Region

Klimawandel: Grundwasser in Küstennähe versalzt

Jens Wolf, Egon Harms und Matthias Schöniger stellten das gemeinsame Projekt NAWAK vor.

Jens Wolf, Egon Harms und Matthias Schöniger (von links) stellten das gemeinsame Projekt „NAWAK“ vor.
Foto: Katrin Zempel-Bley

Oldenburg (zb) Der prognostizierte Meeresspiegelanstieg als Folge des Klimawandels bewirkt eine stärkere Versalzung des Grundwassers in Küstennähe und stellt die regionale Trinkwasserversorgung vor große Herausforderungen. Der Oldenburgisch-Ostfriesische Wasserverband (OOWV) sowie Wissenschaftler suchen ab sofort gemeinsam nach Strategien, um die Wasserversorgung entlang der Nordsee langfristig zu garantieren.

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„NAWAK“ heißt das in Oldenburg vorgestellte Projekt. „Es steht für Nachhaltigkeit, Anpassungsstrategie der Wasserwirtschaft und den klimatischen Wandel und wird mit 2,2 Millionen Euro vom Bundesministerium für Bildung und Forschung gefördert“, berichtet Projektleiter Dr. Jens Wolf von der GRS. Neben den OOWV-Fachleuten gehören das Leibniz-Institut für angewandte Geophysik in Hannover, das Leichtweiß-Institut für Wasserbau der TU Braunschweig, der Niedersächsische Landesbetrieb für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz (NLWKN) und die Gesellschaft für Anlagen- und Reaktorsicherheit (GRS) zur Forschungsgruppe.

„In den deutschen Küstenregionen drängt schon jetzt die Grenze zwischen Süß- und Salzwasser im Untergrund weiter in Richtung Inland vor. Außerdem steigt der Wasserbedarf in Landwirtschaft und Industrie aufgrund längerer Trockenperioden im Sommer deutlich an“, berichtet Egon Harms, OOWV-Bereichsleiter Grundwassergewinnung. Die Wasserwerke zur Trinkwassergewinnung stehen dicht an der Küste und niemand weiß, wie lange dort noch Trinkwasser gewonnen werden kann. „Wir haben keine Möglichkeiten, das zu prognostizieren, weil wir nicht wissen, wie sich die Salzfront verändert“, erklärt Harms.

Die Wissenschaftler sollen mit Hilfe der umfangreich vorhandenen Daten, die der OOWV zur Verfügung stellt, und mit Hilfe moderner Rechenprogramme Prognosen zur Entwicklung der künftigen Grundwasservorkommen erstellen. „Wir werden Modelle entwickeln, die den kompletten Untergrund simulieren und hoffen, nach drei Jahren die Ergebnisse vorstellen zu können“, sagt Prof. Matthias Schöniger von der TU Braunschweig. „Wenn wir erfolgreich sind, könnte das ein Exportschlager sein, denn nicht nur die Weser-Ems Region kennt dieses Problem.“

Eigentlich müsste der OOWV den Antrag beim Landkreis Friesland zur Verlängerung des Wasserrechts für 30 Jahre stellen. „Weil wir nicht wissen, ob wir dort in 20 Jahren noch Trinkwasser gewinnen können, ist die Lage akut“, erklärt Harms. „Wir haben also keine Garantie, weshalb auch der Landkreis unser Ansinnen unterstützt.“ Die Verbraucher, so stellt Harms klar, müssen sich gegenwärtig keine Gedanken um ihre Wasserversorgung machen. „Weil wir aber weiterhin Versorgungssicherheit gewährleisten wollen, starten wir das Forschungsprojekt.“

Sollte tatsächlich der Klimawandel allein für die Versalzung verantwortlich sein, gibt es kein Ausweichen. „Wir müssten uns buchstäblich vom Acker machen und andere Flächen auftun, wo wir Brunnen bohren können“, erläutert Harms. Dass das nicht einfach ist, zeigt das südliche Verbandsgebiet des OOWV. Dort kämpft er mit erheblichen Nitratproblemen, weil die landwirtschaftlichen Flächen vollkommen überdüngt sind. „Das Problem wird vom Landwirtschaftsminister und der Kammer zwar angegangen, aber die Landwirte müssen noch davon überzeugt werden, dass es auch um ihre Existenzgrundlage geht“, sagt Harms.

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