Kultur

Akte zum Kunstraub endgültig geschlossen

Marcus Kenzler zeigt das Gemälde von Herzog Peter Friedrich Ludwig, das eines Tages sorgsam verpackt im Innenhof des Oldenburger Schlosses lag.

Marcus Kenzler zeigt das Gemälde, das eines Tages sorgsam verpackt im Innenhof des Oldenburger Schlosses lag.
Foto: Katrin Zempel-Bley

Oldenburg (zb) Als der Sicherheitsdienst des Oldenburger Landesmuseums für Kunst und Kulturgeschichte am 30. September 2015 morgens um 6 Uhr im Innenhof des Schlosses ein sorgsam verpacktes Paket entdeckte, verunsicherte das die Männer. Ganz anders als eine Mitarbeiterin, die kurz darauf ihren Dienst antrat und das Paket beherzt öffnete. Zum Vorschein kam ein Gemälde, das den Oldenburger Herzog Peter Friedrich Ludwig zeigte. Doch was hatte es mit dem Bild auf sich?

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Genau dieses Bild ist im Schloss zu bewundern. Der Hofmaler Georg Friedrich Adolf Schöner hat es 1820 gemalt und zwar mehrfach. „Das war absolut üblich“, erklärt Provenienzforscher Dr. Marcus Kenzler. „Schließlich hing das Bild nicht nur im eigenen Schloss, man verschenkte es zum Beispiel auch an Verwandte.“ Doch woher kam dieses sehr gut erhaltene Gemälde, das auf seiner Rückseite eine Sammlungssignatur hatte, die verriet, es gehört nicht ins Schloss? Könnte es sich um eine Schenkung handeln?

„Die Art und Weise ist eher ungewöhnlich“, sagt Marcus Kenzler. „Es gibt durchaus Menschen, die uns etwas schenken und unbedingt anonym bleiben wollen, aber ihre Objekte dennoch persönlich im Museum abgeben. Dass jemand etwas über unsere Mauer wirft, haben wir bisher noch nicht erlebt.“ Stammte es möglicherweise aus einer Straftat?

Sicherheitshalber verständigte die Museumsleitung die Polizei, die das Bild in Augenschein nahm, es fotografierte und den Fall aufnahm. Doch niemand vermisste ein Bild dieser Art. Als die Polizei den Fall öffentlich machte und über ihn berichtet wurde, meldete sich ein im Ruhestand befindlicher Kriminalbeamter, der sich sofort an einen Fall aus den 1970er Jahren erinnerte.

„Er berichtete uns von einem Gemälde, das den Herzog zeigt und vom Peter-Friedrich-Ludwig-Krankenhaus (PFL), in dem sich heute das Kulturzentrum befindet, als gestohlen gemeldet worden war. Damals, er meinte um 1975, konnte der Fall nicht aufgeklärt werden. Doch diese Akten waren bei der Polizei nicht mehr verfügbar.“ Vielmehr brachte Udo Elerd, ehemaliger stellvertretender Leiters des Stadtmuseums Oldenburg, Marcus Kenzler auf eine heiße Spur. Ihm kam die Signatur mit römischen und arabischen Zahlen aus seiner Zeit im Stadtmuseum bekannt vor.

Die Signatur des Gemäldes führte auf die richtige Fährte.
Foto: Katrin Zempel-Bley

Also machte sich der Provenienzforscher zum Leiter des Stadtmuseums, Dr. Andreas von Seggern, auf und konfrontierte ihn mit dem Fall. Der holte ein Inventarbuch und entdeckte genau jene Signatur, die auf dem Gemälde verzeichnet war. Tatsächlich, das Gemälde war dem damaligen Krankenhaus an der Peterstraße zur Verfügung gestellt worden und hing auf der Chefetage. Jetzt war klar, wer der rechtmäßige Besitzer ist.

„Ob jemand das Gemälde loswerden wollte oder späte Reue empfand – wir wissen es nicht“, sagt Marcus Kenzler. „Es kann auch sein, dass es sich um Erben gehandelt hat, die vielleicht ahnten, dass etwas mit dem Bild nicht stimmt.“ Das Verfahren ist offiziell eingestellt, das Gemälde wohlbehalten und demnächst zurück an seinem angestammten Ort im Stadtmuseum. Übrigens hängt ein drittes Exemplar im Schlossmuseum Jever.

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