Oldenburg

Geistlicher Aufbruch im ökumenischen Sinn

Bischof Jan Janssen und Sabine Blütchen begrüßten den EKD-Ratsvorsitzenden Prof. Dr. Heinrich Bedford-Strohm in der Oldenburger St. Lamberti-Kirche.

Bischof Jan Janssen (rechts) und Sabine Blütchen begrüßten den EKD-Ratsvorsitzenden Prof. Dr. Heinrich Bedford-Strohm in der St. Lamberti-Kirche.
Foto: Katrin Zempel-Bley

Oldenburg (zb) „Von der Freiheit eines Christenmenschen“ sprach der EKD-Ratsvorsitzender Landesbischof Prof. Dr. Heinrich Bedford-Strohm in der Oldenburger St. Lamberti-Kirche. Bischof Jan Janssen und Synodenpräsidentin Sabine Blütchen begrüßten den Gastredner beim Adventsempfang der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Oldenburg.

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Die Reformationsbotschaft „Von der Freiheit eines Christenmenschen“ hat für Bedford-Strohm auch nach 500 Jahren nichts an Bedeutung verloren. „Dass sie uns heute nicht mehr von unseren katholischen Geschwistern trennt, sondern uns mit ihnen verbindet, freut mich besonders“, erklärte er. „Von der Freiheit eines Christenmenschen“ ist eine der berühmtesten Schriften des Reformators Martin Luther. Es ist ein Thema, das tief in der Bibel verwurzelt ist und auch in unserem Leben eine zentrale Rolle spielt.

Jeder wünscht sich Freiheit, doch was bedeutet der Begriff? „Freiheit spielte auch in der Reformation eine große Rolle“, sagt Bedford-Strohm. Die Menschen wollten sich von politischen und kirchlichen Bürden befreien. „Die Reformation war eine Antwort auf alle die Fragen nach der Freiheit, und eine Antwort, die uns glücklicherweise heute nicht mehr von den Katholiken trennt“, sagt der EKD-Ratsvorsitzende.

In diesem Zusammenhang nennt er die Rechtfertigungslehre, „so etwas wie der Schlüssel zur christlichen Freiheit“. Beide Kirchen hätten eine gemeinsame Erklärung zur Rechtfertigungslehre verabschiedet, in der sie sich über die wesentlichen Grundwahrheiten des Glaubens in dieser Frage einigen konnten. Rechtfertigung bedeute innere Freiheit, erläutert der Redner.

Die Gebote Gottes habe Luther als etwas verstanden, was er erfüllen müsse, um auf die offenen Arme Gottes hoffen zu können. Daran sei er verzweifelt und gescheitert. Bis er auf diesen Satz von Paulus gestoßen sei: „Der Mensch wird allein gerechtfertigt aus dem Glauben und nicht aus den Werken.“ Das sei Luthers große Befreiung gewesen. „Hölle, Gericht, all das, was die Menschen damals geängstigt hat, hatte für Luther seine Macht verloren – unabhängig von der Konfession – weil wir all das, woran wir scheitern, in Christi Hand legen dürfen. Das ist das, was die innere Freiheit ausmacht.“

„Ein Christenmensch ist ein freier Herr aller Dinge und niemandem Untertan“, lautet eine These Luthers. Damit sei Zivilcourage gemeint, zu dem zu stehen, wovon man überzeugt sei, eben dem eigenen Gewissen und nicht Autoritäten folgen. Das sei innere Freiheit. Eine weitere These Luthers lautet: „Ein Christenmensch ist ein dienstbarer Knecht aller Dinge und jedermann untertan“. Das sei kein Widerspruch zu ersten These. Gemeint sei der Dienst am Nächsten.

„Freiheit ist immer nur dann Freiheit, wenn sie nicht gegen die Nächstenliebe, sondern mit der Nächstenliebe zusammen gedacht wird“, erläutert Bedford-Strohm und erinnert an die große Hilfsbereitschaft für Flüchtlinge in unserem Land. Die Leute hätten nicht geholfen, um ihr moralisches Punktekonto vor Gott hochschnellen zu lassen, sondern weil es von innen gewollt war.

„Die äußere Freiheit ist die kommunikative Freiheit, die immer im Austausch mit anderen sich bewährt und bewähren muss“, sagt er weiter. „Das christliche Freiheitsverständnis sei eng verknüpft mit dem, was wir in der Bibel die biblische Option für die Armen nennen – also die Rücksicht und die Unterstützung, die Solidarität mit den Schwachen“, so der Ratsvorsitzende, der Immanuel Kant zitiert: „Der Mensch darf nie allein Mittel zum Zweck sein, sondern er ist immer zugleich Zweck an sich.“

Und schließlich nennt er die authentische öffentliche Kirche der Freiheit, die eine geistlich gegründete Kirche sein muss, „eine Kirche, die wirklich ausstrahlt, wovon sie spricht.“ Was ist also wichtig, fragt er zum Schluss und gibt selbst die Antworten: Dankbar zu leben und zu erkennen, dass wir auf andere angewiesen sind, wir also kein Selfmademan sind sondern es vielmehr andere Menschen gibt, die uns geprägt und gefördert haben. Frömmigkeit praktizieren, in dem wir lernen zu vergeben. Nicht nur andere kritisch betrachten sondern ebenso uns selbst. Und schließlich lernen, in der Gegenwart zu leben.

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