Filmfest

Weltpremiere: „Borowski und der Schatten des Mondes“

Almila Bagriacik und Axel Milberg im neuen Borowski-Tatort.

Almila Bagriacik und Axel Milberg im neuen Borowski-Tatort.
Foto: NDR / Christine Schroeder

(Achim Neubauer) Zum „Love And Peace Festival“, das am ersten Septemberwochenende des Jahres 1970 auf der Insel Fehmarn stattfand, wollen auch Susanne Hansen (Mina Rueffer) und ihr Freund Klaus (August Milberg / Sohn von Axel Milberg). Per Anhalter sind die Jugendlichen unterwegs, um Jimi Hendrix zu sehen, der hier den letzten Festivalauftritt vor seinem plötzlichen Tod haben wird. Seine „Foxy Lady“ untermalt stimmig die ersten Szenen des Tatort, der mit Archivaufnahmen der „deutschen Antwort auf Woodstock“ einsteigt.

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Fünfzig Jahre später findet eine Försterin unter einer umgestürzten Eiche einen völlig skelettierten Leichnam. Klaus Borowski (Axel Milberg), inzwischen seit 17 Jahren Tatort-Kommisssar in Kiel, ahnt von Anfang an, dass es sich bei der Toten um seine damalige Freundin handeln könnte. Entsprechend zurückhaltend, fokussiert und eigenbrötlerisch ermittelt er alleine, informiert weder Kollegin Sahin (Almila Bagriacik), noch Kriminalrat Schladitz (Thomas Kügel) über seine persönliche Betroffenheit.

Axel Milberg geht wieder einmal in seiner Rolle auf. Er war es, der damals den Kieler Kommissar ganz wesentlich mit erfand, ihm spielt er die Mätzchen und Marotten auf den Leib. Die persönliche Verstricktheit der Kommissare in die Ermittlungen – innerhalb der Reihe Tatort oft kritisiert – hier passt sie wieder einmal. Zwischen Axel Milberg und sein alter ego Klaus Borowski passt kein Blatt.

Einen sehr ruhigen Film hat Regisseur Nicolai Rohde gestaltet. In vielen Nahaufnahmen lässt sich den Gesichtern abspüren, wie die Personen nach und nach begreifen, welches Grauen sich damals abgespielt hat. Das ist deshalb spannend, weil die Zuschauer in ihrem Verständnis eigentlich immer einen Schritt weiter sind als die Handlung. Zu deutlich wird von Anfang an, wer mit dem Mord an der Schülerin zu tun haben muss.

Der Komponist Johannes Kobilke.

Der Komponist Johannes Kobilke.
Foto: Achim Neubauer

Zu Gast bei der Premiere in der Oldenburger Kulturetage war der Komponist Johannes Kobilke, der Hintergründe zur musikalischen Gestaltung seines inzwischen 18 Tatorts erhellte. Sechs bis acht Wochen braucht er, um einen Spielfilm mit seiner Musik zu untermalen und meistens kommt er erst mit der ersten Schnittversion ins Spiel. Dabei gibt es je nach Regisseur mehr oder weniger konkrete Vorgaben zu den Kompositionen. Beim Borowski-Tatort waren von vornherein drei Musikstücke „gesetzt“. Einen Choral, einen Auszug aus Brahms‘ deutschem Requiem und eben Hendrix‘ Foxy Lady („You know you’re a cute little heartbreaker … I wanna take you home – I won’t do you no harm“) hatte Nicolai Rohde vorgegeben. Darüber hinaus entstanden für diesen Tatort weitere 52 Minuten Musikuntermalung an Kobilkes heimischem Computer, die sich nahtlos in die Handlung einfügen.

Tatort-Regisseur Nicolai Rohde.

Tatort-Regisseur Nicolai Rohde.
Foto: NDR / Christine Schroeder

Ein Ausstrahlungstermin für den Tatort, der unter dem Arbeitstitel „Borowski und die Schatten der Vergangenheit“ im September / Oktober 2019 abgedreht wurde, steht noch nicht fest; ursprünglich war die Erstsendung noch für 2020 geplant.

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