Mit offenen Augen durch Oldenburg: Spaziergang zum Sicherheitsgefühl

Teilnehmerinnen des Stadtspaziergangs „Unterwegs sicher“ erkunden in der Oldenburger Innenstadt Orte, die Unsicherheit auslösen können. Dabei geht es um das persönliche Sicherheitsgefühl und mögliche Verbesserungen im öffentlichen Raum.
Foto: Finn Gohra
„Ich habe gelernt, dass ich nicht ängstlich, aber mit offenen Augen durch die Stadt gehe“, berichtete eine Teilnehmerin des Stadtspaziergangs „Unterwegs sicher“ in Oldenburg. Sie war bereits beim ersten Rundgang durch das Bahnhofsviertel dabei und nahm nun auch am zweiten Spaziergang durch die Innenstadt teil. Rund 90 Minuten lang beschäftigte sich die Gruppe mit Orten, die Unsicherheit auslösen können. Dabei ging es weniger um tatsächliche Gefahren als um persönliche Erfahrungen, Ängste und die Frage, was Menschen brauchen, um sich im öffentlichen Raum sicher zu fühlen.
Organisiert wurde der Rundgang von der Evangelischen Frauenarbeit Oldenburg und der Evangelischen Erwachsenenbildung Niedersachsen (EEB). Begleitet wurde er von Karin Kleinefeld, Innenarchitektin im Ruhestand, und Daniela Schoone, Beauftragte für Kriminalprävention der Polizeiinspektion Oldenburg-Stadt/Ammerland. Die Gruppen umfassen bewusst nur zehn bis 20 Personen, überwiegend Frauen. So bleibt Raum für persönliche Gespräche und unterschiedliche Sichtweisen.
Warum sich Frauen unterschiedlich sicher fühlen
Ältere Frauen verunsichern nach Kleinefelds Erfahrungen häufig dunkle Stellen, Stolperfallen und unübersichtliche Wege. Hinzu komme, dass Seh- und Hörvermögen sowie der Geruchssinn im Alter nachlassen können. Das werde „sehr unterschätzt“. Jüngere Frauen fühlen sich dagegen häufiger durch sexuelle Belästigungen wie Catcalling bedroht. Darunter versteht man unerwünschtes Hinterherpfeifen, anzügliche Bemerkungen oder sexuelle Zurufe. Ältere Frauen fürchten eher Überfälle, Diebstähle oder Gefahren, die sie nicht konkret benennen können.
Wie subjektiv Sicherheit empfunden wird, zeigte bereits der erste Spaziergang im Bahnhofsviertel. Menschengruppen, Tumulte oder Geschrei auf dem Bahnhofsvorplatz lösten bei manchen Teilnehmerinnen Unbehagen aus, während andere dieselben Situationen weniger bedrohlich empfanden. Selbst Überwachungskameras vermitteln einigen Menschen Sicherheit, während andere sich dadurch beobachtet fühlen.
„Es geht darum zu sensibilisieren“, erklärt Kleinefeld. Entscheidend sei die Frage: „Was müsste anders werden, damit ich hier ruhig entlanggehen kann?“ Vor jedem Rundgang legen die Organisatorinnen geeignete Stationen fest. Dort fordert Schoone die Teilnehmerinnen auf, zunächst ihre Gefühle wahrzunehmen. Was fällt positiv oder negativ auf? Welche Rolle spielen Geräusche, Gerüche oder die Gestaltung des Ortes? Fehlende Beleuchtung, Grünpflanzen oder beschädigtes Pflaster können das Sicherheitsgefühl beeinflussen. Konkrete Mängel lassen sich über den Stadtverbesserer der Stadt Oldenburg melden.
Aufmerksamkeit und Zivilcourage stärken
Neben der Wahrnehmung öffentlicher Räume geht es um praktische Sicherheitstipps. Schoone möchte den Frauen zeigen, wie sie durch Aufmerksamkeit, körperliche Präsenz und selbstbewusstes Auftreten handlungsfähig bleiben. Schon beim Abschließen des Fahrrads lohnt es sich, darauf zu achten, wohin man seinen Rücken dreht. Die Polizei empfiehlt außerdem, bei Dunkelheit beleuchtete und belebte Wege zu bevorzugen, die Umgebung im Blick zu behalten und bei Belästigungen gezielt andere Menschen um Hilfe zu bitten.
Wie wichtig gegenseitige Unterstützung sein kann, verdeutlichte Kleinefeld mit einem eigenen Erlebnis. In einem Café stritt ein aggressiver Gast mit einer Mitarbeiterin. Sie stellte sich dazu und signalisierte der Bedienung Solidarität. Das habe geholfen. Oft könne es bereits etwas bewirken, nicht wegzusehen und Unterstützung zu zeigen, ohne sich selbst in Gefahr zu bringen.
Die Idee solcher Rundgänge orientiert sich unter anderem an der internationalen Bewegung „Jane’s Walk“, die auf die Stadtforscherin Jane Jacobs zurückgeht. Kleinefeld hatte bereits im Rahmen des Projekts „Ich mach mich stark für mein Wohnquartier“ Erfahrungen mit vergleichbaren Spaziergängen gesammelt. Christina Reinemann von der EEB und Nicole Dylewski von der Evangelischen Frauenarbeit wollen nun prüfen, ob weitere Angebote gewünscht sind. Auch im Rahmen des Gewaltpräventionsprojekts StoP sind Spaziergänge in anderen Oldenburger Stadtteilen angedacht.
Zum Abschluss tauschten die Teilnehmerinnen ihre Eindrücke und Erlebnisse aus. Als praktische Erinnerung erhielten sie eine Trillerpfeife. Weitere Hinweise für mehr Sicherheit im Alltag gibt die Polizeiinspektion Oldenburg-Stadt/Ammerland auf Anfrage unter praevention@pi-ol.polizei.niedersachsen.de.
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