Oldenburg

Oldenburg hilft: Jetzt erst recht!

Die Corona-Krise verändert die Menschen – auch in Oldenburg.

Oldenburg hilft.
Foto: Lukas Lehmann

Oldenburg (am) Die Corona-Krise verändert die Menschen – auch in Oldenburg. In dieser Ausnahmesituation trifft Wut auf Liebe, Panik auf Mut. Viele schimpfen und ärgern sich, andere sinnen darüber nach, wie sie helfen können. Es wird genäht, Einkaufshilfe angeboten oder Software entwickelt.

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Die Welle der ehrenamtlichen Hilfsbereitschaft in Oldenburg hat ganz verschiedene Gesichter. „Jetzt erst recht!“, ist ihre Devise. Stellvertretend für alle Helfenden haben wir mit einigen Engagierten gesprochen.

#WirvsVirus – Rückenwind für Oldenburg

Rückenwind Oldenburg: Martin Krück, Luisa Busch und Malte Stomberg, Vivien Louis, Linus Kemme, Jan-Magnus Kister.

Von links nach rechts und oben nach unten: Martin Krück, Luisa Busch und Malte Stomberg, Vivien Louis, Linus Kemme, Jan-Magnus Kister.
Foto: Rückenwind Oldenburg

Am vergangenen Wochenende haben rund 42.000 Menschen am Hackathon der Bundesregierung unter dem Motto „Wir versus Virus“ teilgenommen. Eingeladen waren Problemlöser_innen aus der Tech- und Kreativbranche, aber auch sozial engagierte Bürger_innen. Eine Gruppe von zwölf Studierenden hat sich daran beteiligt. Nicht alle kannten sich vorher persönlich, die Mehrzahl hat keine großen Programmierkenntnisse. Per Skype haben sie ihr Projekt für Oldenburg realisiert.

Mit dem Projekt wollen sie Kneipen, Clubs, Cafés, Restaurants und Kulturstätten in Oldenburg unterstützen, damit die Stadt auch nach der Corona-Krise lebendig bleibt. „Deshalb haben wir eine Webseite entwickelt, auf der Menschen ein virtuelles Getränk, Gericht oder Ticket für ihre Oldenburger Lieblingslokalität kaufen können. Der Erlös wird direkt via Paypal an die jeweilige Lokalität gespendet“, erklärt Katrin Strassen. Einige Lokale wandeln Spenden in Gutscheine um, die nach der Corona Krise eingelöst werden können. Das ist in den jeweiligen Beschreibungstexten vermerkt. Nach der Krise könnte ein jetzt bezahlter Gutschein eingelöst werden. Nachdem die Website „scharf“ gestellt wurde, wartet die Gruppe nun auf zahlreiche Anmeldungen von Cafés, Kneipen und Restaurants und Museen, Theatern, Ateliers und andere auf zahlreiche Spender. Den Anfang hat der Klub Polyester gemacht, der alle Freunde der gepflegten Kneipenkultur nun auf ein virtuelles Bier einlädt und hofft, die Krise so überstehen zu können.

Der Hackathon #WirvsVirus war eine gemeinsame Veranstaltung von Bundesregierung, Tech4Germany, Code for Germany, Initiative D21, Impact Hub Berlin, ProjectTogether, Prototype Fund und der Verein SEND. Bundeskanzleramt und Digitalrat unterstützen das Projekt.

Kreativ durch die Krise

Katharina Semling löst alle Aufgaben mit Kreativität und viel Elan.

Katharina Semling löst alle Aufgaben mit Kreativität und viel Elan.
Foto: Tobias Trapp

Die Designerin Katharina Semling ist als „Die Wohnexpertin“ beruflich von der Corona-Pandemie wenig betroffen. Ihre Aufträge laufen einfach weiter. „Wenn ich mich mit Kunden treffe, trage ich Schutzkleidung und wir halten immer zwei Meter Abstand. Vieles läuft auch online“, so Semling. Es gebe immer einen Weg. Und mit diesem Motto hat sie auch die Krise am Schopf gepackt. Ausnahmesituationen brauchen besondere Lösungen und deshalb setzt sie sich mit ihrer gesamten Kreativität für verschiedene – kleine und große – Probleme ein.

