Oldenburg

Großleitstelle: Weniger Bagatellfälle, mehr Sturmeinsätze

Rund um die Uhr nehmen die Mitarbeiter der Großleitstelle Oldenburg die Notrufe entgegen.

Rund um die Uhr nehmen die Mitarbeiter der Großleitstelle die Notrufe entgegen.
Foto: Klaus von Frieling, www.skverlag.de

Oldenburg (am) In der Großleitstelle Oldenburger Land (GOL) wurden im vergangenen Jahr die Hilfeersuchen und Notrufe von 249.576 Bürgern (2016: 259.763) entgegengenommen, beantwortet und koordiniert. Die Notarzt- und Notfallrettungseinsätze schlagen mit 70.350 (2016: 71.235) im vergangenen Jahr zu Buche, 44.031 Krankentransporte (2016: 45.014) mussten organisiert werden. Den größten Anstieg weisen die Brand- und Hilfeleistungseinsätze mit 8.540 (2016: 6.076) auf. Als Grund für den Anstieg werden die vier schweren Stürme – allen voran „Xavier“ – gesehen, die 2017 mit einem Plus von geschätzten 2000 Unwettereinsätzen verzeichnet wurden. „Dieses Thema wird uns in den kommenden Jahren sicher stark begleiten“, vermutet Frank Leenderts, Chef der Großleitstelle.

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„Sonstige Einsätze“, Hilfeersuchen ohne Blaulichteinsatz – darunter Bagatellanrufe wegen beispielsweise Erkältungen, umgefallen Farbeimern oder abgelaufenen Reisepässen – sind auf 126.655 Anrufe (2016: 137.438) zurückgegangen. „Das sind immer noch eine ganze Menge“, so Leenderts, er sei aber froh, dass die Bürger für die nicht richtig adressierten Anrufe sensibilisiert werden konnten.

IVENA MANV

Im vergangenen Jahr wurde das Onlinesystem IVENA (Interdisziplinärer Versorgungsnachweis) vorgestellt. Es dient der Voranmeldung von Patienten in den 13 Krankenhäusern im Bereich der GOL. Jetzt nutzt die Großleitstelle Oldenburger Land als erste Leitstelle in Niedersachsen die Erweiterung IVENA MANV für die Patientenanmeldung bei einer Großschadenslage mit vielen Verletzten. Bei einem schweren Busunfall im November in der Wesermarsch kam das System zum Einsatz. Alle Krankenhäuser wurden direkt von der Einsatzstelle aus informiert und alarmiert, Personal-, Raum- und Aufnahmekapazitäten können schnell angepasst beziehungsweise übermittelt werden und Nachrichten ausgetauscht werden. „Das war eine große Hilfe“, sagt Jan Hoffmann, Betriebsleiter im Eigenbetrieb Rettungsdienst Wesermarsch. „Unsere Krankenhäuser waren schon vorbereitet, bevor die ersten Patienten ankamen.“ Seit dem Start im April wurde IVENA MANV bereits bei 15 Einsätzen genutzt. „IVENA hat sich etabliert und wird zukünftig in ganz Niedersachsen genutzt werden“, so Leenderts.

Projekt „Erleben“

Im Herbst wurde das Projekt „Erleben“ gestartet. Das Ziel ist die Erhöhung der Überlebensrate nach einem Herzstillstand. Projektpartner sind die an der GOL beteiligten Kommunen und der Landkreis Vechta. Mit Hilfe einer Smartphone-App sollen bis zu drei in Erste-Hilfe geschulten Ersthelfer oder professionellen „Retter“ parallel zum Rettungsdienst alarmiert werden, wenn es in ihrer Nähe zu einem Herz-Kreislauf-Stillstand kommt. Denn dann kommt es auf die schnelle Hilfe an.

Die Überlebenswahrscheinlichkeit senkt sich jede Minute um zehn Prozent, wenn nicht mit der Reanimation begonnen wird. Mit einer Überlebensquote von sechs bis zehn Prozent liegt Deutschland weit hinter skandinavischen Ländern mit 30 bis 40 Prozent weit zurück. Bisher haben sich 1 335 qualifizierte Helfer angemeldet. Von 75 Alarmierungen konnten bei 28 Einsätzen die Ersthelfer bereits aktiv tätig werden. Mehr Informationen gibt es unter www.projekt-erleben.de.

„Wo genau ist der Einsatzort?“

Das sei in Zeiten von Navigationsprogrammen oft eine schwierige Frage, wissen die GOL-Mitarbeiter. Die Leitstelle hat dafür eine Software entwickeln lassen, die dem Hilfesuchenden eine SMS schickt. Akzeptiert der Anrufende die Übertragung der Standortdaten kann er geortet werden. Der Hilfeersuchende muss den Link im Anhang der SMS bestätigen, dann wird der Browser im Mobiltelefon geöffnet und der Standort direkt übermittelt. Zwingende Voraussetzung dafür ist jedoch die Nutzung der „Mobilen Daten“ und die Aktivierung der „Ortungsdienste“.

„Die Notrufzentrale“

Die Großleitstelle Oldenburger Land beteiligt sich an der zweiten Staffel der VOX-TV Produktion „Die Notrufzentrale“ (montags, 22.15 Uhr). Ein Filmteam wird an vier Drehtagen die Arbeit von acht Mitarbeitern in der Leitstelle aufnehmen und hinter die Kulissen schauen. „Bei den Dreharbeiten werden selbstverständlich alle datenschutzrechtlichen Aspekte gewahrt“, betont Leenderts. Die Sendetermine stehen zurzeit noch nicht fest.

Großleitstelle Oldenburger Land

Die Großleitstelle Oldenburger Land ist für die Landkreise Ammerland, Cloppenburg, Oldenburg und Wesermarsch sowie für die kreisfreien Städte Delmenhorst und Oldenburg die zuständige Feuerwehr- und Rettungsleitstelle. Sie hat ihren Sitz auf dem Gelände der Polizeiinspektion Oldenburg im Friedhofsweg. Auf einer Fläche von zirka 4.200 Quadratkilometer werden die Notrufe und Hilfeersuchen aus den Bereichen Brandschutz, Hilfeleistungen, Rettungsdienst und Krankentransport für über 735.000 Bürger bearbeitet. Die aus den Notrufen resultierende Anzahl von jährlich zirka 250.000 Ereignissen wird durch die Leitstelle disponiert und von 30 Rettungs- und 155 Feuerwachen mit insgesamt über 2000 verschiedenen Fahrzeugen durchgeführt. In der Großleitstelle arbeiten 54 Mitarbeiter rund um die Uhr.

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