Oldenburg/zb – Eine Bahnumfahrung ist grundsätzlich machbar, erklärten die vom Rat der Stadt beauftragten Gutachter im jüngsten Bahnausschuss. Allerdings kostet sie 522 Millionen Euro und ist damit erheblich teurer als der Ausbau der Stadtstrecke, die nach Schätzungen der Stadtverwaltung rund 270 Millionen Euro kosten würde. Die Umfahrung würde zwar viele Bewohner an der Strecke entlasten, jedoch den Stadtteil Osternburg stärker belasten.

Die Stadtverwaltung hatte zuvor eigene Berechnungen angestellt und die Bahnumfahrung auf rund 300 Millionen Euro geschätzt. Die jetzigen Mehrkosten resultieren aus einer bautechnisch erforderlichen aufgeständerten Brücke durch die Donnerschweer Wiesen. Für die Bestandstrecke ermittelte die Verwaltung rund 100 Millionen Euro. Die Gutachter haben eine neue Huntebrücke eingerechnet, weshalb die Kosten entsprechend steigen.

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Laut Gutachter müsste in Osternburg eine neue Verbindung zwischen der Strecke nach Bremen und der nach Osnabrück gebaut werden. Dadurch würden die Osternburger stärker belastet. Die Bahn hätte jedoch neue wirtschaftliche Möglichkeiten, argumentiert der Gutachter. Er räumte ein, dass Osternburg aber nicht nur belastet sondern auch entlastet würde, weil der Verkehr in Richtung Bremen über die neue Trasse laufen würde.

Dieser Schritt ist unbedingt notwendig, damit im Planfeststellungsverfahren die Bahnumfahrung trotz erheblich höherer Kosten die bessere Alternative darstellt. Aus Sicht der Befürworter einer Umfahrung ist das juristisch von großer Bedeutung, weil die Pläne der Bahn, die eine Ertüchtigung der Bestandsstrecke vorsehen, nur so vom Eisenbahnbundesamt als Aufsichtsbehörde verworfen werden können und eine Neuplanung erzwungen werden kann.

Zum gegenwärtigen Zeitpunkt müssten entlang der Umfahrungstrasse 13 Kilometer Lärmschutzwände gebaut werden zwischn 1,50 und acht Meter. Ab 2015 gelten strengere Auflagen. Danach wäre eine Strecke von 25 Kilometern betroffen. Die Wände wären zwischen vier und zehn Metern hoch. In Wahnbek, in Teilen des Stadtnordens und in Osternburg wäre die Lärmbelastung höher als heute. Dafür wären viele Bahnanleger an der Stadtstrecke durch die Stilllegung der jetzigen Strecke entlastet, argumentiert der Gutachter.

Ein weiteres Gutachten zum Thema Naturschutz ergab unter anderem Flächenverluste im Trassenbereich, insbesondere Grünlandbiotope, Siedlungsbiotope, Acker- und Gehölzflächen sowie Grünanlagen. Gefährdet wären auch Fledermäuse, deren Quartiere beeinträchtigt wären. Bezüglich der Vögel muss mit dem Verlust von Brutplätzen und Nahrungshabitaten im gesamten Trassenbereich gerechnet werden. Das Landschaftsbild der Donnerschweer Wiesen wäre dauerhaft beeinträchtigt, heißt es im Gutachten. Zudem liegen im Vorhabenbereich ein FFH-Gebiet, mehrere Landschaftsschutzgebiete, geschützte Landschaftsbestandteile und geschützte Biotope, deren Schutzzwecke beeinträchtigt werden könnten. Insgesamt müssten 64 Hektar Kompensationsfläche aufgebracht werden. Und, so hieß es abschließend, würde aus städtebaulicher Sicht alles für eine Umfahrung sprechen.

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1 Kommentar

  1. robert nähle
    30. September 2013 um 17.53

    Habt ihr mal geschaut was am Jade Weser Port los ist? Wofür brauchen wir also eine Bahnumfahrung? Der „Haltepunkt Wechloy“ wäre viel wichtiger, deutlich billiger und genehmigt ist er auch. Warum passiert da denn immernoch nichts?