Ausstellung

Seltene Illustrationen zur Aeneis von Vergil

Prof. Dr. Michael Sommer, Dr. Ulrich Wilke und Dr. Andreas von Seggern stellten die Ausstellung Mythos Aeneis des Stadtmuseums Oldenburg vor.

Prof. Dr. Michael Sommer, Dr. Ulrich Wilke und Dr. Andreas von Seggern (von links) stellten die Ausstellung „Mythos Aeneis“ vor.
Foto: Stadtmuseum

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Oldenburg (zb) – Das Stadtmuseum Oldenburg präsentiert bis zum 17. April eine Ausstellung mit wertvollen und in ihrer Geschlossenheit äußerst seltenen Illustrationen zur Aeneis von Vergil. Sie stammen aus der Sammlung von Ulrich Wilke aus Hude und sind außergewöhnlich. Die Holz- und Kupferstiche aus dem 16. und 17. Jahrhundert erzählen von Aeneis Flucht aus Troja und seinen Abenteuern, bevor er zum Stammvater Roms wird. Vergil, einer der bedeutendsten Dichter der Römer hat von 70 bis 19 vor Christus gelebt.

Stadtmuseumsleiter Dr. Andreas von Seggern spricht von einer mindestens im europäischen Maßstab – vielleicht gar weltweit – bedeutendsten Sammlungen von Holzschnitten und Kupferstichen zu den ersten gedruckten Ausgaben der Vergil’schen Aeneis. Mit Sachkenntnis und Leidenschaft habe Ulrich Wilke nicht nur Einzelblätter, sondern auch alle bedeutenden Folianten, also großformatige Bücher, der Frühen Neuzeit zum Thema zusammengetragen. „Zumindest von den gedruckten Ausgaben aus Lyon, Venedig, Nürnberg, Augsburg und London lässt sich behaupten, dass sie in dieser, auch im Zentrum der Oldenburger Präsentation stehenden Kollektion vermutlich in kaum einer Bibliothek dieser Welt vorhanden sein dürften.“ In der Region werden die wertvollen Blätter aus dem 16. und 17. Jahrhundert erstmals öffentlich gezeigt.

Ulrich Wilke, der durchaus eine gewisse Sammlerbesessenheit aufweist, hat bezüglich der Vergil-Illustrationen auch das Glück auf seiner Seite gehabt. Denn als der Bilderzyklus mit 51 Radierungen zur Aeneis in den 1980er Jahren von einem Berliner Auktionshaus angeboten wurde, griff er zu. Lange brauchte der 86-Jährige, um die Illustrationen zuordnen zu können. Das gelang ihm erst 2011 mit Hilfe von Werner Suerbaum, Professor für Lateinische Philologie an der Universität München. So stellte sich heraus, dass es sich bei den Radierungen um den von dem Nürnberger Maler Georg Jacob Lang (1655-1740) gezeichneten, sogenannten Nürnberger Vergil von 1688 handelte.

Götterbote Mercurius überbringt Aeneas die Botschaft Jupiters. Trojanisches Pferd.

Links: Götterbote Mercurius überbringt Aeneas die Botschaft Jupiters. Pictura 52, Aen. IV, 265b-270.
Rechts: Trojanisches Pferd. Pictura 37, Aen. II 148-152 aus dem Londoner Vergil von 1658.

Fotos: Andrey Gradetchliev

Schließlich hat er die Sammlung um 20 Handzeichnungen zum Nürnberger Vergil, die die Grundlage für die Kupferstiche waren, ergänzen können. Auch sie sind in der Ausstellung zu sehen und lassen das Herz von Bibliophilen höher schlagen. „Weltweit ist diese Vergil-Ausgabe nur äußerst selten zu finden. Es existieren lediglich vier oder fünf gedruckte Fassungen“, berichtet Ulrich Wilke. Vor drei Jahren war seine Sammlung erstmals im Albrecht-Dürer-Haus in Nürnberg zu sehen.

Der begleitende Katalog zur Ausstellung ist von Studierenden des Seminars der Abteilung Alte Geschichte am Institut für Geschichte der Universität Oldenburg unter der Leitung von Prof. Dr. Michael Sommer vorbereitet worden. Neben einer Würdigung des Sammlers wird die kunst- und kulturgeschichtliche Dimension der Aeneis historisch-kritisch beleuchtet.

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