Kultur

Oldenburger Jahrbuch mit 16 interessanten Aufsätzen

Stellten das Oldenburger Jahrbuch vor: Vorsitzender Reinhard Rittner, Gabriele Mesc, LzO-Stiftung, Helmut Müller, 2. Vorsitzender, Torben Koopmann, Schriftführer, Florian Isensee, Verleger, und Dr. Jörgen Welp von der Oldenburgischen Landschaft.

Stellten das Oldenburger Jahrbuch vor (von links): Vorsitzender Reinhard Rittner, Gabriele Mesc, LzO-Stiftung, Helmut Müller, 2. Vorsitzender, Torben Koopmann, Schriftführer, Florian Isensee, Verleger, und Dr. Jörgen Welp von der Oldenburgischen Landschaft.
Foto: Katrin Zempel-Bley

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Oldenburg (zb) – 16 thematisch sehr unterschiedliche und interessante Aufsätze enthält das soeben erschienene Oldenburger Jahrbuch Band 114, herausgegeben vom Oldenburger Landesverein für Geschichte, Natur- und Heimatkunde.

Im Geschichtsteil wird u.a. über das Langwarder Flutdenkmal berichtet. Dietrich Hagen befasst sich mit der großen Tafel, die über der Seitenempore in der St. Laurentius-Kirche in Langwarden in der Wesermarsch hängt und an ein Epitaph erinnert. Über dem Text entdeckt man ein schmales Bild, das sich über die gesamte Breite erstreckt und das Wurtdorf Langwarden umgeben von Wasser zeigt.

Der Autor befasst sich mit „Sprachkunst, Geschichte und Theologie auf dem Flutdenkmal“. So ist im Jahrbuch u.a. der gesamte Wortlaut der Tafel abgedruckt, der wie Hagen betont, „im nüchternen Berichtsstil gehalten ist.“ Für ihn kommen als Urheber des Textes zwei Pastoren der Langwarder Kirche zwischen 1717 und 1725 in Frage. Denn der Autor war schriftkundig, theologisch vorgebildet und lässt lateinische Vokabeln einfließen.

Die Tafel ist nicht nur sehr hoch aufgehängt und deshalb schwer lesbar, es ist auch die 300 Jahre alte Sprache, die es Interessierten fast unmöglich macht, die Sätze zu lesen. Dennoch handelt es sich bei dem Flutdenkmal laut Hagen um ein landes- wie theologiegeschichtliches Denkmal, das durchaus eine Besonderheit darstellt. „Es führt dem Leser seine zweifache existenzielle Bedrohung vor Augen. Viele haben ihren Besitz, 100.000 das Leben verloren. Als Überlebende werden sie nun an die Defizite ihres geistlichen Lebens erinnert. Eine solche Sorge, die heute angesichts einer Sturmflut auch den religiösen Menschen kaum mehr erschrecken wird, war für seinen barocken Vorfahren noch sehr real“, schriebt Hagen.

Interessant ist auch der Beitrag von Ruth Steinberg, die in ihrem Aufsatz „Emil Roland: Unsre lieben Lieutnants (1888)“ über einen Literaturskandal im ausgehenden 19. Jahrhundert berichtet. Das Buch versetzte die oberen Gesellschaftskreise der Residenz- und Garnisonsstadt Oldenburg und darüber hinaus 1889 in große Aufregung. Bei dem Buch handelte es sich um satirische Prosatexte, die bekannte Offiziere der städtischen Garnison aufspießen. „Dieser in der kaiserlichen Armee vielfach vertretene Leutnant sei eine schablonenhafte Null, langweilig, trivial, indifferent und pedantisch im Denken“, zitiert Steinberg das Buch.

Obwohl die Empörung groß war, wollte jeder das Buch haben, weshalb es schnell vergriffen und neu aufgelegt werden musste. Tatsächlich verbarg sich hinter dem Buch nicht Emil Roland sondern Emmi Jansen, eine junge und gebildete Frau aus bestem Haus, die sich in den von ihr beschriebenen Kreisen bestens auskannte. Eine Freundin, der sie sich anvertraut hatte, plauderte das Geheimnis, wer sich wirklich hinter Emil Roland verbarg, aus. Ihr Vater, der Jurist Günther Jansen, arbeitete in der Hof- und Privatkanzlei von Nikolaus Friedrich Peter. Später wechselte er als Staatsminister ins Staatsministerium. Als herauskam, dass seine Tochter hinter dem Buch steckte, bat Jansen dem Großherzog seinen Rücktritt an, doch dazu kam es nicht. „Lieber Jansen, wir haben beide Kummer mit unseren Kindern, wir wollen ihn gemeinsam tragen“, soll der Großherzog ihm geantwortet haben.

Der zweite Teil des Jahrbuchs widmet sich der Kunstgeschichte und behandelt neben zwei Gemälden und der Fotografie der neuen Sachlichkeit den Oldenburger Schlossgarten anlässlich seines 200-jährigen Jubiläums. In der Archäologie kann man über eine Grabung im Bereich der Bokeler Burg bei Wiefelstede nachlesen. Die Naturkunde beschäftigt sich mit der Laufkäferfauna im Schlossgarten und mit dem Rainfarn als regionaltypischer Pflanze. Schließlich erfährt der Leser in Peter-René Beckers Aufsatz Spannendes über „Die Haare des ‚Kranichs‘“, dem Lieblingspferd von Graf Anton Günther. Kranich soll in der Zuchtstätte Vorwerk Weyhausen im Landkreis Wesermarsch gezüchtet worden sein und ist bekannt für seine angeblich über vier Meter lange Mähne.

Im Oldenburger Landesmuseum für Natur und Mensch ist ein ordentliches Bündel Haare, die eben von Kranich stammen sollen, aufbewahrt. In der Sonderausstellung „PferdeGeschichten“ wurden sie präsentiert. Doch worum handelt es sich bei den Haaren – um Mähnen- oder Schweifhaare? Zehn einzelne Haare wurden dem Bündel entnommen und an das Institute für Animal Breeding and Genetics der Tierärztlichen Hochschule Hannover geschickt. Demnach ist von Schweifhaaren auszugehen.

Das Jahrbuch beinhaltet zudem 22 Rezensionen, Hinweise zur Oldenburgischen Bibliographie und der Jahresbericht des Oldenburger Landesvereins. Es ist im Isensee Verlag erschienen (ISBN 978-3-7308-1127-6), umfasst 284 Seiten, 62 farbige und 59 schwarz-weiße Abbildungen und kostet 24,80 Euro.

Weitere Informationen unter www.oldenburger-landesverein.de.

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