Häusliche Gewalt in Oldenburg nimmt deutlich zu

Die Oldenburger Männeraktionstage thematisieren Rollenbilder, Verantwortung und Prävention bei häuslicher Gewalt.

Die Oldenburger Männeraktionstage thematisieren Rollenbilder, Verantwortung und Prävention bei häuslicher Gewalt.
Symbolbild: Monkey Business

618 Fälle häuslicher Gewalt hat die Polizei 2025 im Stadtgebiet Oldenburg registriert – 93 mehr als im Vorjahr. Das entspricht einem Anstieg um 17,7 Prozent. Rund um die beiden Männeraktionstage im November richtet das Gleichstellungsbüro deshalb den Blick auf die Rolle von Männern: Wie lässt sich Gewalt verhindern, welche Verantwortung können Männer übernehmen und wo finden Betroffene Hilfe?

Die Entwicklung fällt auch deshalb auf, weil die Gesamtkriminalität in Oldenburg im selben Zeitraum deutlich zurückging. Von den 1.472 registrierten Körperverletzungen standen 415 im Zusammenhang mit häuslicher Gewalt. Die Statistik bildet allerdings nur die Fälle ab, die der Polizei bekannt geworden sind. Wie viele Taten nicht angezeigt werden, lässt sich daraus nicht ableiten.

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Hilfebedarf ist gestiegen

Auch jenseits der Polizeistatistik zeigt sich ein wachsender Unterstützungsbedarf. Nach Angaben der Stadt sind die Fallzahlen in den Oldenburger Beratungsstellen zu geschlechtsspezifischer und häuslicher Gewalt seit 2021 um rund 50 Prozent gestiegen. Zugleich seien die Wartezeiten länger geworden und mehrere Einrichtungen arbeiteten an ihren Kapazitätsgrenzen.

Die Schutzangebote wurden in den vergangenen Jahren erweitert. Neben dem Autonomen Frauenhaus mit anonymer Adresse gibt es inzwischen das Frauen- und Kinderschutzhaus „Hanna“. Es arbeitet mit einem offenen Konzept, bei dem die Adresse bekannt ist, und verfügt über 14 Unterbringungsplätze. Hinzu kommen unter anderem die Koordinierungsstelle Gewaltschutz und das Präventionsangebot „StoP – Stadtteile ohne Partnergewalt“.

Ende September hat der Rat der Stadt die Evaluation und Fortschreibung des „Kommunalen Aktionsplans gegen Gewalt an Frauen* und Häusliche Gewalt“ einstimmig beschlossen. Der Aktionsplan soll bestehende Schutz- und Präventionsangebote weiterentwickeln. Ein Schwerpunkt liegt dabei auch auf Männern im Zusammenhang mit häuslicher Gewalt.

Welche Rolle spielen Männerbilder?

Daran knüpft das Gleichstellungsbüro mit seinen Männeraktionstagen an. Anlass sind der Weltmännertag am Dienstag, 3. November, und der Internationale Männertag am Donnerstag, 19. November.

Am Mittwoch, 11. November, spricht der Psychologe und Männerberater Björn Süfke in der VHS Oldenburg über den Zusammenhang zwischen traditionellen Vorstellungen von Männlichkeit und Gewaltverhalten. Unter dem Titel „Männlichkeit und Gewalthandeln. Wie befördern Rollenstereotype Gewalt und was können wir dagegen tun?“ will er anhand von acht Thesen erläutern, welche Rollenbilder das Risiko von Gewalt gegenüber Mädchen und Frauen, aber auch gegenüber Jungen und Männern erhöhen können.

Der Vortrag beginnt um 18.30 Uhr in der VHS an der Karlstraße 25. Die Teilnahme ist kostenlos, eine Anmeldung über die VHS ist erforderlich.

Täterarbeit und Hilfe für betroffene Männer

Am Internationalen Männertag am 19. November informiert das Gleichstellungsbüro gemeinsam mit dem Verein Konfliktschlichtung Oldenburg von 11 bis 15 Uhr am Lefferseck. Thema sind die Täterarbeit in Oldenburg sowie Unterstützungs- und Hilfsangebote für Männer, die selbst von häuslicher Gewalt betroffen sind.

Um 11.45 Uhr soll vor dem Cupido eine orangefarbene Bank mit der Aufschrift „kein Platz für Gewalt an Frauen und Mädchen“ aufgestellt werden. Ab 11.55 Uhr sind Männer dazu aufgerufen, sich schweigend um die freibleibende Bank zu stellen. Nach fünf Minuten endet die Aktion mit dem Glockenschlag der Lambertikirche um 12 Uhr.

Begleitet werden die Veranstaltungen von einer Social-Media-Kampagne der Stadt unter dem Motto „Nicht wegschauen. Nicht schweigen. Grenzen respektieren.“

Sicherheit betrifft auch das eigene Zuhause

In der OOZ-Serie zur Sicherheit in Oldenburg erweitert häusliche Gewalt den Blick über Straßen, Plätze und öffentliche Räume hinaus. Die Kriminalstatistik zeigt für 2025 insgesamt weniger Straftaten in der Stadt. Gleichzeitig nahm eine Form der Gewalt deutlich zu, die häufig im privaten Umfeld stattfindet und für Außenstehende kaum sichtbar ist.

Die Frage, wie sicher eine Stadt ist, entscheidet sich deshalb nicht allein an Polizeipräsenz, Beleuchtung oder Videoüberwachung. Sie betrifft ebenso den Schutz im eigenen Zuhause, erreichbare Hilfsangebote und die Prävention von Gewalt.

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