Wohnen, Finanzen, Bildung: Darum geht es bei der OB-Wahl

Am 13. September ist die OB-Wahl in Oldenburg.
Foto: Finn Gohra
Acht Bewerber/innen um das OB-Amt haben der OOZ ihre wichtigsten Wahlkampfthemen genannt. Die Direktwahl findet in Oldenburg am 13. September statt. Die Antworten zeigen, welche Aufgaben sie besonders dringlich finden und wo sie Schwerpunkte setzen. Grundlage ist eine schriftliche Befragung, während Michael Stille für die Redaktion nicht erreichbar war.
Auf den ersten Blick liegen einige Positionen nah beieinander. Wohnen, Bildung und die städtischen Finanzen ziehen sich durch mehrere Antworten. Bei den Lösungsansätzen und weiteren Prioritäten treten jedoch deutliche Unterschiede hervor.
Wohnen beschäftigt viele Kandidat/innen
Holger Martin Wilkens nennt bezahlbaren Wohnraum neben Haushalt, Infrastruktur sowie Kita- und Schulplätzen. Ralf Butzin setzt den Wohnungsbau an die Spitze seiner drei knapp genannten Schwerpunkte.
Ulf Prange verbindet bezahlbares Wohnen mit Stadtentwicklung. Er fordert schnelleres und günstigeres Bauen sowie eine stärkere Nutzung von Leerständen. Heike Boldt verlangt mehr kommunalen und gemeinwohlorientierten Wohnungsbau. Dazu kommen für sie Barrierefreiheit und klimaneutrales Wohnen.
Auch Jascha Rohr nimmt bezahlbares Wohnen in seinen Schwerpunkt Nachhaltigkeit auf. Sebastian Fröhlich nennt die Ausweisung von Wohnraum im Zusammenhang mit einer stärkeren Wirtschaftsförderung und zusätzlichen Gewerbeflächen.
Finanzen und Wirtschaft rücken nach vorn
Wilkens stellt den Haushalt an erste Stelle. Seine Antwort nennt noch ein Defizit von rund 90 Millionen Euro für 2026. Der inzwischen beschlossene und genehmigte Kernhaushalt weist ein planerisches Minus von rund 69 Millionen Euro aus.
Yakup Castur verbindet die Haushaltslage mit wirtschaftlichem Aufschwung und der Teilhabe aller Bevölkerungsgruppen. Butzin führt den Haushalt neben Wohnungsbau und Bildung auf, ohne seine drei Punkte weiter auszuführen.
Rohr setzt ebenfalls auf solide Finanzen und einen stärkeren Wirtschaftsstandort. Handwerk, Mittelstand und Gründer/innen sollen aus seiner Sicht bessere Bedingungen erhalten. Zugleich will er die Innenstadt stärker in den Fokus rücken.
Fröhlich macht Haushalt und Finanzen zu seinem ersten Schwerpunkt. Konsolidierungsmöglichkeiten sieht er besonders bei städtischen Eigenbetrieben, Gesellschaften und Verwaltungsabläufen. Als zweites großes Feld nennt er die Wirtschaftsförderung. Innovative Unternehmen, Gründungen und der Transfer aus der universitären Forschung sollen den Standort stärken.
Bildung und die nächste Generation
Prange fordert gute Kitas und Schulen, verlässliche Betreuung sowie bessere Bildungschancen unabhängig von Herkunft oder sozialem Umfeld. Wilkens sieht ausreichende Kita- und Schulplätze als Voraussetzung dafür, dass Familien in Oldenburg bleiben können.
Für Butzin gehört Bildung zu seinen drei wichtigsten Themen. Rohr zählt gute Bildung ebenfalls zu einer nachhaltigen Stadtentwicklung.
Byanca Küßner setzt einen anderen Akzent. Als Lehrerin nennt sie Demokratiebildung und eine stärkere Beteiligung junger Menschen. „Wir reden viel über Jugendliche und junge Menschen und darüber, was sie brauchen. Ich möchte stärker mit ihnen reden“, schreibt sie. Entscheidungen sollen für Bürger/innen zudem verständlicher und transparenter werden.
Beteiligung, Mobilität und Gesundheit
Zusammenarbeit steht bei Rohr an erster Stelle. Verwaltung, Politik und Bürgerschaft sollen aus seiner Sicht enger zusammenarbeiten. Er fordert mehr Transparenz bei Entscheidungen sowie einen neuen Führungsstil im Rathaus.
Castur setzt ebenfalls auf Teilhabe und will alle Bevölkerungsgruppen einbeziehen. Prange stellt den gesellschaftlichen Zusammenhalt heraus und verbindet ihn mit Kultur, Sport, Ehrenamt und einer modernen Verwaltung.
Boldt ergänzt die Debatte um Mobilität und Gesundheit. Sie fordert ein dichtes und verlässliches Busnetz sowie kommunale Gesundheitszentren in den Stadtteilen. Beide Bereiche versteht sie als öffentliche Daseinsvorsorge.
Fröhlich fasst seinen dritten Schwerpunkt unter „Stadt der Zukunft“ zusammen. Digitalisierung, Innovation und Veränderungsbereitschaft sollen nach seiner Vorstellung stärker zum Maßstab kommunaler Entscheidungen werden.
Drei große Schnittmengen
Mit den acht Antworten wird deutlicher, welche Themen den Wahlkampf prägen. Wohnen beziehungsweise Wohnraum taucht bei sechs Kandidat/innen auf. Finanzen oder Haushalt nennen fünf Bewerber/innen ausdrücklich, ebenso spielen Bildung, Kita, Schule oder die Belange junger Menschen bei fünf Antworten eine Rolle.
Eine weitere Schnittmenge liegt bei Verwaltung und Beteiligung. Rohr, Küßner, Castur, Prange und Fröhlich setzen in unterschiedlicher Form auf bessere Zusammenarbeit, transparentere Entscheidungen oder effizientere Abläufe.
Daneben bleiben klare eigene Akzente. Boldt hebt Gesundheit und öffentlichen Nahverkehr hervor, Castur wirtschaftlichen Aufschwung und Teilhabe, Küßner Demokratiebildung und Jugendbeteiligung. Rohr verbindet Wirtschaft mit Nachhaltigkeit und Zusammenarbeit, während Fröhlich Digitalisierung und Innovation stärker gewichtet.
Damit kristallisieren sich drei große Themenblöcke heraus: bezahlbares und ausreichendes Wohnen, die finanzielle Handlungsfähigkeit der Stadt sowie Bildung und die Perspektiven der nächsten Generation. Bei den Zielen gibt es viele Überschneidungen. Wie Oldenburg diese Ziele erreichen soll, bleibt die entscheidende politische Trennlinie.
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