Wirtschaft

Mittelstand im robusten Konjunkturhoch

Michael Bolte stellte das Ergebnis seiner aktuellen Umfrage zur Wirtschaftslage vor.

Michael Bolte stellte das Ergebnis seiner aktuellen Umfrage zur Wirtschaftslage vor.
Foto: Katrin Zempel-Bley

Oldenburg (zb) „In der Region herrscht ein sehr positives Wirtschaftsklima“, fasst Michael Bolte, Geschäftsführer Creditreform Oldenburg, das Ergebnis seiner aktuellen Umfrage zur Wirtschaftslage zusammen. „Seit sechs Jahren beobachten wir einen robusten Aufwärtstrend mit einer starken Dynamik.“ Insgesamt 1104 Unternehmen, darunter rund 350 aus den Landkreisen Friesland, Wesermarsch Ammerland, Oldenburg sowie den Städten Oldenburg und Wilhelmshaven aus den Bereichen Verarbeitendes Gewerbe, Bau, Handel und Dienstleistungen hat er befragt. Die große Mehrheit ist mit der gegenwärtigen Lage sehr zufrieden und blickt zudem optimistisch in die Zukunft.

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Das Verarbeitende Gewerbe verzeichnet den höchsten Zuwachs in der Einschätzung der Geschäftslage und schafft die meisten Arbeitsplätze. Der Handel hinkt der allgemeinen Wirtschaftslage hinterher. Woran das liegt, konnte Michael Bolte nicht erklären. Bei 28,4 Prozent der oben genannten 350 befragten Unternehmen ist der Umsatz 2015 gestiegen, bei 53,1 Prozent gleich geblieben und bei 17,3 Prozent leicht gesunken. Damit war die Umsatzentwicklung in dieser Region besser als bundesweit und als im Vorjahr.

Was die Umsatzerwartung für 2016 betrifft, zeigen sich die befragten Unternehmen eher zurückhaltend. „Das beobachten wir schon seit Jahren“, sagt Michael Bolte. 37,2 Prozent glauben, ihren Umsatz steigern zu können, 54,3 Prozent gehen von gleich bleibenden Verhältnissen aus und 7,3 Prozent von sinkenden Umsätzen. Die Ergebnisse decken sich fast mit der Befragung 2015. Die aktuelle Politik, also weder die Grenzkontrollen noch die Sanktionen gegen Russland, spielt dabei keine signifikante Rolle, ergab die Umfrage.

Besonders gut entwickelte sich die Ertragssituation. 2015 gaben 21,3 Prozent der Befragten an, dass ihre Erträge gestiegen seien, 2016 waren es 24,3 Prozent. Gleich geblieben sind sie im Vorjahr bei 56,2 Prozent, in diesem Jahr bei 55,7 Prozent. Sind die Erträge in 2015 bei 21,3 Prozent gesunken, so waren es in diesem Jahr 18,2 Prozent. Für die kommenden Monate rechnet fast ein Prozent mehr als 2015, nämlich 33,7 Prozent, mit einer verbesserten Ertragsentwicklung, 52,2 Prozent, 1,5 Prozent weniger als im Vorjahr, gehen von einer gleich bleibenden Entwicklung aus und 13,5 Prozent, das ist ein Prozent mehr als 2015, rechnen mit sinkenden Erträgen.

Knackpunkt bleibt die mangelnde Investitionsbereitschaft der Unternehmen, die deutlich unter dem bundesweiten Durchschnitt liegt. Vor allem der Handel und die Dienstleistungsbranche zeigen sich noch weniger investitionsbereit als im Vorjahr. Michael Bolte vermutet dahinter eine mangelnde Risikobereitschaft. Die Eigenkapitalquote habe sich in allen Bereichen positiv entwickelt. Geld sei also vorhanden. Allerdings weist er daraufhin, dass 2010 nach der Wirtschaftskrise im Oldenburger Land exorbitant investiert worden sei.

Bezüglich des Personals haben 27 Prozent (2015: 26,4) der Unternehmen aufgestockt, 64,5 Prozent (2015: 59) veränderten nichts und 7,6 Prozent (2015: 13,2) verkleinerten ihren Personalbestand. Somit hält der Großteil an seinem Personal fest. Die Personalplanungen im Oldenburger Land sind jedoch hoch. 23,5 Prozent gaben an, aufstocken zu wollen. Das sind sieben Prozent mehr als 2015. 72,7 Prozent wollen nichts verändern, das sind knapp vier Prozent weniger als 2015, und 3,2 Prozent wollen verkleinern. In 2015 waren das noch 5,3 Prozent.

Die meisten Kräfte werden in den Branchen Chemie, Datenverarbeitung, Gastgewerbe und Elektrotechnik gesucht. Land- und Forstwirtschaft sowie das Versicherungswesen suchen hingegen kaum neue Kräfte. Das gilt unter anderem auch für die Metallverarbeitung und den Einzelhandel.

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