Theater

Staatstheater: Griechische Saga begeistert in der Ex-Halle

Franziska Werner und Ali Moraly in Eurydike. Orpheus. in der Oldenburger Exerzierhalle.

Franziska Werner und Ali Moraly in „Eurydike. Orpheus.“
Foto: Stephan Walzl

Oldenburg (vs) Wer sich im Oldenburgischen Staatstheater eine Inszenierung mit Franziska Werner anschaut, wird schauspielerisch mit hoher Kunst belohnt. So auch jetzt wieder in „Eurydike. Orpheus.“ in der Exerzierhalle. Die Schauspielerin spielt in der griechischen Sage nicht nur die weibliche Sagengestalt. Sie hat eine eigene Fassung geschrieben und das Zwei-Personen-Stück auch noch selbst inszeniert. In einem Interview sagte Franziska Werner, dass sie diese Doppelbelastung manchmal brauche. Zurzeit ist die Schauspielerin auch noch in weiteren tragenden Rollen zu sehen. Begeisterter Applaus ist ihr sicher.

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Gerade durch diese zahlreichen Arbeiten scheint sie in ihrer Kreativität zu Höchstform zu gelangen. In der Uraufführung gibt sie eine selbstbewusste Frau, die ihr Schicksal selbst in die Hand nimmt. Sie handelt und wartet nicht darauf, dass ihr Geliebter sie aus der Unterwelt wieder hervorholt. Orpheus, gespielt von Ali Moraly, ist der ruhige Pol. Mit Geige und ruhiger, weicher Stimme ausgestattet, spielt der 2013 aus Syrien geflohene Violinist, Autor, Komponist, den Träumer. Er singt nicht in dieser Fassung, um die Meere zu besänftigen. Seine wunderbaren Geigenklänge unterstreichen den Fast-Monolog der Eurydike mit sich selbst, ihrem Schatten und Orpheus. Ihre Worten erscheinen im Bühnenhintergrund auf arabisch, wirken dabei fast als künstlerische Zugabe zum Bühnenbild (Bühne: Gesine Geppert). Ali Moraly spricht arabisch, seine Gedanken um seine Geliebte, die er nur retten kann, wenn er sich in der Unterwelt nicht nach ihr umsieht, werden auf deutsch projiziert. Der deutsche Text wurde von Ali Moraly ins Arabische übersetzt.

Selbstbewusste Sagengestalt

Die Uraufführung von Eurydike. Orpheus. ist derzeit in der Exerzierhalle des Oldenburgischen Staatstheaters zu sehen.

Die Uraufführung ist derzeit in der Exerzierhalle des Oldenburgischen Staatstheaters zu sehen.
Foto: Stephan Walzl

Franziska Werner spielt die Verbannte engagiert, nicht als wartende Frau. Deshalb auch passend der umgedrehte Titel der Saga. Sie geht voran. Sie entwickelt sich weiter, macht sich ihre Gedanken um Menschlichkeit, Liebe und das Sein. Während Orpheus seine Geliebte so zurück bekommen möchte, wie er sie verloren hat, schreitet sie weiter mit Kopf und Geist. Einsam bleibt er dabei auf der Strecke. Eurydike nutzt den freien Bühnenraum, im hinteren Teil begrenzt von grau aufeinander gestapelten Möbeln der vergangenen Welt, für ihre Gedanken. Im Dialog mit ihrem Schatten, ist dessen Stimme im Off zu hören, Mikrofone hängen von der Decke, über die sie mit ihm spricht.

Wenn er die wahre Eurydike haben wolle, müsse er sich umdrehen, wenn er weiterhin in der Vergangenheit verharren wolle, müsse er weitergehen. Aber bekommt er dann seine „alte“ Geliebte zurück? Der Träumer wird zum Handeln gefordert. Es liegt in seiner Hand, ob er sie wiederbekommt oder nicht.

Die nächsten Vorstellungen sind am Mittwoch, 4. Januar, Donnerstag, 5. Januar sowie am 4. und 5. Februar. Weitere Informationen und Karten gibt es unter www.staatstheater.de.

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