Oldenburg

CSD Nordwest: Jetzt erst recht!

Mehr denn je Menschen haben am 22. CSD Nordwest in Oldenburg teilgenommen.

Über einen Teilnehmerrekord können sich die Organisatoren vom Verein LuST freuen. Bei strahlendem Wetter und guter Stimmung ging es durch Oldenburgs Innenstadt.
Foto: Anja Michaeli

Oldenburg (am) Mehr denn je Menschen haben gestern am 22. Christopher Street Day (CSD) Nordwest unter dem Motto „Wir sind unverhandelbar!“ in Oldenburg teilgenommen. Großwagen, Showbands und zahlreiche Fußgruppen aus dem gesamten Nordwesten, aus Rostock, Braunschweig und Berlin demonstrierten gestern in der Innenstadt, um für die Gleichstellung von Schwulen, Lesben, Bisexuellen und Transgender (LGBT) und gegen Homophobie einzutreten. Rund 10.000 Zuschauer sahen sich das bunte Treiben an. Unter dem Eindruck der schrecklichen Geschehnisse in Orlando (US-Bundesstaat Florida) gab es bei der Abschlusskundgebung auf dem Schlossplatz nachdenkliche Töne, die mit einem „Jetzt erst recht!“ untermalt wurden.

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22. CSD Nordwest in Oldenburg

Die Grüße der Stadt überbrachte in diesem Jahr Oldenburgs Bürgermeisterin Germaid Eilers-Dörfler: „19 teilnehmende Organisationen haben mit ihren Beiträgen ein starkes Signal gegeben: Oldenburg ist eine Stadt der Toleranz.“ Trotzdem müssten immer noch einige Barrieren in den Köpfen abgebaut werden.

„Wir sind in wichtigen Angelegenheiten wie beim Ehe- und Adoptionsrecht immer noch Menschen zweiter Klasse“, begann dann auch CSD Nordwest-Sprecher Kai Bölle seine Ansprache. Er zitierte eine Studie: „40 Prozent der Bevölkerung finden es ekelhaft, wenn wir uns in der Öffentlichkeit küssen.“ Bölle sprach über seine Sorgen angesichts der Entwicklungen in Deutschland: „Die AfD bringt sich in Stellung, um uns unsere Rechte zu verwehren.“ Er kritisierte auch andere Parteien. Im Vorfeld des CSD Nordwest hatte es heftige Diskussionen auf der Facebook-Seite der Organisatoren gegeben: Ausfallend, beleidigend und bedrohend wurde der Ton, als bekannt wurde, dass der Kreisverband der CDU Oldenburg mit einem Wagen an dem Demonstrationszug teilnehmen würde. Kritisiert wurde die Partei als Verhinderer, wenn es um die Rechte der LGBT-Gemeinschaft geht. „Es tut sich tatsächlich was auf kommunaler Ebene“, erklärte Bölle zu der Entscheidung, den Wagen zuzulassen, aber ein entsprechendes Handeln würde nun auch eingefordert werden. Bis auf Buh-Rufe bei der Rede des CDU-Kreisgeschäftsführers Daniel Kaszanics blieb dieser Parteiauftritt ohne weitere negative Reaktionen.

Bedrückend sprach er von dem Anschlag in Orlando, bei dem 49 Homosexuelle in einem Club für Schwule und Lesben gezielt erschossen wurden. Erst käme Hetze und dann der Hass. „Aus Gedanken werden Worte und irgendwann folgen daraus Taten“, so Bölle. „Gegen wen heute gehetzt wird, der ist morgen Opfer“, ist Bölle besorgt. Kritik übte er an Bundeskanzlerin Angela Merkel, die erst nach Kritik die schwulen Opfer öffentlich gewürdigt habe. „Das ist gelebte Homophobie und Homophobie tötet“, betonte er.

Mit Listen der Opfernamen aus Orlando haben die Veranstalter das ganze Ausmaß der schrecklichen Tat noch einmal deutlich gemacht. Eine Kerze wurde entzündet, eine Gedenkminute eingelegt und 49 rote „blutgetränke“ Luftballons – für jedes Opfer einen – stiegen bei dem Lied „Over the Rainbow“ gen den blauen Himmel auf. Nicht wenigen Teilnehmern kamen die Tränen, die Menschen nahmen sich in die Arme. Ein sehr emotionaler Moment des gestrigen CSD Nordwest. „Wir sind erschüttert“, sagte Bolle. Ein Stück Unbeschwertheit sei genommen worden. Aber dann rief er den Zuschauern zu: „Jetzt erst recht!“

Die OOZ war am gestrigen Samstag live vor Ort. Das Video über die Demonstration und die Ansprache von Kai Bölle sind hier zu finden.

CSD Nordwest Demonstration

CSD-Abschlusskundgebung

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