Kultur

Peter Suhrkamp: Vom Volksschullehrer zum Verleger

Der Kirchhattener Peter Suhrkamp war Lehrer, Soldat, Redakteur, Schriftsteller, Dramaturg und ein bis heute sehr bekannter Verleger.

Peter Suhrkamp.
Foto: Suhrkamp Verlagsarchiv

Oldenburg (zb) Er war Volksschullehrer, Reformpädagoge, Soldat im Ersten Weltkrieg, Redakteur, Schriftsteller, Spielleiter und Dramaturg und später ein bis heute bekannter Verleger. Die Rede ist von dem Kirchhattener Peter Suhrkamp, der am 28. März 125 Jahre geworden wäre. Die Oldenburgische Gesellschaft für Familienkunde, Fachgruppe der Oldenburgischen Landschaft, hat dieses Datum zum Anlass genommen, eine Wanderausstellung mit dem Titel „Peter Suhrkamp – Lebenswege & Lebenswirklichkeit 1891-1959“ zu konzipieren, die vom 9. September bis 12. November in der Landesbibliothek Oldenburg am Pferdemarkt zu sehen ist.

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In Hatten befindet sich Peter Suhrkamps Geburtshaus, der eigentlich auf den Namen Johann Heinrich getauft wurde. Als ältester Sohn einer Bauernfamilie war sein Weg eigentlich vorgezeichnet. Doch statt den elterlichen Hof zu übernehmen, entschied er sich, Lehrer zu werden, studierte in Oldenburg am Lehrerseminar und trat seine erste Stelle in Augustfehn an, um danach nach Idafehn zu wechseln. 1913 verlässt er das Oldenburger Land und wird Lehrer an der Goethe-Schule in Bremerhaven und wechselt schließlich an die Pestalozzi-Schule-Bremerhaven.

Mit Beginn des Ersten Weltkrieges meldet er sich freiwillig zum Kriegsdienst, kommt als psychisch Kranker zurück und wird in einem Bremer Krankenhaus behandelt. Schließlich arbeitet er wieder als Lehrer, geht nach Thüringen bis er 1929 den Lehrerberuf aufgibt, um als Redakteur nach Berlin zu gehen.

1929 endete sein Lehrerdasein. Er arbeitete fortan als freier Mitarbeiter beim Berliner Tageblatt sowie beim Monatsmagazin Uhu. 1932 wurde Peter Suhrkamp Mitarbeiter des S. Fischer Verlag, 1933 Mitglied des Vorstandes, 1935 kaufte er die Teile des Verlages, den er schließlich bis 1944 leitete. Dann geriet er ins Visier der Gestapo, die ihn verhaftete und ins Konzentrationslager Sachsenhausen brachte.

Ihm wurde zur Last gelegt, weiterhin Autoren verlegt zu haben, die den Nazis nicht genehm waren. Zudem soll er verdächtige Auslandsreisen unternommen und Kontakte zu Widerstandskreisen gepflegt haben. Von den erlittenen Folterungen hat sich Peter Suhrkamp nie mehr erholt. „Seine Abneigung gegen die Nationalsozialisten speist sich aus einer liberalen Grundhaltung, dem Drang nach Unabhängigkeit und hoher künstlerischer Sensibilität“, schrieb die Frankfurter Allgemeine Zeitung 2013 zur Haltung Peter Suhrkamps zum Nationalsozialismus.

Nachdem die geplante Fusion zwischen seinem und dem S. Fischer Verlag 1950 scheiterte, gründete er in Frankfurt/Main den Suhrkamp-Verlag und gehörte bald zu den wichtigsten und bedeutendsten Verlegern in Nachkriegsdeutschland. Bücher namhafter Autoren wie Bertolt Brecht, Theodor W. Adorno, Samuel Beckett, Max Frisch, Carl Zuckmayer oder T.S. Elliot erschienen im Suhrkamp Verlag. Neun Jahre später, am 31. März 1959, starb der Verleger in Frankfurt am Main.

Wer war Peter Suhrkamp? Dieser Frage geht die Ausstellung nach und stellt das facettenreiche Leben des Verlegers, der auf Sylt seine letzte Ruhestätte fand, vor. Zusammen mit seiner Frau Annemarie Seidel war er häufig auf der Insel anzutreffen.

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