Wirtschaft

Handwerk fordert Stärkung der beruflichen Bildung

Heiko Henke, Michael Koch und Manfred Kurmann sprachen vor der Vollversammlung der Handwerkskammer in Oldenburg.

Heiko Henke, Michael Koch und Manfred Kurmann (von links) sprachen vor der Vollversammlung in Oldenburg.
Foto: Katrin Zempel-Bley

Oldenburg (zb) Mit einem Beschluss zum Papier „Wünsche und Forderungen zur Landtagswahl in Niedersachsen 2018“ hat sich die Vollversammlung der Handwerkskammer Oldenburg (HWK) heute positioniert. „Gerade in wirtschaftlich guten Zeiten ist die Landespolitik gefordert, mit Weitsicht zentrale Weichenstellungen für die Zukunft vorzunehmen“, erklärte Gastredner Michael Koch, Hauptgeschäftsführer der Landesvertretung der Handwerkskammern Niedersachsen (LHN). Er bescheinigte der Landesregierung in vielerlei Beziehung gute Arbeit, sieht aber klaren Nachholbedarf bezüglich der beruflichen Bildung.

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„Nach wie vor wird erheblich mehr Geld für die akademische Bildung ausgegeben. Hier fordern wir eine Kehrtwende“, erklärte Koch nicht zuletzt in Hinblick auf die hohe Zahl der Studienabbrecher von bis zu 40 Prozent in technischen und naturwissenschaftlichen Fächern. Die Kammerversammlung sprach sich zudem für eine stark verbesserte Lehrerversorgung in Berufsbildenden Schulen aus. „Mit einer Versorgung bis zu 85 Prozent darf sich das Handwerk nicht abgeben“, meinte Koch.

Volle Rückdeckung vom Land gibt es beim Thema Erhalt des Meistertitels. Vor zwei Wochen gab es einen Etappensieg. Der Rat der Europäischen Union stärkte die Mitgliedsstaaten bezüglich der Berufsreglementierungen. „Das bedeutet, Deutschland kann in Sachen Meistertitel weiter so verfahren wie bisher“, freute sich HWK-Präsident Manfred Kurmann.

Auch wenn das Land nicht maßgeblich verantwortlich ist für die zunehmende Bürokratisierung, so fordert die Vollversammlung ein Ende von überflüssigen Dokumentationen und Nachweispflichten für Handwerksbetriebe. Immer mehr würden sich eingeschnürt fühlen und sogar auf Fördergelder verzichten, weil die aus Brüssel von einer Misstrauenskultur den Empfängern gegenüber begleitet würden, kritisierte Koch.

Schließlich forderte die Vollversammlung eine Reduzierung der Steuern und Abgaben. Die Steuereinnahmen seien seit 2004 kontinuierlich gestiegen, aber der Mittelstand wurde bislang nie entlastet, lautete die Kritik des Handwerks. Auch gemachte Wahlversprechen wie die Abschaffung des Solidaritätszuschlages müssten umgesetzt werden, weil sonst die Glaubwürdigkeit der Politik auf dem Spiel stehe, so Koch.

Der lobte die Handwerker des Oldenburger Landes, „weil sie die Gemeinschaft des Handwerks aktiv leben, indem sie alle Kräfte bündeln.“ Koch nannte die gemeinsame Aktion von Handwerk, Universität Oldenburg und Fachhochschule, Studienabbrechern frühzeitig beim Aufstieg durch Umstieg behilflich zu sein, das Flüchtlingsintegrationsprojekt und den gemeinsamen Auftritt aller Oldenburger Meisterschulen.

Trotz der Kritik „lacht die Sonne am Konjunkturhimmel“, betonte Kurmann. „Um den Erfolg jedoch wetterfest zu machen, müssen die Rahmenbedingungen stimmen“, hob er hervor. Die HWK trage ihren Teil unter anderem auch mit Informationen und Veranstaltungen zu aktuellen Themen wie E-Mobilität und Digitalisierung bei. Außerdem sei die Kammer in Initiativen zur Fachkräftesicherung aktiv. „Auf dem Ausbildungsmarkt zeigen unsere Maßnahmen Wirkung. Zum 31. Mai waren bereits 1194 neue Lehrverträge für dieses Jahr eingetragen. Das sind 38 Azubis mehr als im Vorjahresvergleich.“ Kurmann hofft, dass dieser Trend anhält und junge Leute mehr und mehr das Handwerk mit sehr guten Karrierechancen für sich entdecken.

Hauptgeschäftsführer Heiko Henke begrüßte die Verabschiedung des
Gesetzes zur Stärkung der Bekämpfung der Schwarzarbeit und illegalen Beschäftigung. „Damit werden dem Zoll als auch den Behörden erweiterte Prüfungskompetenzen zugesprochen. Außerdem wies er auf das im Berufsbildungszentrum in Tweelbäke in Betrieb genommene Migrationscenter hin. Hier wird Migranten über 25 Jahre der Weg in die Arbeit beziehungsweise Ausbildung bestmöglich geebnet.

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