Oldenburg

Razzia im Café Caro – 80 Beamte im Einsatz

Das Café Caro an der Heiligengeiststraße in Oldenburg.

Das Café Caro an der Heiligengeiststraße.
Foto: Anja Michaeli

Oldenburg (am) Gestern fand eine Razzia im Café Caro, eine Anlaufstelle der Drogenberatungsstelle „Rose12“, an der Heiligengeiststraße statt. Es waren 80 Polizisten am Einsatz beteiligt. Als Grund für die Maßnahme wurden Prävention und anonyme Hinweise auf Drogenhandel genannt. Wir sprachen mit Wilfried Wigbers, Leiter der Fachstelle für Sucht und Suchtprävention „Rose12“.

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Gegen 17.10 Uhr betraten die Beamten das Café. Von den anwesenden 23 Personen wurden sieben zur Feststellung der Personalien zur Wache am Friedhofsweg gebracht. Bei der Durchsuchung der Räume mit Rauschgiftspürhunden fanden die Polizisten kleine Einheiten Heroin, Substitute, Speed, Ecstasy, Haschisch, Marihuana und Benzodiazepine, wie der Polizeisprecher Stephan Klatte berichtet. Einer der Beschuldigten versuchte, Drogen in der Toilette herunterzuspülen. Vor Ort waren Beamte des Kriminaldienstes, der Verfügungseinheit, der Bereitschaftspolizei, Diensthundeführer und ein Vertreter der Staatsanwaltschaft.

Fachkommissariat sammelte seit Monaten Hinweise

Wie die Polizei mitteilt, sammelt das für Drogendelikte zuständige Fachkommissariat seit Monaten Hinweise, dass im Café Caro mit Betäubungsmittel gehandelt werde. Die Razzia habe ein präventives Ziel gehabt, denn der eigentliche Zweck der Einrichtung – als Treffpunkt und Anlaufstelle – solle wieder in den Vordergrund gerückt werden, so der Polizeisprecher. Im Ergebnis der Razzia wurden sieben Anzeigen wegen Verstoß gegen das Betäubungsmittelgesetz erlassen, zwei wegen Verstoß gegen das Arzneimittelgesetz, eine Ordnungswidrigkeit wegen der Verweigerung der Personalien und einer Fundunterschlagung. Nach der erkennungsdienstlichen Behandlung wurden die Festgenommenen wieder entlassen.

Verwunderung über massiven Polizeieinsatz

Der Einrichtungsleiter der „Rose12“, Wilfried Wigbers, wundert sich heute über den sehr massiven Polizeieinsatz. Nach seiner Meinung, sei es nicht ganz verhältnismäßig gelaufen. „Während der Duft von Braten durch die Räume zog und sich die Besucher auf eine Mahlzeit freuten, stürmte die bewaffnete Polizei die Anlaufstelle der Drogenhilfe“, berichtet Wigbers, der sich nach einem Anruf auf den Weg in das Café Caro gemacht hatte. Seine Kollegen, ein festangestellter Sozialarbeiter und zwei Ehrenamtliche, hätten mit den Händen auf dem Tresen abwarten müssen. Eine Toilettentüre sei eingetreten worden. Essen habe es an dem Tag nicht mehr gegeben. „Wenn ich richtig informiert bin, wurde der Drogenhund nicht fündig. In der Toilette wurden geringe Mittel an Heroin und Haschisch entdeckt. Das rechtfertigt nicht den Aufwand“, urteilt Wigbers. Und natürlich sei es logisch, dass die Menschen, die eine Anlaufstelle für Drogenabhängige aufsuchen, auch schon mal Drogen dabei hätten.

„Ich glaube schon, dass die Polizei es akzeptiert, dass hier ein geschützter Raum für Drogenabhängige ist. Wir kümmern uns deutlich darum, dass hier keine offene Szene entsteht und reagieren bei Verstößen zum Beispiel mit Hausverboten. Aber an manchen Tagen kommen 30 Leute und mehr zu uns, dann können die Mitarbeiter nicht alles mitbekommen“, sagt Wigbers. Mit dem Träger der Beratungsstelle, der Stadtverwaltung und anderen Beteiligten müsse jetzt in Ruhe gesprochen werden, um Konsequenzen aus der Razzia zu ziehen.

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