Oldenburg

„Bündnis gegen Rechts“ legt nach

Bis 1940 stand auf der Siegessäule am Friedensplatz in Oldenburg die vergoldete Statue der Siegesgöttin Viktoria. Das Denkmal wurde 1878 für die Gefallenen des Krieges 1870 / 71 errichtet.

Bis 1940 stand auf der Siegessäule am Friedensplatz die vergoldete Statue der Siegesgöttin Viktoria. Das Denkmal wurde 1878 für die Gefallenen des Krieges 1870 / 71 errichtet.
Foto: Anja Michaeli

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Oldenburg/zb – Während sich der Kulturausschuss der Stadt Oldenburg seit 2012 mit Straßennamen befasst, die nach Personen benannt sind, die nach 1930 gestorben sind und in Verdacht stehen, mit den Nationalsozialisten paktiert zu haben, und bislang keine Lösung gefunden hat, wie mit dem Thema umgegangen werden soll, legt das „Bündnis gegen Rechts“ jetzt nach. Es will vom Stadtrat wissen, ob er bereit ist, auch Straßen umzubenennen und Denkmäler umzugestalten, die sich auf Kolonialismus, den Deutsch-Französischen Krieg von 1870/71 und den Ersten Weltkrieg beziehen?

Sprecher Klaus Thörner erinnerte in seiner Einwohnerfrage während der jüngsten Ratssitzung an die Sedan- oder Mars-la-Tour Straße bzw. an die Siegessäule am Friedensplatz. „Sichtbare Zeichen“, findet Thörner, „dass die Stadt noch immer den Sieg im Deutsch-Französischen Krieg von 1870/71 feiert.“ Auch die Namen von Kriegsplanern, Kriegsministern und vorgeblichen Kriegshelden ehre sie mit Straßennamen wie Schlieffen-, Graf-von Spee-, der von- Müller-, Hans-Lodi-, Hindenburg- oder Tirpitzstraße weiterhin. Die Tanga-Straße zeige, „dass sich die Stadt noch immer unkritisch auf den Kolonialismus und eine erfolgreiche Schlacht gegen die Briten in Tansania bezieht.“

Andere Städte wie Münster oder Hannover hätte das Problem längst durch Umbenennung gelöst, argumentierte Thörner und verwies auf den 70. Jahrestag des Endes des Zweiten Weltkrieges, den wir im Mai begehen. „Diesen Jahrestag sollte Oldenburg nutzen, um die Verehrung von Krieg, Kolonialismus und Nationalsozialismus im Oldenburger Straßenbild zu beenden“, meinte er.

Zehn Namen, darunter Hedwig Heyl, Paul von Hindenburg und Felix Wankel, würden derzeit in Frage gestellt, die möglicherweise in Verbindung mit dem Nationalsozialismus stünden, erklärte Oberbürgermeister Jürgen Krogmann, der zugleich Kulturdezernent der Stadt ist. Im März solle im Rahmen von drei Vorträgen öffentlich über sie diskutiert werden. Nach der Sommerpause erwarte der Rat dann einen Vorschlag des Kulturausschusses. Die Verwaltung habe keinen Auftrag, den Ersten Weltkrieg oder die Kolonialzeit unter die Lupe zu nehmen. Außerdem meinte er, „dass Diskussionen wertvoller seien als das Austauschen von Straßenschildern.“

Ratsherr Dr. Jens Ilse von den Linken pflichtete Krogmann insofern bei, als dass er sich gegen bloßes Schilderaustauschen aussprach. „Entscheidend ist das gesellschaftliche Selbstverständnis“, meinte er. Gleichwohl sei Hindenburg nicht mehr vereinbar mit unserem demokratischen Selbstverständnis, sagte er weiter. Auch Heyl habe Rassismus, Nationalismus und völkisches Denken propagiert.

Wie das Problem mit den Straßennamen gelöst wird, sei derzeit offen, erklärte Sinje Eichner von den Grünen. Auf jeden Fall werde es in diesem Herbst zum Abschluss gebracht. Sie warnte jedoch davor, „alles umzubenennen und umzugestalten. „Schilder und Denkmäler sind auch Quellen ihrer Zeit und lassen Schlüsse auf andere Zeiten zu.“ Den Vorschlag des Bündnisses betrachte sie aber auch als wichtigen Impuls.

CDU-Ratsfrau Esther Niewerth-Baumann sprach sich gegen eine Umbenennung aus. Sie sei Schülerin der einstigen Hindenburg-Schule gewesen. Seinerzeit habe jedes Jahr eine Diskussion über den Namensgeber mit den Schülern stattgefunden. Nach der Umbenennung sei das nicht mehr der Fall gewesen. Somit fände – außer im Rahmen des Geschichtsunterrichts – keine Auseinandersetzung mehr mit dieser Person statt, was schade sei.

Eine Aufarbeitung reiche nicht aus, findet Christoph Sahm von der SPD. Deshalb würde auch über Zusätze an Denkmälern und Schildern gesprochen, die die Bürger weitreichender aufklären könnten. „Wir können uns nicht eines Teil unserer Stadtgeschichte entäußern“, meinte Hans-Richard Schwartz von der FDP abschließend. Alles ersatzlos streichen sei nicht der Weg. Vielmehr ginge es um eine angemessene Erinnerungskultur.

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