Kultur

Energiegeladene Ballett-Performance

D-Man in the Waters ist am Oldenburgischen Staatstheater als Europapremiere zu sehen.

„D-Man in the Waters“ ist am Oldenburgischen Staatstheater als Europapremiere zu sehen.
Foto: Stephan Walzl

Oldenburg (vs) – Auch bei der neuen Tanzproduktion der BallettCompagnie Oldenburg im Großen Haus des Oldenburgischen Staatstheaters ziehen die Tänzerinnen und Tänzer alle Register ihres Könnens. Der Doppelabend mit der Europapremiere „D-Man in the Waters“ des berühmten amerikanischen Choreographen und Compagniechefs Bill T. Jones und der Uraufführung von „Generation Y“ des Oldenburger Chefchoreographen Antoine Jully lässt das Publikum jubeln. Wie schon beim vergangenen Ballettabend unter der Leitung verschiedener Gastchoreographen nutzt das Oldenburger Ballett die Chance, mit Hilfe der Gastchoreografin Janet Wong, ihrerseits stellvertretende Direktorin der Compagnie von Bill T. Jones, sich weiterzuentwickeln und ihr Potenzial abzurufen.

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„D-Man in the Waters“

Als „Hymne des Weiterlebens“ wird das weltweit aufgeführte und gefeierte „D-Man in the Waters“ beschrieben. Während der Proben zur Uraufführung im Jahre 1989 verstarb ein Tänzer der Compagnie und ein anschließender Traum des Choreographen, in dem seine Tänzer im Wasser ums Überleben kämpften, inspirierten ihn zu einer Umwandlung. Zum Oktett für Streicher von Mendelssohn-Bartholdy und einem strahlend blauen Bühnenhintergrund feiern die Tänzerinnen und Tänzer im Military-Outfit das Leben. Sie laufen, rennen, springen, rutschen über den Bühnenboden. Viel Körperarbeit wird ihnen dabei abverlangt. Soli wechseln mit Duetten und Trios. Hebe- und Sprungfiguren entstehen, lösen sich auf und finden wieder zueinander. Das alles geschieht mit hoher Dynamik und reichlich Tempo. Lediglich die nach einiger Zeit wiederkehrenden Bewegungsabfolgen sind kleine Mankos, über die man hinwegsehen kann.

In der Pause wird der Orchestergraben für das Oldenburgische Staatsorchester vorbereitet. Wenn der Vorhang sich hebt, sich die Orchestermusiker einspielen, betritt die Compagnie die Bühne, erste Tanzschritte folgen. Über der dunklen Bühne schwebt ein großes undefinierbares Drahtgeflecht, einer Wolke ähnelnd. In leichten, schwarzen und dunkelfarbigen Kostümen wird die treibende Dynamik dieses Ballett-Abend unweigerlich fortgesetzt. Die 5. Sinfonie des Engländers Malcolm Arnold bildet die ideale Grundlage zur Uraufführung von „Generation Y“ von Antoine Jully. Die heutige junge Generation, scheinbar gefangen im Technik- und Medienwahn, ist die Generation der Tänzerinnen und Tänzer.

Dynamik und Poesie der „Generation Y“

Die kraftvolle und dramatische Musik, einer Filmmusik eines Krimi-Klassiker ähnelnd, treibt die rastlosen Compagnie-Mitglieder voran. Solo tanzt gegen und mit der Gruppe. Man ist zusammen und doch allein. Die energiegeladene Performance des ersten Teils wird fortgesetzt. Blicke des anderen werden gesucht und wieder gemieden. Szenen des Alltags mit Mobiltelefon in den Händen, die Einsamkeit einer Tänzerin umgeben von Toten, die Masse der Individualisten oder Liebe zum Gleichgeschlecht werden beeindruckend umgesetzt. Hebefiguren, Sprünge, Pirouetten, Soli und Duette gehen fließend ineinander über und werden mit viel Kraft ausgeführt. Aber auch poetische Momente hat dieser Ballettabend.

Bewerten will Antonie Jully das Leben der heutigen Generation nicht mit seiner Choreographie. Schade. Ein tänzerisches Statement wäre zur heutigen Zeit angesagt, um sich vielleicht auch als zeitgenössischen Choreographen zu positionieren.

Weitere Vorstellungstermine sind 18. März sowie am 2. und 29. April, jeweils um 19.30 Uhr. Alle Karten, Termine und Informationen gibt es unter www.staatstheater.de.

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