In ihrem „Corona Transmitter Ideenheft“ hat sie zahlreiche Vorschläge gesammelt, die – wenn machbar – peu à peu umgesetzt werden. Oft geht es dabei um Kulturelles, wie die Idee auf dem Cäcilienplatz Konzerte, Malkurse, Lesungen und Performances zu veranstalten. Und auch dieser Gedanke ist konkret an Oldenburg angepasst: Die Menschen könnten in konzentrischen Kreisen um den Stein, der auf dem Cäcilienplatz auf der Wiese liegt, herumstehen – mit dem notwendigen Abstand in alle Richtungen. In der Mitte auf dem Stein steht der Künstler, das Modell, die Musikerin, der Coach, etc. Drumherum könnten sich an den Positionsfähnchen dann der Chor oder die Malklasse aufstellen. Im äußersten Kreis wäre dann der Platz für das Publikum. Eine andere Idee sind Reiseführer, die ihre Stadt virtuell vorstellen – vielleicht als Personal Reiseführer – buchen zu können. Wichtig wären auch Hintergründe für Videokonferenzen. „Interessant, was die Leute so von ihren Wohnungen zeigen“. Es bräuchte einfache Roll ups mit Bücherregalen oder anderen neutralen Motiven, die Wäscheständer oder nicht gespülten Abwasch verbergen.

„Ich habe mich gefragt, wie können wir in Oldenburg auf die Krise reagieren?“, so Semling, die den Stress in etwas Gutes umwandeln will, Negatives in Positives. Das gelingt ihr immer besonders gut, wenn sie aktiv werden kann. Neben der Einkaufshilfe für eine Seniorin hat Katharina Semling eine Aktion für ein Pflegeheim an der Alexanderstraße organisiert. Hier werden dringend Schutzmasken benötigt. Sie kümmert sich darum, dass die Diakonie für ihre Mundschutzmaskennähaktion immer genug Stoffe vorrätig hat. Auch für ihre Idee, Wäschesäckchen zu nähen, die das Waschen der Masken erleichtern, wird Gazestoff benötigt. Und schon vor Tagen hat sie ihre Gästewohnung einer Bekannten ohne Obdach zur Verfügung gestellt. „Das tut uns beiden gut“, so Semling, die die Gespräche untereinander schätzt. Und für die Roll ups hat sie auch schon eine Oldenburger Firma gefunden, die sie bei der Umsetzung unterstützen möchte.

Einer von vielen Ehrenamtlichen

Lukas Lehmann engagiert sich trotz der beruflich schwierigen Situation für das Gemeinwohl.

Lukas Lehmann engagiert sich trotz der beruflich schwierigen Situation für das Gemeinwohl.
Foto: Lukas Lehmann

Der selbstständige Fotograf Lukas Lehmann kämpft wegen der Corona-Krise um seine Existenz. „Die Auftragslage ist gleich Null“, ist Lehmann besorgt. Wie es weitergeht, weiß der Fotograf noch nicht. Und obwohl er gerade keine Aufträge hat, hat er alle Hände voll zu tun. Lukas Lehmann ist kommissarischer Fachbereichsleiter Sondereinsatzdienste bei den Johannitern. Er koordiniert und unterstützt die Einheiten der Ehrenamtlichen der Rettungshundestaffel, Psychosozialen Notfallversorgung, Fachgruppe Führung und Kommunikation, des Kältebusses und der anderen Hilfsdienste. Außerdem ist er kommissarischer Zugführer des Ortsverbands und leitet im Einsatz die Hilfskräfte.

Krisen wie die Corona-Pandemie sind Situationen, auf die die rund 40.000 Ehrenamtlichen der Johanniter vorbereitet sind. Trotzdem gibt es aktuell viel zu tun. „Zurzeit beachten wir die Entwicklung, dokumentieren Neuinfektionen und kommunizieren die strengen Hygienevorschriften“, so Lehmann. Und weiter: „Es gibt viele Dinge, die wir beachten müssen, die Lage ändert sich täglich“. Wegen der Gefahr einer Corona-Infektion habe man das Kältebus-Angebot für Obdachlose frühzeitig einstellen müssen, zurzeit würden zusätzliche Hilfsangebote entwickelt. Unter anderem bieten die Johanniter – neben ihren üblichen Aufgaben – aktuell auch Einkaufshilfen.

„Grundsätzlich sind wir auf besondere Situationen immer vorbereitet“, sagt Lehmann – auch im Namen seiner Kameradinnen und Kameraden. Jemand müsse ja in Notlagen einen kühlen Kopf bewahren. Rund 90 Prozent des Katastrophenschutzes in Deutschland ruhen auf den Schultern von Ehrenamtlichen, die sich für das Gemeinwohl engagieren. „Die gelebte Nächstenliebe bekommen wir vielfach zurück“, erklärt Lukas Lehmann seine Motivation. Er halte das Engagement für die Gemeinschaft für eine Verpflichtung für jede Bürgerin und jeden Bürger.

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