Ausstellung

Robert Gernhardt: Satirischer Leckerbissen mit Tiefgang

Robert Gernhardt gilt als einer der bedeutendsten deutschsprachigen Dichter. Das Stadtmuseum Oldenburg zeigt Gernhardts zeichnerisches Werk.

Robert Gernhardt.
Foto: caricatura museum Frankfurt

Oldenburg (zb) Einen satirischen Leckerbissen zeigt das Stadtmuseum Oldenburg mit dem zeichnerischen Werk von Robert Gernhardt, das bis zum 4. Mai zu sehen ist.

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Robert Gernhardt gilt als einer der bedeutendsten zeitgenössischen Dichter der deutschen Sprache. Darüber hinaus schuf er ein umfangreiches Werk als Schriftsteller, Maler und Zeichner. Als Mitarbeiter der Satirezeitschrift „pardon“ und Mitbegründer der Zeitschrift „Titanic“ prägte er maßgeblich die Humorkultur der späten Bundesrepublik. Über die Grenzen der Satire hinaus machte ihn die Zusammenarbeit mit Peter („Pit“) Knorr und Bernd Eilert für Otto Waalkes bekannt.

Die rund 100 ausgewählten Bildgedichte und Bildgeschichten, die aus der Sammlung des caricatura museums frankfurt stammen, wurden in der Titanic, im ZEIT-Magazin oder im Magazin der Frankfurter Allgemeinen Zeitung (FAZ) erstveröffentlicht. Gezeigt werden vor allem Bilder aus seinen Zyklen „Gernhardts Erzählungen“ und „Hier spricht der Dichter“. Eine Ausnahme bilden die „Schnuffi“-Cartoons, die regelmäßig in der Beilage Welt im Spiegel (WimS) der Satirezeitschrift „pardon“ erschienen und von denen eine kleine Auswahl ebenfalls in der Ausstellung zu sehen ist.

„Der Querschnitt durch das zeichnerische Werk Robert Gernhardts zeigt die außergewöhnliche Vielseitigkeit des 2006 verstorbenen Künstlers, der nicht nur mit allen denkbaren Formen des Gedichtes spielte, sondern auch thematisch keine Grenzen kannte“, sagt Andreas von Seggern, stellvertretender Leiter des Stadtmuseums und Kurator der Ausstellung. Gernhardt, dessen Vorbild Wilhelm Busch war, war ein Allroundtalent, der mit seinen Zeichnungen und Sprüchen Ereignisse auf den Punkt brachte. Die Auswahl im Stadtmuseum ist eine individuelle Zusammenstellung, die jedoch alle Spektren des Künstlers abbildet.

Es gibt es keine Chronologie. Jedes Werk steht für sich. Dabei entdeckt der Besucher viel Autobiografisches. Gernhardt, das wird schnell klar, war ein vollkommen unprätentiöser Typ, voller Selbstironie, der selbst in eigenen existenzbedrohenden Phasen Ironie aufbringt. Otto Walkes hat zufällig Gedichte von ihm gelesen und war entsprechend beeindruckt. Umgekehrt hat Gernhardt mal gesagt: „Otto war für mich ein Sechser im Lotto.“

Bezüglich ihres Humorverständnisses passten sie perfekt zusammen. Zum Beispiel bei dem Witz: „Herr Ober, die Suppe schmeckt so komisch. Und warum lachen sie dann nicht?“ Gernhardt war ein scharfer Beobachter von gesellschaftlichen und politischen Entwicklungen und entsprechend pointiert und scharfzüngig ist seine Satire. Zum Beispiel die Szene beim Psychiater: „Herr Böckel? Persönlichkeitsspaltung? Sie haben doch gar keine Persönlichkeit. Was wollen sie denn da spalten?“ Oder der Spruch: „Mein Gott ist das beziehungsreich – ich glaub, ich übergeb mich gleich.“ Gernhardt entging einfach nichts und dem entsprechend schonte er keinen.

In der Ausstellung, die sich über zwei Räume erstreckt, gibt es viel zu gucken, zu lesen, zum nachdenken und schmunzeln. Das gilt auch für die „Sudelblätter“, die seit 1992 in der FAZ veröffentlicht wurden. Es handelt sich dabei um Illustrationen zu Georg Christoph Lichtenbergs Aphorismen aus den „Sudelbüchern“. Seine zeichnerische Umsetzung ist faszinierend und sehenswert zugleich. Satirische Grafik hat es in den letzten Jahrzehnten im Stadtmuseum nicht gegeben. „Das soll künftig anders werden“, kündigt von Seggern an und Robert Gernhardts zeichnerisches Werk ist ein wirklich geglückter Anfang.

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