Kultur

Beschlagnahmtes Bild zurück im Prinzenpalais

Rainer Stamm vor dem zurückerworbenen Bild Amaryllis von Christian Rohlfs im Oldenburger Landesmuseum für Kunst und Kulturgeschichte.

Rainer Stamm vor dem zurückerworbenen Bild „Amaryllis“, das im Inventarbuch verzeichnet ist mit dem Hinweis „beschlagnahmt“. Jetzt steht dort der Hinweis „wiedererworben“.
Foto: Katrin Zempel-Bley

Oldenburg (zb) Nach fast 80 Jahren ist die „Amaryllis“ des Künstlers Christian Rohlfs ins Landesmuseum für Kunst und Kulturgeschichte Oldenburg zurückgekehrt. Museumsdirektor Dr. Rainer Stamm präsentierte es jetzt erstmals, nach dem er es von einem Privatmann aus Brüssel vollkommen unverhofft angeboten bekam. Ein Inventarbuch weist es als beschlagnahmt aus. Es existierte lediglich eine schwarz-weiß-Aufnahme von dem Bild.

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Seit das großformatige Amaryllis-Bild auf Papier 1937 als sogenannte „entartete Kunst“ von den Nazis beschlagnahmt und nach Berlin abtransportiert wurde, hat es eine lange Reise hinter sich, wie Provenienzforscher Dr. Marcus Kenzler berichtete. Es befand sich zeitweise im Depot des Reichsministeriums für Volksaufklärung und Propaganda für beschlagnahmte und „international verwertbare“ Kunstwerke aus deutschem Museumsbesitz im Schloss Schönhausen.

1940 gelangte es vom Reichsministerium an die mit der „Verwertung“ beauftragte Berliner Galerie Ferdinand Möller. Im Jahr 1954 wurde es dort verkauft. Danach verlor sich die Spur des Rohlfs‐Blattes. Recherchen des Provenienzforschers ergaben, dass es sich seither in Privatbesitz befand, bis es 2011 plötzlich im Münchner Kunsthandel auftauchte.

„Wir waren wie elektrisiert“, erinnert sich Stamm, der den Kunsthandel ständig beobachtet, weil in seinem Haus 103 Werke von den Nazis beschlagnahmt wurden und nicht wieder aufgetaucht sind. Sofort unternahm er alles, um das Bild erwerben zu können. „Wir hatten eine bestimmte Summe, wurden aber überboten. Das Bild ging an einen privaten Sammler aus Brüssel“, erzählt er. Der hängte es in seinem Haus auf und ahnte nicht, was es mit dem Bild auf sich hatte.

Erst nach dem Erwerb recherchierte er und stieß auf Informationen, wonach das Museum bei der Auktion in München leer ausgegangen war. „Ich erhielt irgendwann eine Mail von diesem Mann, und schließlich bot er das Bild dem Museum zum Kauf an. Es war eine historische Chance für unser Haus“, sagt Stamm. Das Museum musste den Preis zahlen, den der Sammler bei der Auktion gezahlt hatte. „Das waren gut 40.000 Euro“, berichtet Stamm, der sehr froh über den Erwerb ist. „Denn unser Haus hat sich als eines der ersten programmatisch der deutschen Moderne verpflichtet“, sagt er. Hauptvertreter sind Karl Schmidt-Rottluff, Ludwig Kirchner, Max Beckmann und Erich Heckel, die alle im Landesmuseum eindrucksvoll vertreten sind.

Die konfiszierte Arbeit von Christian Rohlfs (1849 bis 1938) hat sozusagen eine Lücke gerissen, die nach 79 Jahren geschlossen wurde. Sie war in ihrem Entstehungsjahr 1925 durch den Gründungsdirektor des Landesmuseums Walter Müller-Wulckow aus der Ausstellung „Christian Rohlfs“ im Oldenburger Schloss für 225 Reichsmark erworben worden und gehörte damit zum Grundstock der „modernen Galerie“ des 1923 eröffneten Landesmuseums.

Der norddeutsche Expressionist Christian Rohlfs war der erste Künstler, dem das Landesmuseum in den 1920er Jahren eine Einzelausstellung gewidmet hat. Der Bestand an Werken des Künstlers gehört daher zu den umfangreichsten und bedeutendsten in Norddeutschland. „Wir besitzen rund 20 Werke, die wir Mitte 2017 zusammen mit der Amaryllis in unseren Kabinett-Räumen zeigen werden“, kündigt Stamm an. Bis Ende des Jahres hängt das Bild zwischen Kirchner, Heckel und Nolde.

„Die Rückerwerbung der ‚Amaryllis‘ ist für das Museum ein Glücksfall. Es ist das zweite Werk des Künstlers, das nach seiner Beschlagnahmung durch die Nazis für Oldenburg zurückerworben werden konnte“, freut sich Stamm, der den Rückkauf des Blattes „Amaryllis“ nur mit Unterstützung des Niedersächsischen Ministeriums für Wissenschaft und Kultur, der Hermann Reemtsma Stiftung, der Stiftung Niedersachsen, der Waldemar Koch Stiftung sowie der EWE‐Stiftung tätigen konnte.

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3 Kommentare

  1. Barbara Klebinger
    5. Dezember 2016 um 22.18

    … über Geschmack kann man ja streiten – über Ausgaben aus der Stadtkasse, die wirklich in anderen und sozialen Bereichen dringender benötigt würden NICHT !

    • Wolf
      6. Dezember 2016 um 9.59

      Das Prinzenpalais gehört zum Landesmuseum für Kunst und Kulturgeschichte. Die Stadtkasse hat da nichts mit zu tun.

      • Barbara Klebinger
        6. Dezember 2016 um 14.44

        … danke für die Info.
        Für die Landeskasse gilt das jedoch genauso.