Wirtschaft

Genossenschaften verspüren viel Rückenwind

Legten eine positive Bilanz 2012 für den Genossenschaftsverband Weser-Ems vor: Geschäftsführer Harald Lesch, und die Verbandsdirektoren Rainer Backenköhler und Georg Lutmathe.

Legten eine positive Bilanz 2012 für den Genossenschaftsverband Weser-Ems vor (von links): Geschäftsführer Harald Lesch, und die Verbandsdirektoren Rainer Backenköhler und Georg Lutmathe.
Foto: Katrin Zempel-Bley

Rastede (zb) Die Genossenschaften im Genossenschaftsverband Weser-Ems wachsen weiter und ihre Geschäftsergebnisse können sich sehen lassen. Der Verband konnte im vergangenen Jahr zwölf neue Mitgliedsunternehmen begrüßen, teilte Verbandsdirektor Rainer Backenköhler mit, der in Rastede Bilanz für 2012 zog.

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Der Bilanzsummenzuwachs der Volksbanken und Raiffeisenbanken legte um 1,1 Milliarden Euro auf 21,3 Milliarden Euro zu. Die durchschnittliche Bilanzsumme lag bei 374,5 Millionen Euro, das sind 6,9 Millionen Euro mehr als im Jahr 2011. „In Weser-Ems brummt das Kreditgeschäft“, erklärte Backenköhler, der sich über das erhöhte Kundenkreditvolumen von 15,4 Milliarden Euro freute. Das entspricht einer Steigerung um 935 Millionen Euro oder 6,5 Prozent. Es handelt sich vorwiegend um längerfristige Kredite in den Bereichen Landwirtschaft und erneuerbare Energie.

800 Millionen Euro mehr haben die Kunden in der genossenschaftlichen Finanzgruppe angelegt, nämlich insgesamt 19,8 Milliarden Euro. Die Kundeneinlagen machten fast 70 Prozent aus. Der stärkste Zuwachs wurde mit 14,6 Prozent bei den Sichteinlagen verzeichnet. Backenköhler führt diese Entwicklung auf die andauernde Krise zurück: „Die Kunden beobachten erst einmal, wie sich der Markt entwickelt.“

Das Betriebsergebnis vor Bewertung in Höhe von 1,19 Prozent der durchschnittlichen Bilanzsumme lag leicht unter dem Vorjahreswert von 1,29 Prozent. „Das ist allein auf den Rückgang des Zinsüberschusses zurückzuführen“, klärte Backenköhler auf. „Dennoch sind die Volks- und Raiffeisenbanken sehr gut im Markt positioniert und bestens aufgestellt.“ Die positive Entwicklung habe sich in den ersten Monaten des laufenden Jahres fortgesetzt, berichtete er weiter und sprach von einer sehr erfreulichen und stabilen Entwicklung.

Die 40 Warengenossenschaften legten mit 1,8 Milliarden Euro einen sehr guten Umsatz hin, was einer Zunahme von 7,5 Prozent entspricht. Spitzenreiter mit 959 Millionen Euro sind die Genossenschaften mit Futtermitteln, die über 60 Prozent selbst produzieren. Dann folgen die Mineralöle und Treibstoffe mit 302 Millionen Euro, Getreide mit 144 Millionen Euro und Düngemittel mit 102 Millionen Euro. Die Raiffeisenmärkte erzielten einen Umsatz von 62 Millionen Euro.

Nicht nur Rückenwind sondern geradezu Sturmböen verspüren die Energiegenossenschaften. Und dieser Trend hält unaufhaltsam an. Die Bürger lebten bereits die politisch beschlossene Energiewende, erklärte Verbandsdirektor Georg Litmathe. Inzwischen habe auch die Politik den enorm hohen Stellenwert von Genossenschaften in der Bevölkerung erkannt, was angesichts der Finanz- und Wirtschaftskrise nicht verwunderlich sei. Die Menschen setzten auf das solide und auf Nachhaltigkeit ausgerichtete demokratische Geschäftsmodell der Genossenschaft. „Es bietet vielfältige Möglichkeiten, zahlreiche Herausforderungen unserer Gesellschaft in Gemeinschaft und mit Eigeninitiative zu meistern“, sagt Litmathe. Genossenschaften trügen zudem in erheblichem Umfang zur lokalen Wertschöpfung bei.

Der Um- und Ausbau der Energieerzeugungskapazitäten sowie Netz- und Speicherinfrastruktur erfordere Investitionen im dreistelligen Milliardenbereich und die Akzeptanz für derartige Projekte in der Bevölkerung, gab der Verbandsdirektor zu bedenken. „Genau hier bieten genossenschaftliche Bürger-Energie-Modelle hervorragende Lösungsansätze“, ist er überzeugt. „Zumal unsere Erfahrungen zeigen, wie vergleichsweise reibungslos sie arbeiten wenn es zum Beispiel um Windparks geht, weil von Beginn an alle Betroffenen einbezogen werden und nicht über ihre Köpfe hinweg regiert wird.“

Das Potenzial für Energiegenossenschaften ist also noch längst nicht ausgeschöpft angesichts der Herausforderungen der Energiewende. Allerdings sei eine verlässliche Politik mit entsprechenden Rahmenbedingungen unerlässlich, um diesen bereits gut laufenden Prozess fortsetzen zu können, stellte Litmathe klar. Investoren dürften nicht durch radikale Weichenstellungen abgeschreckt werden. Er forderte Politik aus einem Guss. „Wir suchen deshalb das Gespräch mit den politischen Entscheidungsträgern, um sie auf die Bedeutung der Energiegenossenschaften bezüglich der Energiewende hinzuweisen“, sagte er abschließend.

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