Wirtschaft

Chancengleichheit: IHK fordert Meisterprämie für alle

IHK-Hauptgeschäftsführer Dr. Thomas Hildebrandt (links) und IHK-Präsident Gert Stuke zogen Bilanz.

IHK-Hauptgeschäftsführer Dr. Thomas Hildebrandt (links) und IHK-Präsident Gert Stuke zogen Bilanz.
Foto: IHK

Oldenburg (zb) Die Ausbildungsbereitschaft der Wirtschaft im Oldenburger Land ist mit rund 11.000 Ausbildungsverhältnisse nach wie vor groß. Zum Ende des letzten Jahres wurden in der Region der Oldenburgischen Industrie- und Handelskammer (IHK) 4372 Ausbildungsverträge abgeschlossen. Das ist eine leichte Steigerung von 2,5 Prozent oder 108 Verträgen zum Vorjahreszeitraum. Das geht aus dem Jahresbericht der IHK 2018 hervor, der jetzt vorgestellt wurde.

Anzeige

Durchblicken ist einfach. Jetzt kostenlosen Finanz-Check machen.

„Die Zahlen zeigen, dass die Wirtschaft im Oldenburger Land dem Fachkräftemangel begegnet und mehr ausbildet. Insbesondere im gewerblich-technischen Bereich wurden im vergangenen Jahr 1419 Verträge abgeschlossen, das sind 76 zusätzliche Ausbildungsstellen“, erklärte Stefan Bünting, Leiter des IHK-Geschäftsbereichs Bildung. Im kaufmännischen Bereich gab es 2953 Ausbildungsverträge. Von den insgesamt 4372 neuen Ausbildungsverhältnissen sind 193 mit Geflüchteten geschlossen worden. Die IHK rechnet in diesem Jahr mit stabilen Ausbildungszahlen.

Für eine funktionierende duale Ausbildung ist jedoch eine gute Unterrichtsversorgung unentbehrlich. Doch dazu gehört auch eine ausreichende theoretische Ausbildung in den Berufsschulen. Doch daran hapert es nach Ansicht von Stefan Bünting. „Damit die von allen gelobte duale Ausbildung gesichert und gestärkt wird, fordert die IHK Chancengleichheit für Berufsbildende Schulen. An Gymnasien haben wir seit Jahren eine Unterrichtsversorgung von über 100 Prozent, während die Berufsbildenden Schulen mit einer Versorgung von 90 Prozent benachteiligt werden.“

Stefan Bünting befürchtet, dass sich die Situation durch die geplante Budgetkürzung von bis zu 60 Prozent weiter verschlimmern wird. Mit diesen Landesmitteln konnten die Berufsschulen bisher eigenverantwortlich Fortbildungen, Dienstfahrten und kurzfristigen Vertretungsunterricht organisieren. „Wie sollen junge Menschen qualifiziert ausgebildet werden, wenn die Mittel für Lehrerfortbildungen und Vertretungen fehlen? Wir appellieren an das Kultusministerium, den Worten nun Taten folgen zu lassen und die Kürzungen zurückzunehmen“, erklärte Stefan Bünting.

„Auch bei der Meisterprämie in Niedersachsen ist das Land in der Pflicht. Es ist ungerecht, dass ein Handwerksgeselle die Meisterprämie zur Weiterbildung in Höhe von 4000 Euro erhält und eine junge Fachkraft im IHK-Bereich leer ausgeht“, legte er nach. „Die IHK fordert deshalb die Meisterprämie auch für die große Anzahl an Fortbildungen für Meister, Fachwirte und andere Aufstiegsfortbildungen in Industrie, Handel und Bankenbereich. Der Grundsatz der Bildungs- und Chancengleichheit muss für alle Branchen gelten.“

IHK-Hauptgeschäftsführer Dr. Thomas Hildebrandt spricht von einem „Frontalangriff auf die berufliche Bildung“ und erinnerte die Landesregierung aus SPD und CDU an ihre Zusage, die Meisterprämie für alle anzubieten. Gegenwärtig würde sich der Wirtschaftsminister bezüglich der Forderung, die Meisterprämie auch für den Industriebereich einzuführen, herausreden.

Vorheriger Artikel

Wozu braucht man einen Anwalt?

Nächster Artikel

Autobahnbrücke: Letzte Vollsperrung der Alexanderstraße

Keine Kommentare bisher

Einen Kommentar schreiben

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.