Kultur

Tanzexperiment mit Beigeschmack

Die BallettCompagnie Oldenburg tanzt City Moves in einer Bubble.

Die BallettCompagnie Oldenburg tanzt „City Moves“ in einer „Bubble“.
Foto: Stephan Walzl

Oldenburg (vs) Dass Theater ihre Kunststätten verlassen und in die Stadt ziehen, um hautnah am Publikum zu sein, ist kein neues Phänomen. Das Oldenburgische Staatstheater, genauer gesagt die BallettCompagnie Oldenburg, hat diesen (Tanz)Schritt auch getan. Geprobt wurde für die neueste Produktion „City Moves – Work in Progress“ an verschiedenen Plätzen der Stadt.

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Die Erfahrungen, die von den acht Tänzerinnen und Tänzern gemacht wurden, bekam das Publikum bei der Uraufführung im Kleinen Haus zu sehen. Getanzt wurde anfangs ebenfalls in der großen durchsichtigen „Bubble“, die auch als transparenter „Probenraum“ in der Stadt genutzt wurde. Das Premierenpublikum im gut besuchten Theatersaal spendete reichlich Applaus für den einstündigen Ballettabend, der leider weniger „City Moves“ zum Inhalt hat, als der Titel vermuten lässt.

Viel Platz ist nicht in der Blase, die Körper der Tänzerinnen und Tänzer sind eng verwoben und stoßen, auch schon mal kopfüber, immer wieder an den Rand der Hülle. Arme, Beine, Köpfe, der ganze Körper ist ständig in Bewegung zu den rhythmisch wechselnden elektronischen Klängen, die Chefchoreograph Antoine Jully selbst komponiert hat. Befreiung ist erst nach einer Weile angesagt. Der richtige Zeitpunkt, bevor die stetig wiederholenden Bewegungsabläufe beim Zuschauen in Monotonie verfallen.

Auf der freien Bühne ist mehr Platz für die fast akrobatischen Bewegungsabläufe, die als Solo, Duett oder im Ensemble nahtlos aneinandergereiht sind. Das tänzerische Potenzial, zuletzt bei dem vierteiligen Tanzabend im Großen Haus perfekt unter Beweis gestellt, ist beeindruckend. „City Moves“ orientiert sich dabei aber wesentlich mehr am Tanztheater als am neo-klassischen Ballett, wie es vom Chefchoreographen sonst zu sehen war. Aber auch außerhalb der Blase geraten die Bewegungen schnell in Wiederholungen. Die Musik wechselt von elektronisch zu Jazzklängen, wird immer angereichert mit Geräuschsequenzen aus der Stadt. Stimmengewirr, Bahnhofsatmosphäre, Wortfetzen und Selbstgesprochenes der Tänzer kommt zu Gehör. Das Publikum erfährt etwas von der Nationalität, Hobbys oder dem Beziehungsstatus. Zu absoluter Stille wird ebenso getanzt. Choreografien mit humoristischen Elementen scheinen bei Antoine Jully Programm zu sein. Das zeigt auch die letzte Szene, als eine Primaballerina im Tutu überraschend auf der Bühne erscheint und sich mit den Worten „Oh, falsches Ballett“ entschuldigt.

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Die Befreiung folgt und das tänzerische Können bekommt seinen Raum.
Foto: Stephan Walzl

Was die Compagnie vom Experiment des offenen Tanzsaales mit auf die Bühne genommen hat, lässt sich nur in Ansätzen erkennen. Persönlich war es für jede Tänzerin und jeden Tänzer sicherlich eine besondere Erfahrung, auch gemeinsam mit den Zuschauern an den Plätzen der Stadt zu improvisieren. Mehr von der tänzerischen Umsetzung des pulsierenden Lebens inmitten der Fußgängerzone, beim Shopping im Einkaufszentrum oder den Lustwandlern im Schlossgarten zu sehen, wäre wünschenswert und aussagekräftiger gewesen. So gleitet dieser Tanzabend ob der tänzerischen Perfektion fast in die Beliebigkeit.

Zu sehen ist „City Moves“ im Kleinen Haus am Mittwoch, 15. Juni, Freitag, 17. Juni, (beide 20 Uhr) und ein letztes Mal am Sonntag, 26. Juni, um 15 Uhr. Weitere Informationen und Karten gibt es unter www.staatstheater.de.

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