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Abtauchen um aufzuräumen

Mit Plastiksäcken ausgestattet sammeln ehrenamtliche Taucher Müll in niedersächsischen Gewässern.

Mit Plastiksäcken ausgestattet sammeln ehrenamtliche Taucher Müll in niedersächsischen Gewässern.
Foto: Schuster

Oldenburg (zb) Der NABU Niedersachsen hat jetzt in Kooperation mit dem Tauchsport Landesverband Niedersachsen (TLN) ein landesweites Müllbergungsprojekt in Gewässern in Oldenburg gestartet. Unter dem Titel „Abtauchen zum Aufräumen“ werden ehrenamtliche Taucher des TLN in niedersächsischen Gewässern Müll bergen. Möglich wird das Projekt durch die Bingo-Umwelthilfe, die es mit 65.000 Euro fördert. „Aus Eigenmitteln wäre das nicht finanzierbar“, sagt Rüdiger Wohlers, Nabu-Bezirksgeschäftsführer, bei der Vorstellung des Projekts.

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Projektleiter Wolfgang Schuster kennt sich sowohl mit der Welt unter Wasser als auch mit der Meeresbiologie aus. „Ich beobachte seit 20 Jahren die Vermüllung von Gewässern und Meeren“, berichtet der Hobbytaucher und studierte Meereswissenschaftler. „Ob Flaschen, Bekleidung, Ölkanister, Plastiktüten, Mofas oder ganze Autos – einige Menschen werfen alles, was sie nicht mehr brauchen, in Seen, Flüsse und Meere. Plastik braucht mehrere hundert Jahre, ehe es sich aufgelöst hat“, gibt er zu bedenken. Und wenn wir Pech haben, landet die Plastiktüte im Fisch, den wir irgendwann essen.“

70 Prozent des Mülls in unseren Meeren sind mal vom Land aus hinein geworfen worden. 30 Prozent stammt von den Schiffen. Was vor Ort achtlos in Gewässern entsorgt wird, macht sich auf in Flüsse und Meere. Genau das wollen Taucher von landesweit 82 Vereinen künftig verhindern. Mit Müllsäcken ausgestattet gehen sie auf die Suche und sammeln Müll unter Wasser. „Wir lassen allerdings die Finger von Gefahrgut“, stellt Wolfgang Schuster klar. „Dafür sind die professionellen Taucher der Feuerwehr zuständig, die wir benachrichtigen. Die haben das notwendige Instrumentarium, um zum Beispiel einen maroden Ölkanister zu bergen.“

Ob verrostete Rohre, Flaschen oder Plastikmüll – in unseren Gewässern findet sich Müll aller Art wieder.

Ob verrostete Rohre, Flaschen oder Plastikmüll – in unseren Gewässern findet sich Müll aller Art wieder.
Foto: Schuster

Projektleiter Wolfgang Schuster taucht ab um aufzuräumen.

Projektleiter Wolfgang Schuster taucht ab um aufzuräumen.
Foto: Katrin Zempel-Bley

Der Hobbytaucher kann bei seinen Streifzügen unter Wasser unter anderem sehr genau sehen, wo die Menschen gegrillt haben. „Überall dort liegen entlang der Ufer die entsorgten Einweggrills“, die nach Ansicht von Rüdiger Wohlers sofort verboten werden müssten. Damit die Menschen verstehen, was sie sich und der Natur mit ihrem Verhalten antun, wollen die Taucher bewusst an besonders schönen Tagen den Tauchgang vornehmen und den entdeckten Müll vor den Augen der Besucher aufstapeln. So ist es schon in Hannover geschehen und hat für großes Erstaunen gesorgt. Wolfgang Schuster hofft, dass bei dem Anblick der Müllberge das Bewusstsein manch eines Badegastes für das Problem geschärft wird.

Zudem setzt er auf Kinder, die Gewässerkundekurse belegen können. Gemeinsam sammelt er mit ihnen rund um niedersächsische Gewässer Müll ein und erklärt ihnen, warum der extrem schädlich für die Natur ist. „Eine Zigarettenkippe verseucht einen Liter Wasser und bis sie naturalisiert ist, dauert es fünf Jahre. Wir sammeln bei unseren Rundgängen durchaus 200 bis 300 Kippen ein“, erzählt er.

Erschreckend findet der Meereswissenschaftler die Tatsache, dass inzwischen sogar Plastik in Fischen entdeckt wird, die sich sehr weit weg von den Schifffahrtslinien aufhalten. Selbst in Muscheln, die 40 Meter tief im Wasser leben, haben Forscher Plastikbestandteile nachgewiesen. „Es gibt keinen anderen Weg, der Müll muss frühzeitig aus dem System heraus“, fasst Wolfgang Schuster zusammen und hofft mit dem Projekt, viele Menschen für die Thematik zu sensibilisieren.

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