Sparte 7: „Rohdiamanten“ im Staatstheater

Lilith Kaiser und Lorenz Bahro in „Bunker, die im Meer ertrinken“ von Annika Müller.
Foto: Stephan Walzl
Schauspieldramaturgin Annika Müller eröffnet in dieser Spielzeit die Reihe der „Rohdiamanten“ der Sparte 7. In der intimen Atmosphäre des Spielraums schafft sie mit „Bunker, die im Meer ertrinken“ den passenden Rahmen für die Geschichte eines jungen Paares, das um Fragen und Antworten ringt und dabei versucht, seiner Beziehung einen Sinn zu geben. Die Uraufführung wurde im vollbesetzten Spielraum mit großem Applaus gefeiert.
Fragen des Lebens
Vermutlich erkennen sich einige Premierengäste in Jens und Jonna wieder. Immer wieder geht es um die Fragen, was man eigentlich miteinander teilt, was man voneinander erwartet und ob eine Trennung vielleicht die bessere Lösung wäre. Bei dem jungen Paar auf der Bühne sind diese Fragen allgegenwärtig. Jonna (Lilith Kaiser) trägt zahlreiche Fragen mit sich herum und lässt ihren Freund Jens (Lorenz Bahro) daran teilhaben.
Der ringt zunächst um Verständnis, ist zunehmend irritiert und schließlich genervt von den Fragen seiner Freundin, die ihm vielfach unsinnig und überflüssig erscheinen. Jonna dagegen will wissen, hinterfragen und verstehen – für Jens sichtlich zu viel.
Als sie ihn beispielsweise fragt: „Was haben Bunker mit Kühen gemeinsam?“, weiß er darauf keine Antwort. Die Handlung springt dabei immer wieder durch die Zeit. Das Publikum erlebt glückliche Momente ebenso wie die zunehmenden Krisen in der Beziehung. Immer häufiger wird von beiden Seiten die Sinnfrage gestellt.
Bemerkenswertes Erstwerk
„Wir hören Geschichten selten ganz – meist nur Fragmente, gefiltert durch die Perspektive derer, die sie erzählen. Doch wer bestimmt, was wahr ist? Zwischen Depression und Zuschreibungen, zwischen Zuhören und Schweigen, geraten unsere Kategorien ins Wanken. Gibt es ein eindeutiges Richtig oder Falsch, Gut oder Böse?“ Mit diesen Worten beschreibt Annika Müller ihr bemerkenswertes Erstwerk.
Eine schlichte Holzbank auf einer kleinen Grünfläche genügt als Bühne für die beiden Protagonisten. Inszeniert wird das Stück von Hannah Koppermann, Regieassistentin am Oldenburgischen Staatstheater. Eine Kuh dient als Anschauungsobjekt für Jonnas Ausgangsfrage. Die sphärische Musik, die den Text atmosphärisch begleitet, stammt von Simon Fischer.
„Bunker, die im Meer ertrinken“ ist ein dichter und klarer Text, in dem jeder Satz sitzt und Wirkung entfaltet. Lilith Kaiser und Lorenz Bahro bringen ihn mit großer Spielfreude und der nötigen Intensität auf die Bühne. Das Publikum folgt den beiden sichtbar aufmerksam durch Fragen, Antworten, Streit und Schweigen.
Ein Höhepunkt ist ein leidenschaftlicher Monolog von Jens über Beton. Er versucht darin, eine mögliche Antwort auf Jonnas Frage nach der Gemeinsamkeit von Bunkern und Kühen zu finden. In dem bildreichen Text und der gelungenen Inszenierung ist dieser Monolog nur einer von mehreren starken Momenten. Über den Titel des Stückes lässt das Ensemble das Publikum nicht im Unklaren.
Junge Talente im Staatstheater
Mit dieser Uraufführung zeigt Annika Müller, welche schlummernden Talente im Oldenburgischen Staatstheater vorhanden sind und darauf warten, ins Rampenlicht zu treten. Die Textvorlage eignet sich zudem hervorragend für eine Umsetzung als Hörspiel.
Informationen und Termine zu weiteren „Rohdiamanten“ gibt es beim Oldenburgischen Staatstheater.
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