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Deutlich weniger Klassenwiederholer im Sommer 2020

Schule mit Corona-Hinweis, über dts Nachrichtenagentur

Berlin (dts Nachrichtenagentur) – In mindestens elf Bundesländern wiederholen deutlich weniger Schüler eine Klasse als in dem Schuljahr vor der Pandemie. Das zeigt eine Umfrage des „Redaktionsnetzwerks Deutschland“ bei den zuständigen Ministerien der Länder.

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Besonders drastisch war der Rückgang demnach der Klassenwiederholer in Hessen, Niedersachsen, Brandenburg und Bayern. In Bayern wiederholen dieses Schuljahr rund 25 Prozent weniger Schüler an Grund-, Haupt- und Realschulen sowie Gymnasien eine Klasse als im Vorjahr. In Hessen lag die Wiederholerquote laut statistischem Bundesamt letztes Jahr bei 2,2 und hat sich nun auf 1,1 halbiert. In Niedersachsen ist sie von 2,3 auf 1,5 gesunken. In Brandenburg hat sich der Anteil der Wiederholer laut Bildungsministerium in der Sekundarstufe I von 3,1 Prozent (2019) auf 1,6 Prozent (2020) fast halbiert. Auch in den Bundesländern Hamburg, Mecklenburg-Vorpommern, Rheinland-Pfalz, Saarland, Sachsen, Berlin, und Sachsen-Anhalt ist der Anteil an Schülern, die eine Jahrgangsstufe wiederholen, im Vergleich zu 2019 zurückgegangen – in den meisten Ländern auf den tiefsten Stand seit Jahren. In Bremen ist die Quote laut einer Sprecherin der Bremer Bildungssenatorin bisher identisch mit der aus dem vergangenen Schuljahr. Allein in Thüringen ist sie minimal von 1,9 auf 2 gestiegen. Baden-Württemberg, Nordrhein-Westfalen und Schleswig-Holstein konnten keine Angaben zu der Anzahl der Wiederholer machen. Der Anteil der freiwillig das Schuljahr wiederholenden Schüler wird nach Einschätzung des Deutschen Lehrerverbandes (DL) im kommenden Schuljahr bundesweit steigen. Die Begründung für die derzeit geringe Wiederholerquote: „Wir dürfen nicht vergessen, dass im letzten Schuljahr fast alle Schüler auch bei Leistungen, die eigentlich nicht für ein Vorrücken ausreichten, trotzdem versetzt wurden“, sagte der DL-Vorsitzende Heinz-Peter Meidinger. Dario Schramm von der Bundesschülerkonferenz warnte davor, davon auszugehen, dass das Bildungschaos nach der Pandemie ende. „Wir werden sicherlich erst nach dem Ende der Pandemie sehen, wo die Defizite liegen.“ Mittlerweile haben fast alle Bundesländer angekündigt, aufgrund der Pandemie Schülern ein freiwilliges Wiederholen des Schuljahres möglich zu machen, ohne dass das Jahr als zusätzliches Schuljahr später im Zeugnis auftaucht. Von den Plänen der Bundesländer hält man bei der Bildungsgewerkschaft Gewerkschaft (GEW) nicht viel: „Viele Menschen glauben, Klassenwiederholungen wären das Gebot der Stunde“, sagte GEW-Vorstandsmitglied Ilka Hoffmann. Wenn jetzt aber sehr viele Schüler wiederholten, „dann bedeutet dies auch, dass man mehr Lehrkräfte braucht“. Und dafür gebe es nicht genügend Lehrkräfte.

Foto: Schule mit Corona-Hinweis, über dts Nachrichtenagentur

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1 Kommentar

  1. W. Lorenzen-Pranger
    18. April 2021 um 0.34

    Gibt es eigentlich irgendeinen Bereich des öffentlichen Lebens, den diese Regierung mit ihrer „Corona“-Hysterie noch nicht ruiniert hat? Selbst Rechnungen im Straßenbau bleiben offenbar liegen, so daß diese Baufirmen jetzt die Arbeit ruhen lassen wollen bis endlich gezahlt wird, wie ich gerade lese.
    Noch nie in der Geschichte der Bundesrepublik gab es so wenige Lehrstellenangebote wie jetzt. Klar, wenn man doch schon weiß, daß die Schüler, die jetzt aus den Schulen kommen, fast ein Jahr keinen richtigen Unterricht mehr hatten – und der Chef nicht weiß, ob er morgen überhaupt noch eine Firma hat.
    Schickt diese Bekloppten endlich da hin, wo sie hin gehören: In den unverdienten Ruhestand, aber bitte mit extrem gekürzten Bezügen – volle Ruhestandsgelder hat von den Versagern wahrhaft keiner verdient und es sind unsere Steuergelder, die die verballern.