Wirtschaft

Preisniveau ist existenzbedrohend

Johannes Freundlieb.

Johannes Freundlieb.
Foto: Genossenschaftsverband

Rastede (zb) „Die ländlichen Genossenschaften mit ihren 3600 Mitarbeitern stehen wegen des Einflusses der Weltmärkte auf hiesige Erzeugerpreise vor großen Herausforderungen“, erklärte Johannes Freundlieb, Verbandsdirektor beim Genossenschaftsverband Weser-Ems, der in Rastede Bilanz für 2015 zog. So stießen gute Ernten und hohe Produktionsmengen auf eine verhaltene beziehungsweise rückläufige Nachfrage.

Anzeige

LzO Neukunden

„Dies spürten insbesondere die Betriebe in Weser-Ems und somit auch unsere Ländlichen Genossenschaften, die in den exportlastigen Branchen der Milchverarbeitung oder der Vieh- und Fleischwirtschaft tätig sind. Hier standen die Erzeugerpreise weiter unter hohem Druck und auch eine kurzfristige Erholung ist nicht absehbar“, berichtet Freundlieb. Die Umsätze im klassischen landwirtschaftlichen Bereich waren – mit Ausnahme des Bereichs Obst und Gemüse (plus 5,9 Prozent Umsatz) – generell rückläufig.

Die 35 Warengenossenschaften und -gesellschaften erzielten einen Umsatz von knapp 1,6 Milliarden Euro (minus 3 Prozent). Die Umschlagsmenge bewegte sich dabei mit gut 4,6 Milliarden Tonnen um fünf Prozent über der Menge des Vorjahres. Mit 894 Millionen Euro (plus acht Prozent) erzielten die Genossenschaften mit Futtermitteln den größten Umsatz.

„Die Warengenossenschaften und -gesellschaften erwarten ein sehr schwieriges Jahr“, sagte Freundlieb. Hintergrund seien unter anderem die eingegangenen Einkaufs- und Verkaufskontrakte aus Sicht der Genossenschaft / Gesellschaft für landwirtschaftliche Erzeugnisse. Durch den starken Preisverfall haben sie die Kontrakte mit den Zulieferern zu erfüllen, gehen aber auf der Gegenseite davon aus, dass die zur Absicherung dienenden Kontrakte mit den Landwirten von deren Seite nicht immer eingehalten werden können. Insofern gehen die Warengenossenschaften von einem deutlich geringeren Ergebnis in 2016 aus.

Auch der Düngemittelabsatz bleibt bei vielen Genossenschaften hinter dem des Vorjahres zurück. Hierfür sind gesetzliche Anforderungen aber auch ein feuchtes Frühjahr zu nennen. In einigen Regionen, besonders dort, wo hohe Bestände an Milchvieh bestehen, gehen die betroffenen Warengenossenschaften von Forderungsausfällen und auch von deutlicher Verlängerung von Zahlungszielen von Seiten der Kunden aus.

Die 21 Viehgenossenschaften in Weser-Ems vermarkteten 7,6 Millionen Tiere. Der Umsatz betrug eine Milliarde Euro. Die Zahl der 2015 erfassten Schlachttiere reduzierte sich um 2,8 Prozent auf vier Millionen Stück (2015: 4,1 Millionen). Der Umsatz sank um 8,9 Prozent auf 675 Millionen Euro (2015: 741 Millionen Euro). Der Preis für Schlachtvieh (Schweine oder Rinder) bewegte sich 2016 auf einem sehr niedrigen Niveau.

Lediglich die gute Wetterlage im Mai und damit der verbesserter Markt für Grillartikel konnte den Erzeugerpreis für Schlachtschweine steigen lassen. Dennoch wird beobachtet, dass im Bereich der Erzeuger vermehrt bisher gut gehende Betriebe aufhören, weil ihre Arbeit nicht mehr den finanziellen Erfolg einbringt, berichtete Freundlieb.

Für die fünf Molkereigenossenschaften war das vergangene Jahr schwierig. Der Milchmarkt war von einem massiven Preisverfall geprägt. Diese Entwicklung sorgt für eine weiterhin anhaltende Krisenstimmung am Milchmarkt. Aktuell werden noch 4577 Betriebe (minus zwei Prozent) mit einer durchschnittlichen Herdengröße von 83 Tieren gezählt. Mit 380.680 Kühen ist der Gesamtbestand aber nahezu konstant geblieben.

Aufgrund der gesunkenen Markterlöse mussten die Milcherzeuger weiter fallende Auszahlungspreise hinnehmen. „In Niedersachsen bewegte sich der durchschnittliche Milchauszahlungspreis für 2015 mit 27,83 Cent/Kg um rund 24 Prozent unter dem Vorjahr und hat damit für viele Erzeuger ein existenzbedrohendes Niveau erreicht“, so Freundlieb.

Da die Nachfrage aus Asien und Russland nach Molkereiprodukten hinter dem Angebot zurückbleibt, bewegt sich der Milchpreis aktuell bei bis zu 20 Cent pro Kilogramm Milch und ist damit nicht ausreichend für die landwirtschaftlichen Betriebe. „Aktuelle Preisverhandlungen mit dem Lebensmitteleinzelhandel verschärfen die Situation der Molkereien und damit der Landwirte noch mehr und könnten den Preis auf unter 20 Cent drücken“, befürchtet Freundlieb, der von politischer Seite verbesserte Marktchancen fordert.

Vorheriger Artikel

Trotz Niedrigzinspolitik gutes Ergebnis erzielt

Nächster Artikel

Glashüttensiedlung: Unterstützer gesucht