Ausstellung

PferdeGeschichten: „Oldenburger“ Berühmtheiten

Auch Onager, dabei handelt es sich um asiatische Wildesel, und ein Zebra, alles Verwandte des Pferdes, sind in der Ausstellung zu sehen.

Auch Onager, dabei handelt es sich um asiatische Wildesel, und ein Zebra, alles Verwandte des Pferdes, sind in der Ausstellung zu sehen.
Foto: Katrin Zempel-Bley

Oldenburg (zb) Das Oldenburger Land ist vor allem wegen seiner Pferde weltweit zu einem Begriff geworden. Die gemeinsame Geschichte von Pferd und Mensch begann vor rund 300.000 Jahren. Die Sonderausstellung „PferdeGeschichten – Vom Urpferd zum Sportpferd“ im Oldenburger Landesmuseums für Natur und Mensch, die Sonntag eröffnet wird, klärt darüber auf.

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Vor gut 300.000 Jahren war das Pferd für den Menschen reine Jagdbeute. „Das änderte sich grundlegend vor gut 5000 Jahren mit der Domestikation des Pferdes. Es bekam Bedeutung in ritueller Hinsicht und als Zug- oder Reittier des Menschen“, berichtet Museumsdirektor Dr. Peter-René Becker, anlässlich der Vorbesichtigung. „Kaum ein anderes Tier hat die Menschheit im wahrsten Sinne des Wortes so bewegt wie das Pferd: Ohne seine frühe Domestikation sähe die Welt heute anders aus.“

Seit konkrete Rassen gezüchtet wurden, spielt der „Oldenburger“ zunächst als Kutsch- später als Sport- und Freizeitpferd weltweit eine bedeutende Rolle und verhalf dem Oldenburger Land zu Berühmtheit. Denn Oldenburger Pferde sind weltweit in vielen Reitställen bis hin zum englischen Königshof anzutreffen.

Die Ausstellung blickt auf 55 Millionen Jahre dauernde Entwicklungsgeschichte des Pferdes zurück – vom etwa hundegroßen Laubfresser bis hin zum Nutztier, Partner und Freund des Menschen. Die Stammesgeschichte der Pferdefamilie ist fossil gut belegt. „Pferde entwickelten sich aus vergleichsweise kleinen Waldbewohnern zu den heute stattlichen Steppentieren“, berichtet Kurator Dr. Ulf Beichle. Erstmalig in Oldenburg werden fossile Pferde mit Originalfunden aus der Grube Messel und dem Geiseltal sowie aus Nordamerika aus einer Zeit vor 55 bis 30 Millionen Jahren vorgestellt.

Archäologische Funde wie Pferdegeschirr oder Lackprofile, die auf Pferdebestattungen verweisen, sowie ethnologische Objekte wie Ritualgegenstände und Schmuck ergänzen die Ausstellung und geben einen Einblick in die Bedeutung des Pferdes in der Vergangenheit und in anderen Kulturen.

Natürlich erzählt die Ausstellung auch die Geschichte von „Kranich“, dem Lieblingspferd des Grafen Oldenburger Anton Günther (1603 – 1667). Sein 2,25 Meter langes wallendes Original-Haar aus der museumseigenen Sammlung erinnert an das damalige Zuchtziel, das heute nur noch bei wenigen Pferderassen wie Friesen und Andalusiern von Bedeutung ist. Dieses Büschel Haare steht nicht nur anekdotisch für ein Stück Geschichte Oldenburgs, sondern weist auf den roten Faden der Ausstellung hin: Der Wandel des Pferdes, wie es aus der Evolution hervorgegangen ist, und wie Menschen schließlich durch Domestikation und Züchtung zur weiteren Veränderung beitrugen und beitragen.

Der Umschwung vom Kutsch- und Wirtschaftspferd zum weltweit erfolgreichen Dressur-, Spring und Freizeitpferd ist eine Erfolgsgeschichte, getragen von vielen einzelnen Züchtern. Der größte Züchteranteil in Deutschland befindet sich in Niedersachsen – dank der zwei Pferderassen „Oldenburger“ und „Hannoveraner“ – mit Vechta als Zentrale für die Oldenburger Pferdezucht. Die Erfolge sind offensichtlich, denn alle Pferde der Deutschen Dressurequipe bei den Olympischen Spielen 2012 in London waren Abkömmlinge des berühmten und wohl erfolgreichsten Oldenburger Hengstes „Donnerhall“, der auch als Bronzeplastik in der Oldenburger Fußgängerzone zu sehen ist.

Die Ausstellung stellt die Bedeutung des Pferdes für das Oldenburger Land vor und geht dabei auch auf zeitgenössische Trends in Haltung und Zucht ein. Moderne Techniken bei der Pferdezucht und Vermarktung werden in Text, Bild und Videos vorgestellt. Bedeutende Pferde wie „Donnerhall“ oder der Irisch-Englische Vollblüter „Dark Ronald“, gleichsam ein Urvater von Donnerhall und zahllosen Sportpferden in Deutschland, werden mit eindrucksvollen Exponaten und Informationen porträtiert. „Dark Ronald“ präsentiert sich als Skelett, das aus dem Zentralmagazin Naturwissenschaftlicher Sammlungen der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg stammt. Sättel aus verschiedenen Kontinenten demonstrieren den Einfallsreichtum der Reiter, auf dem Rücken der Pferde die Balance zu halten, und gehen auf den Nutzungsaspekt des Pferds als Reittier ein.

Werke von Philips Wouwerman bis Ludwig Koch präsentieren in der Ausstellung Bildnisse des Pferdes vom Barock bis ins 20. Jahrhundert und betonen es als eigenes Bildmotiv. Kleinplastiken von Gerhard Marcks und Ewald Mataré zeigen das Pferd als Motiv künstlerischer Auseinandersetzung in der Bildhauerkunst. Die Objekte der museumseigenen Sammlung wurden durch bedeutende Exponate von Museen aus ganz Deutschland und durch Objekte aus der Arbeit und den Archiven von Praktikern aus Gestüten, Reitvereinen und Handel erweitert. Gemeinsam zeichnen sie ein umfassendes Bild von den Etappen der Entwicklung vom Urpferd zum Sportpferd.

Weitere Informationen zur Ausstellung „PferdeGeschischten“

Im Begleitprogramm stehen ein vielfältiges Workshopprogramm für Kinder, eine Podiumsdiskussion „Junge Pferde – verhunzt, verhätschelt, verheizt?“ am 17. November um 15 Uhr und der traditionelle Familientag am 2. Februar 2014 sowie Sonntagsführungen. Zur Ausstellung ist eine gleichnamige, umfassende Begleitschrift im Isensee Verlag erschienen. Sie ist im Museumsshop erhältlich. Das Museum ist Dienstag bis Freitag von 9 bis 17 Uhr, Sonnabend und Sonntag von 10 bis 18 Uhr geöffnet. Weitere Informationen sind online unter www.naturundmensch.de zu finden.

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