Osternburg

Erhalt der Cäcilienbrücke möglich aber teuer

Die denkmalgeschützte Oldenburger Cäcilienbrücke ist marode, könnte kostspielig saniert oder durch einen kostengünstigeren Neubau ersetzt werden.

Die denkmalgeschützte Oldenburger Cäcilienbrücke ist marode, könnte kostspielig saniert oder durch einen kostengünstigeren Neubau ersetzt werden.
Foto: Anja Michaeli

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Oldenburg (zb) – Als die Oldenburger im vergangenen Jahr erfuhren, dass die 41 Meter lange, 87 Jahre alte und unter Denkmalschutz stehende Cäcilienbrücke marode ist und durch eine neue Brücke ersetzt werden muss, waren viele von ihnen entsetzt. Daraufhin wurde von den Oldenburger Ingenieuren Günter Baak und Heino Brick sowie dem Architekten Gregor Angelis eine Alternativlösung präsentiert, die die Oldenburger mobilisierte. Selbst der Rat verabschiedete eine einstimmige Resolution, wonach der Vorschlag der drei Ideengeber berücksichtigt werden sollte.

Die vom Wasser- und Schifffahrtsamt Bremen (WSA) beauftragten Gutachter haben heute im Verkehrsausschuss ihre Untersuchungsergebnisse zum Teil-Erhalt der Cäcilienbrücke vorgestellt. Demnach ist ein Teil-Erhalt grundsätzlich möglich, allerdings mit vielen Unsicherheiten und finanziellen Risiken verbunden. Unabhängig davon würde der Erhalt und die damit verbundene Sanierung der Brücke rund 7,7 Millionen Euro und somit 1,9 Millionen Euro mehr kosten als ein Neubau, erklärte Dr. Hans Schippke vom Ingenieurbüro Schippke & Partner, Hannover. Die jährlichen Unterhaltungskosten würden bei dem Teilerhalt 70.000 Euro und bei einem Neubau 50.000 Euro betragen. Das Büro wurde für den Bereich der Gründung durch die Ingenieurgesellschaft IMS aus Hamburg und für den Bereich der Mauerwerkstürme durch die Ingenieurberatung Bröggelhoff aus Oldenburg unterstützt.

Als Vergleichsvariante haben die Gutachter einen 1:1 Ersatz mit einem möglichst originalgetreuen Wiederaufbau untersucht. Hierbei entspricht die Außenansicht der Hubtürme der des bestehenden Bauwerkes. Sie wird aus gutachterlicher Sicht als sichere und kostengünstige Lösung mit einer 80-jährigen Lebensdauer eingestuft, die dem neuesten Stand der Technik entspricht. Die Lebensdauer des alten Überbaus würde sich dagegen nicht durch die Sanierung und Ertüchtigung verlängern. „Wir haben es weiterhin mit einer alten Brücke zu tun“, erklärte Schippke.

Außerdem machte er darauf aufmerksam, dass es bezüglich des Bauzustandes noch viele offene Fragen geben würde. Deshalb wären noch zahlreiche Voruntersuchungen notwendig. Gleichwohl seien nicht kalkulierbare Nachtragsforderungen von beauftragten Baufirmen vorprogrammiert, gab er zu bedenken.

Das WSA Bremen hat den drei Ideengebern zur Teil-Erhalt-Lösung Gelegenheit gegeben, ihre Überlegungen schon zu Beginn der gutachterlichen Bearbeitung detailliert einzubringen. Während der weiteren Bearbeitungsphasen wurden sie über erste Zwischenergebnisse der Untersuchung informiert, und es erfolgte ein intensiver fachlicher Austausch.

Die drei Ideengeber schlugen vor, die Antriebstechnik aus den Mauerwerkstürmen herauszunehmen und im Maschinenkeller, der hierzu zwischen den Mauerwerkstürmen neu hergestellt wird, einzubauen, um so einen Abriss der Brücke zu verhindern. Gleichzeitig soll die Antriebstechnik, die den Überbau bisher mittels Gegengewichten und Triebstöcken anhebt und absenkt, durch einen hydraulischen Antrieb ersetzt werden. Um auch den Brückenüberbau mit der neuen Antriebstechnik verwenden zu können, muss er umgebaut und saniert werden. Mit Hilfe dieser baulichen Maßnahmen sollen die Brückentürme entlastet und der dauerhafte Erhalt der Brückentürme erreicht werden.

Gegenwärtig wird die Brücke durch 60 Tonnen-Gewichte über Zahnräder und Antriebsstangen in den einzelnen Türmen gehoben und gesenkt. Dieser Antriebsmechanismus mit den vier Stahlseilen, die über große Rollen im oberen Geschoß der Brückentürme zu den im Inneren der Türme befindlichen Gegengewichten von zusammen 240 Tonnen laufen, ist größtenteils noch im ursprünglichen Zustand.

Nachdem nunmehr der Entwurf des Gutachtens vorliegt, können die Ideengeber dazu Stellung beziehen. „Erst danach, nämlich Ende Januar 2015, wird das WSA Bremen über die weiteren Schritte entscheiden“, kündigte Dr. Torsten Stengel, Leiter des WSA, an. „Dann können wir die Lösungen sowie die voraussichtlichen Kosten gegenüberstellen.“

Der Rat der Stadt Oldenburg hat nicht über die Zukunft der Brücke zu entscheiden. Das ist allein Sache des WSA, also einer Bundesbehörde. Als einige Ausschussmitglieder bereits gleich nach der Vorstellung der beiden Varianten ihre Ansicht mitteilten, gab Ausschussvorsitzender Christoph Sahm (SPD) den klaren Hinweis: „Es ist nicht unser Geld, das hier ausgegeben wird.“

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3 Kommentare

  1. Michael Reins
    8. Dezember 2014 um 21.07

    Das es nicht auch unser Geld ist, ist wohl ein großer Irrtum.
    Abgesehen davon steht die Brücke unter Denkmalschutz und wäre demnach so zu sanieren, dass das alte Bild erhalten bleibt – oder ist es jetzt grundsätzlich egal? Wer sich ein Gebäude kauft das unter Denkmalschutz steht, muß auch investieren um es im „Originalzustand“ zu erhalten. Und hier will man aus „Kostengründen“ mit einem Neubau aufwarten, der vermutlich so hässlich sein wird wie die neue Amalienbrücke…

    Das es Nachforderungen von Bauunternehmen geben würde, ist ja bei Aufträgen des Bundes nichts wirklich neues; das liegt aber wohl eher daran, die die Kalkulationen der Planer nichts mit der Wirklichkeit zu tun haben. Beispiele dafür gibt es ja in ausreichender Zahl.
    Die Kosten die hier genannt werden, sollen bloß schon mal zeigen, das man unbedingt eine neue Brücke bauen möchte – auch wenn man eines der letzten Wahrzeichen Oldenburgs entfernt.

    Völlig irre das ganze.

  2. Ed Kognito
    15. Februar 2015 um 22.34
    • Michael Reins
      17. Februar 2015 um 11.16

      Sehr gelungenes Video. Gefällt mir.