltet“, erzählt die junge Frau.

Für sie stand nach dem sechsmonatigen Technikum fest, dass Informatik nicht ihr Fach ist. Erneut dachte sie über Chemie nach und erfuhr zufällig von der Möglichkeit, an der Uni Oldenburg ein Chemiepraktikum machen zu können. Inzwischen arbeitet sie in der Organischen Chemie und lernt sehr viel von den dortigen Labormitarbeitern, die ihr das Chemiestudium längst schmackhaft gemacht haben. „Ich habe gemerkt, dass ich über gute Kenntnisse verfüge und ein Studium problemlos beginnen kann“, erzählt sie. Zum Wintersemester bewirbt sie sich und hofft auf einen Studienplatz, um später in der Industrie oder der Forschung tätig zu sein.

„Es ist schade, dass einige junge Frauen sich nicht trauen, diese Studienfächer zu studieren, obwohl sie Lust dazu haben“, findet sie und nennt auch gleich die Gründe. „Mädchen sind zurückhaltender und selbstkritischer als Jungen“, ist sie überzeugt. „Da müsste schon in der Schule eine Menge getan werden, damit Mädchen genauso zielsicher an die Fächer rangehen wie Jungen“, meint sie. „In der Schule müsste außerdem viel mehr experimentiert werden und klar sein, was Unis von uns Anfängern erwarten. Nur dadurch können die Hemmschwellen abgebaut werden.“

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