Grünen-Abgeordnete Schendel kritisiert AfD-Familienbild in Niedersachsen
Die Grünen im Landtag Niedersachsen haben die AfD-Debatte zur Kinderfreundlichkeit scharf kritisiert. Das teilte die Fraktion Bündnis 90/Die Grünen im Landtag Niedersachsen mit.
In der Aktuellen Stunde am 7. Oktober sagte die Abgeordnete Swantje Schendel, Kinderfreundlichkeit zeige sich nicht daran, wie oft das Wort „Familie“ gesagt werde, sondern daran, ob wirklich jedes Kind dazugehöre. Schendel wandte sich gegen eine Politik, die Kinder nach Leistung, Herkunft, Behinderung oder Familienform sortiere.
Sie sagte, wer so vorgehe, mache keine kinderfreundliche Politik, sondern das Gegenteil.
Die Abgeordnete stellte pflegende Eltern in den Mittelpunkt. Sie beschrieb, dass diese Eltern Therapien koordinierten, Hilfsmittel beantragten, mit Kranken- und Pflegekassen telefonierten, Schulbegleitung klärten, Bescheinigungen sammelten und Widersprüche schrieben, während sie arbeiteten und sich um Geschwisterkinder kümmerten.
Eine bundesweite Untersuchung mit mehr als 1.000 betreuenden Eltern zeige, dass 58 Prozent der befragten Mütter ihre Erwerbsarbeit wegen der Beeinträchtigung ihres Kindes reduziert hätten. Jede fünfte Mutter habe Arbeit oder Ausbildung ganz beendet, nur etwa ein Fünftel habe gesagt, Pflege und Beruf ließen sich gut vereinbaren.
Schendel fragte mit Blick auf den Titel der Aktuellen Stunde, ob die AfD ihr Kind eigentlich mitmeine. Die AfD Niedersachsen nenne Inklusion an Regelschulen einen „Irrweg“ und unterscheide danach, welche Kinder mit Behinderung „begabt“ seien und sich „angemessen verhalten“ könnten.
Als ehemalige Lehrerin sagte Schendel, wenn Inklusion nicht funktioniere, sei nicht das Kind das Problem, sondern es müsse über Personal, Unterstützung und gute Schulen geredet werden.
Schendel kritisierte das Familienbild der AfD als selektiv. Vater, Mutter, Kinder und möglichst klare Rollen gehörten dazu, während Strukturen, die beiden Eltern Erwerbsarbeit ermöglichten, wie Kita, Ganztag und öffentliche Betreuung, schlechtgeredet würden.
Besonders für Frauen sei das fatal. Schendel sagte, Frauen hätten nicht jahrzehntelang für ihre Gleichberechtigung gekämpft, damit die AfD sie politisch wieder an den Herd schicke.
Die AfD beklage zugleich sinkende Geburtenraten, doch Familien brauchten keine Rückkehr in die Vergangenheit, sondern gute Betreuung, Zeit, Sicherheit, Vereinbarkeit und echte Wahlfreiheit. Wer Förderschulen wieder zum Regelfall machen, Familien nach Lebensform hierarchisieren und Frauen in alte Rollen drängen wolle, sollte anderen keine Kinderfeindlichkeit vorwerfen.
Kinderfreundliche Politik heiße, jedes Kind zähle, nicht nur das Kind, das ins Weltbild der AfD passe.
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