Oldenburg

Studie über Straßennamen jetzt öffentlich

Die wissenschaftliche Untersuchung über Oldenburger Straßennamen, die die Stadtverwaltung unter Verschluss hielt, ist nun online einzusehen.

Die Hedwig-Heyl-Straße brachte den Stein über Straßennamen in Oldenburg ins Rollen.
Foto: Katrin Zempel-Bley

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Oldenburg/zb/pm – Die wissenschaftliche Untersuchung über Oldenburger Straßennamen ist ab sofort online einzusehen. Vor einer Woche ist sie von Prof. Dr. Dietmar von Reeken von der Universität Oldenburg vorgelegt worden. Allerdings war die Stadtverwaltung nicht bereit, sie zu veröffentlichen (die OOZ berichtete).

Diese Entscheidung hat die vom Rat der Stadt eingesetzte Straßennamen-Kommission in ihrer nichtöffentlichen Sitzung am Donnerstag revidiert. Die wissenschaftliche Arbeit widmet sich der Frage, inwieweit Personen, die in Oldenburg durch Straßennamen geehrt werden, mit dem nationalsozialistischen Regime verstrickt waren.

Es wurden Personen untersucht, die nach 1930 verstorben sind. „Die Grenze des gewählten Untersuchungszeitraums um 1930 begründet sich durch die Annahme, dass Personen, die bis 1930 verstorben sind, weder in der NS-Zeit noch in den letzten Weimarer Jahren, während des Aufstiegs der NSDAP, aktiv zu ihrer Unterstützung beigetragen haben können“, heißt es in dem Bericht. Dabei handelt es sich sowohl um überregional und lokal bedeutsame Personen sowie um Menschen, „die zum Beispiel Grundstücke für Wege oder Straßen zur Verfügung gestellt haben oder Anlieger der Straße waren und dafür mit der Benennung belohnt wurden“, erläutert der Bericht, der 74 Namen auflistet wie beispielsweise Ernst Barlach, Paul von Hindenburg, August Hinrichs, Erich Heckel, Alma Rogge, Carl Uhlhorn oder Carl Wöltje.

Das Gremium kam zu dem Schluss, dass der Aufarbeitungsprozess nicht in erster Linie oder gar ausschließlich der Umbenennung von Straßen in Oldenburg diene. Vielmehr soll die Diskussion um die Benennung von Straßen die Auseinandersetzung mit der jüngeren deutschen Geschichte und der Oldenburger Historie befördern.

Eine konkrete Bewertung der Untersuchungsergebnisse will die Kommission in einer zweiten Sitzung am 9. Januar vornehmen. Die Historiker werden der Kommission weiterhin als Berater zur Verfügung stehen. Das Resultat stellt die Kommission dem Kulturausschuss voraussichtlich im Februar 2014 in öffentlicher Sitzung vor. Hintergrund für den gewählten Zeitraum ist die Maßgabe, der breiten Öffentlichkeit ausreichend Zeit für eine gedankliche Auseinandersetzung mit den wissenschaftlichen Befunden zu geben.

Hierzu richtet die Stadt zudem in der Stadtbibliothek einen Handapparat mit einschlägigen Veröffentlichungen zur Thematik ein. Zusätzlich wird es eine öffentliche Vortragsreihe mit Historikern aus Göttingen, Münster, Paderborn und Oldenburg von Dezember bis März geben.

Mitglieder der Straßennamen-Kommission

Ratsmitglieder Hans-Richard Schwarz (FDP), Christoph Sahm (SPD), Dr. Esther Niewerth-Baumann (CDU), Sinje Eichner (Bündnis 90/Grüne) und Dr. Jens Ilse (Die Linke). Für die Verwaltung nehmen Oberbürgermeister Prof. Dr. Gerd Schwandner, Stadtbaurätin Gabriele Nießen und Kulturamtsleiterin Christiane Cordes teil sowie als Autoren der Studie Prof. Dr. Dietmar von Reeken und Juniorprofessor Malte Thießens.

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