Oldenburg

„Gewaltfrei Lernen“: Selbstbewusst und schlagfertig

Sibylle Wanders stärkt Schüler einer Oldenburger Grundschule bei der gewaltfreien Bewältigung von Konflikten.

Sibylle Wanders stärkt Schüler bei der gewaltfreien Bewältigung von Konflikten.
Foto: Katrin Zempel-Bley

Oldenburg (zb) Gemeinheiten, Beleidigungen, Wutausbrüche oder auch mal körperliche Schikanen sind in Schulen durchaus an der Tagesordnung. Allerdings beeinträchtigen sie eine gute Lernatmosphäre und konzentriertes Lernen. Der Verein „Gewaltfrei Lernen“ macht sich stark dafür, Schülern praktische Hilfen an die Hand zu geben, wie man sich sowohl vor verbaler als auch körperlicher Gewalt schützen kann. In dieser Woche ist er zu Gast an der Oldenburger Grundschule Nadorst, wo 21 Schüler einer 4. Klasse in der Turnhalle gespannt auf Sibylle Wanders warten.

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Die Diplomsportlehrerin legt sofort los, bittet die Kinder einen Kreis zu bilden, den Oberkörper in die Höhe zu recken, dabei stärkende Sätze zu sprechen, um sich schließlich zu zweit zusammen zu tun und Holzstäbe zu balancieren. Fällt der Stab hin, gibt es keine Schadenfreude, niemand zeigt auf den anderen. Hier dürfen Fehler gemacht werden, um aus ihnen zu lernen und den anderen mit seinen Fehlern zu akzeptieren. In einem Rollenspiel beleidigt Sibylle Wanders die Kinder, so wie es im Alltag durchaus üblich ist und zeigt ihnen, wie sie damit umgehen sollen.

„Cool bleiben, lasst euch nicht provozieren, sondern zeigt Haltung und signalisiert dem anderen, du kannst mich nicht ärgern“, rät sie den Schülern, die es sofort in Form eines Rollenspiels umsetzen. „Ich hätte gern, dass ihr ein bisschen stolzer geht“, merkt sie an und beim nächsten Versuch sieht das schon viel besser aus.

Das pädagogische Konzept „Gewaltfrei Lernen“ hat sie zur Bildungsförderung von Kindern entwickelt. Durch ganzheitliche Entwicklungsförderung sollen sie starke Persönlichkeiten werden und sich bewusst machen, dass sie dazu auch den Körper, die Stimme, die Augen einsetzen können und so ihrem Gegenüber Respekt abverlangen. Ganz bewusst zeigt Sibylle Wanders auch viele Übungen, bei denen die Kinder sich anfassen, um ein Gefühl für den anderen zu bekommen.

„Wir helfen Schulen dabei, ihr Sozialkonzept zu erweitern“, sagt Sibylle Wanders. „Konkret geht es um einen guten sozialen Umgang miteinander und eine positive Lernatmosphäre.“ Ermöglicht hat das die EWE Stiftung, die erstmals dieses Sozialtraining in fünf Schulen des Oldenburger Landes unterstützt. „Erziehung und Bildung gehören auch zu unseren Förderbereichen“, sagt Dr. Stephanie Abke, Leiterin der EWE Stiftung. „Dieses Projekt dient dazu, Kinder stark und selbstbewusst zu machen, denn genau daran haben wir großes Interesse.“

Ebenso wie die Grundschule Nadorst am Eßkamp. Schulleiterin Sabine Stehno freut sich über das Projekt, an dem übrigens auch Eltern und Lehrer beteiligt sind. Eltern erhalten wertvolle Tipps und Erziehungshilfen, um ihre Kinder bei der Bewältigung von Konflikten zu unterstützen. „Wir alle werden in der Basisschulung für das Thema sensibilisiert und durch Rollenspiele geschult. Zudem erhalten die Lehrkräfte Fortbildungen, damit das Vermittelte nach dem Training in der ganzen Schule und auf dem Schulhof gelebt wird“, berichtet Sabine Stehno.

„Gewaltfrei lernen, damit Bildung ankommt“, ist unser Ziel, sagt Sibylle Wanders. Um die erlangten Handlungskompetenzen zu festigen, werden die Übungen später von den Lehrkräften wiederholt. Parallel dazu werden Gespräche mit individuellen Schwerpunkten geführt, um einen guten Umgang miteinander zu entwickeln und aufkeimende Konflikte schnell und sozial lösen zu können. Gewaltfrei Lernen wird also direkt in das Schulkonzept und in den alltäglichen Unterricht eingebaut, um eine größtmögliche Wirkung auf die soziale Bildung und eine gute Lernatmosphäre zu erhalten.

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